„Lage ist schwierig“

Fachkräftemangel in der Pflege: Manche geben die Suche auf

Pflegegrad vier und keinen Pflegeplatz - so geht es derzeit einem Senior im Landkreis Verden. Ein Problem, das nicht nur er kennt in der Region.

Verden – „Das war wie eine kalte Dusche. “ Als der Senior die Vertragskündigung von Awo Ambulant so kurz vor Weihnachten und dem Jahreswechsel in Händen hielt, war das erst einmal ein Schock. Als Schwerbehinderter ist der ältere Herr dringend auf einen Pflegedienst angewiesen. Jetzt muss er sich einen anderen suchen. Seine Erfahrung dabei deckt sich mit der Einschätzung von Daniel Bestvater über die Lage in der Region.

„Der Fachkräftemangel macht es den Diensten schwer, aber ganz so dramatisch ist die Lage noch nicht, dass die Kunden sich Sorgen über ihre Versorgung machen müssen“, sagt der Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Verden. Ich könnte auch Zahlen von offenen Stellen für ausgebildete Fachkräfte nennen“, versucht der Sprecher, die Lage zu beschreiben. Wie die Awo-Pressesprecherin Sabine Schmitz in Hannover es beschrieben hatte, sieht auch der Arbeitmarktfachmann noch Möglichkeiten, offene Stellen für die hauswirtschaftliche Unterstützung der Dienste zu besetzen.

Der Fachkräftemangel in der Pflege sorgt dafür, dass es für die Dienste schwieriger wird.

Aber Fachkräfte seien nicht zu finden. „Manche Arbeitgeber haben schon die Suche aufgegeben“, sagt Bestvater. Die würden dann irgendwann nicht mehr in der Statistik auftauchen. Eine Zahl gemeldeter offener Stellen für diese qualifizierten Pflegekräfte könnte er ermitteln, sie würde aber nur ein verzerrtes Bild wiedergeben.

Schließung des Awo-Dienstes

Dass die Schließung des Awo-Dienstes der Vorbote für eine Welle von Betriebsaufgaben unter den Pflegediensten wird, glaubt Bestvater eher nicht. Er beobachtet stattdessen, dass die Betriebe in Konkurrenz geraten. „Die Mitarbeiter suchen sich mittlerweile ihre Jobs aus.“ Für die Arbeitgeber sei es schwierig.

Ähnlich beschreibt es auch der Geschäftsführer des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Tews. Über Betriebsaufgaben aufgrund des Fachkräftemangels lägen dem Verband keine offiziellen Zahlen vor. Aber bereits 2018 habe er in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass eine flächendeckende ambulante Versorgung nicht mehr gewährleistet sei.

Niedersachsen: Pflegedienste müssen 5000 Bedürftige abweisen

So müssten Pflegedienste in Niedersachsen bereits vor der Pandemie jeden Monat 5000 Pflegebedürftige abweisen. Das habe eine Umfrage des Verbands unter den Mitgliedsunternehmen gezeigt. Eine Stelle in der Altenpflege sei durchschnittlich 213 Tage vakant.

„Mit der deutlichen Zunahme der pflegebedürftigen Personen und den gegenwärtigen erheblichen zusätzlichen pandemiebedingten Anforderungen bei gleichzeitigen erkrankungsbedingten Ausfällen von Pflegekräften hat sich die Lage drastisch zugespitzt“, teilte Tews auf Anfrage unserer Zeitung mit. „Damit steht die Altenpflege weiterhin an der Spitze der Mangelberufe.“

Altenpflege an der Spitze der Mangelberufe

Beruhigen kann das den Verdener Senior mit seiner Vertragskündigung in der Hand natürlich nicht. „Ich habe Pflegegrad vier“, verrät Herr K . Seinen Namen möchte er nicht in dem Zusammenhang in der Zeitung lesen. Seine Erkrankung sei Privatsache, findet er, aber seine Erlebnisse mit dem Pflegedienst der Awo nicht. Der 80-Jährige hat das Angebot seit zwei Jahren in Anspruch genommen. „Das war ein Superteam. Die haben mich wieder auf die Beine gebracht.“

Die Geschäftsführung allerdings hat ihn nicht so überzeugt, wie die Mitarbeiter. „Die Aufgabe des Betriebes war doch schon länger abzusehen gewesen“, vermutet der Senior. Aber auch wenn er direkt nachgefragt habe, habe er immer nur die Information erhalten, dass es weitergehen werde. Dabei war ihm auch klar, dass die Stelle der Pflegeleitung monatelang nicht besetzt werden konnte. „Vorher hat es doch schon viele kurzfristige Wechsel gegeben“, erinnert er sich. Anzeichen habe es also vorher gegeben.

Deshalb sei er enttäuscht, dass die Geschäftsführung nicht früher mit offenen Karten gespielt habe. Die Kündigung sei dann den Buchstaben des Vertrags getreu vier Wochen vor Beendigung des Verhältnisses gekommen. Angesichts der vielen Feiertage bis zum 9. Januar sei das nicht viel Zeit für die Suche, findet K. Das hätte man auch längerfristig regeln können.

Dennoch hält sich sein Ärger in Grenzen. Es war nämlich ein Tipp von Awo-Mitarbeitern, mit dem er wahrscheinlich einen neuen Pflegedienst gefunden hat. Das Angebot werde ihm demnächst zugestellt, berichtet der 80-Jährige. Diese Aussicht lässt ihn schon einmal entspannter dem kommenden Jahreswechsel entgegenblicken.

Rubriklistenbild: © imago images / epd

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