Pflege soll attraktiver werden

Der Fachkräftemangel ist in den Pflegeberufen schon ein drängendes Problem. Deshalb sollen sie attraktiver werden. Die generalistische Ausbildung zu Pflegefachkräften soll dazu beitragen. Sie ist seit dem Jahresbeginn in Kraft und soll auch in den Berufsbildenden Schulen Verden im Sommer starten.

Landkreis – Seit zwei Jahren können Schulabgänger den schulischen Teil ihrer Altenpflege-Ausbildung in den BBS absolvieren. „Wir wussten damals schon, dass die generalistische Ausbildung kommt“, berichtet Kerstin Teuber-Engelking. Sie leitet den Fachbereich im Schulzentrum und steckt noch mitten in den Vorbereitungen, damit der neue Ausbildungsgang mit dem nächsten Schuljahr im Sommer starten kann. Mit einem Ausbildungsverbund will der Landkreis den Arbeitgebern den erhöhten Organisationsaufwand erleichtern.

Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege waren bisher drei unterschiedliche Berufe mit einer jeweils eigenen Ausbildung. Die generalisierte Ausbildung fast alle drei zusammen, egal ob die Azubis im Seniorenheim, im Krankenhaus oder in einer pädiatrischen Abteilung angestellt sind. Sie sind nach den drei Jahren und bestandener Prüfung Pflegefachkäfte.

„Das bringt mehr Flexibilität für den Werdegang der Kräfte“, erklärt die Pädagogin. Das Ansehen der Beschäftigten in den drei Bereichen sei ebenfalls unterschiedlich. So könnten die einen von den anderen profitieren.

Ob die Neuerung ein Erfolg wird, wagt die Fachbereichskoordinatorin noch nicht vorauszusagen. Jetzt müssten die Möglichkeiten erst einmal bekannt werden. In ein oder zwei Jahren wisse man mehr. Ein Run auf die Pflege sei noch nicht zu beobachten. „Das ist neu, und viele wissen es noch gar nicht“, sagt sie. Mit ihren Kollegen ist Kerstin Teuber-Engelking häufig in Schulen und Einrichtungen unterwegs, um die Chancen bekannt zu machen, die die neue Struktur den Schulabgängerinnen und -abgängern eröffnet.

Der Ausbildungsgang sei mit guten Voraussetzungen ausgestattet. Die Klassen seien mit einer Mindestzahl von 14 Schülern angenehm klein. Erfahrungen und gut ausgestattete Fachräume sind in den BBS vorhanden und die Fachkenntnis der Lehrkräfte sowieso.

„Die Arbeitgeber geben die Einrichtung vor, die die Auszubildenden besuchen“, erklärt Teuber-Engelking. Im Kreisgebiet bereiten die IBS, das Institut für Berufs- und Sozial-Pädagogik in Achim, und eben die BBS in Verden den Einstieg in die generalistische Ausbildung vor. Die nichtstaatliche Einrichtung in Achim startet bereits im April, die BBS nach den Sommerferien. „Jetzt laufen gerade die Bewerbungsgespräche“, weiß die Koordinatorin. Erst danach erwartet sie die Anmeldungen.

Ihr und ihren fünf Kolleginnen im Fachbereich bleibt so immerhin noch etwas mehr Zeit für die Vorbereitungen. Da sei noch einiges zu entscheiden, und ein eigenes Curriculum, das die Ausbildungsinhalte vorgibt, die sie künftig unterrichten sollen, gibt es noch nicht. Teuber-Engelking bleibt entspannt: „Im Kollegenkreis sind alle drei Richtungen abgedeckt. Da gibt es keine Lücken.“

Bis zum Sommer müssten noch die Form des Unterrichts und andere organisatorische Entscheidungen fallen. „Vieles spricht für etwas Ähnliches wie dem Dualen System, die Ausbildung im Betrieb mit dem Berufsschultag.“ Das passe zu den Abläufen im Seniorenheim, aber nicht so gut zu den kurzen Verweilzeiten der Patienten im Krankenhaus. Deshalb sei in Kliniken eher der Blockunterricht die Regel gewesen. Das zu vereinbaren, sei nicht leicht, aber sie habe da schon Ideen.

Die Organisation der Praktika in den Einrichtungen werde immer wieder aufwendig sein. Um fit in den unterschiedlichen Bereichen zu werden, seien insgesamt elf praktische Einheiten vorgesehen, auch in Psychiatrie und häuslicher Pflege. Jeder Azubi müsse die durchlaufen und da sei einiges zu koordinieren. Teuber-Engelking ist deshalb auch froh, dass diese Aufgabe künftig im Ausbildungsverbund Pflege erledigt werden soll. Ende des Monats soll der Zusammenschluss der Einrichtungen als Arbeitgeber und anderer Beteiligter gegründet werden. „Sie müssten sonst die Organisation der Praktika für ihre Auszubildenden selbst hinbekommen.“ Zur Unterstützung will der Landkreis eine neutrale Koordinierungsstelle schaffen, die den Ablauf der Praxiseinsätze zentral plant.

Die Gründung des Ausbildungsverbundes ist am Donnerstag, 27. Februar, von 10 bis 13 Uhr im Kreistagssaal des Kreishauses. Interessierte Einrichtungen und Träger sind herzlich dazu eingeladen. Der neue Verbund steht auch weiteren Interessierten offen. Fragen dazu beantwortet Ute Schwetje-Arndt, Telefon 04231/15 667.

Rubriklistenbild: © dpa

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