1700 Briefe aus dem Verdener Rathaus an Über-80-Jährige / Freiwillige helfen beim Termin und Fahrten

Paten helfen ins Impfzentrum

Ein Arzt impft eine alte Frau.
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Am 15. Februar öffnet das Impfzentrum. Die Altersgruppe der über 80-Jährigen ist die erste, die dort ihre Impfspritze bekommt.

Verden – Peter Minkwitz ist bekennender Impffan. Um sich selbst zu schützen, hing der Dauelser schon seit dem 28. Januar am Telefon, um sich über die Impfhotline des Landesgesundheitsamts einen Termin für die Immunisierung gegen das Coronavirus zu sichern. Das waren für den 84-Jährigen viele vergebliche Versuche auf dem Tastenfeld seines Telefons.

  • Immer wieder zeigt sich, dass es für alte Leute eine Zumutung sein kann, sich einen Impftermin zu sichern und die Impfung dann auch zu bewältigen.
  • Alle Einwohner der Stadt Verden, die über 80 Jahre alt sind erhalten dieser Tage ein Schreiben mit allen wichtigen Informationen aus dem Rathaus.
  • Impfpaten bieten ihre Hilfe an und stehen den Senioren beim Termin und beim Besuch im Impfzentrum zur Seite .

Frustration und Verärgerung ist auch Johanna Neugebauer anzumerken, die nach tagelangen Versuchen den begehrten Impftermin noch nicht ergattern konnte. Wie der 83-Jährigen geht es vielen, die mit der Technik und der Organisation der Terminvergabe ringen. Das weiß Johanna Neugebauer von Gesprächen mit Bekannten und Freunden, die immer wieder auf dasselbe hinauslaufen. Die Verdenerin macht sich auch Gedanken, wie kranke oder behinderte Menschen es schaffen, diese Hindernisse zu überwinden. Für alle, denen der Weg zum Impftermin zu steinig ist, bietet die Freiwilligen-Agentur Zeitspende aktive Hilfe an. Auf die tatkräftige Unterstützung der Impfpaten, die nicht nur bei der Terminvereinbarung helfen, sondern, wenn gewünscht, den Senioren auch zur Seite stehen, wenn sie den Termin im Impfzentrum dann wahrnehmen, weist auch Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann hin. Zum Wochenbeginn hat die Verwaltung alle Senioren in der Stadt, die über 80 Jahre alt sind, angeschrieben.

1700 Briefe aus dem Rathaus

Alle Verdenerinnen und Verdener über 80 Jahre, so berichtete Brockmann auf Nachfrage, werden das Schreiben aus dem Rathaus bekommen. 1 700 Einwohner der Stadt seien in der Altersgruppe, weiß der Bürgermeister vom Einwohnermeldeamt. Die Gruppe ist die erste, die die Immunisierung im Impfzentrum am Kreishaus erhalten soll. Ebenso viele Briefe sollen auch in den Briefkasten der hochbetagten Verdenerinnen und Verdener landen. Manche werden sie schon gefunden haben.

Inhalt der Post ist die Information zur Impfung gegen das Coronavirus. Das Schreiben ersetzt die missglückte Information, die Gesundheitsministerin Carola Reimann bereits vor einigen Tagen schicken wollte. Ihr Brief hatte nicht alle erreicht, für die er bestimmt war, weil die Adressdaten fehlerhaft waren. Auf die Melderegister in den Gemeinden hatte das Ministerium aus Gründen des Datenschutzrechts nicht zugreifen können.

Nach dem Debakel war das Land dann mit dem Städte- und Gemeindebund zu dem neuen Lösungsweg gelangt. Da in den Einwohnermeldeämtern die Daten vorliegen und die Gemeinden den Zugriff darauf haben, sollte die schriftliche Information für alle Einwohner über 80 aus den Rathäusern kommen.

Hilfe für Kranke und behinderte Menschen

Das Schreiben berücksichtigt aber nicht nur die Senioren, die wie Peter Minkwitz und Johanna Neugebauer noch ihre Angelegenheiten selbstständig erledigen können, sondern auch die, die Hilfe benötigen. Die Seniorin, die mit Unverständnis die Probleme mit dem Impfstart in der Republik verfolgt, ist selbst bereit, sich hinten anzustellen, wenn es um die Impfung von Kranken und behinderten Menschen geht. „Die sollten Vorrang haben“, wünscht sich die Verdenerin.

„Sollte es Ihnen nicht mehr möglich sein, Ihre Wohnung/Ihr Haus zu verlassen, dann werden Sie zu Hause geimpft“, hat Brockmann in seinem Brief eine Lösung parat. Das Land Niedersachsen rechne damit, dass dies spätestens im Frühsommer der Fall sein wird und vermutlich über die Hausärzte erfolgt.

Wer sich mit der Telefonhotline des Landes oder der Terminvergabe im Internet überfordert fühlt, findet aber auch Hilfe bei der Freiwilligen-Agentur Zeitspende. Fred Pielsch und Mareike Peters helfen in der städtischen Einrichtung dabei, für jeden Anrufer ehrenamtliche Helfer, Impfpaten, zu finden, die diese Aufgabe übernehmen. Auch den Weg ins Impfzentrum erleichtern sie mit Begleitung und Fahrdienst. Sogar, wenn jemand einem Kranken- oder anderen besonderen Transport benötigt, helfen die Paten, den zu organisieren.

Unterstützung wird gesucht

„Der Bedarf ist da“, hat Fred Pielsch in den zurückliegenden Tagen schon festgestellt. Es gebe aber auch zahlreiche Leute, die bereit sind, diese Unterstützung zu leisten. Seine Aufgabe sei es dann, die Paarungen von Hilfesuchenden und -anbietenden herzustellen. „Gerade konnte ich einer Dame in Kirchlinteln einen Kontakt vermitteln“, freut er sich. In der Nachbargemeinde gebe es ein solches Angebot derzeit nicht, da springt der Vertreter der Verdener Zeitspende gerne ein. „Das Angebot wird größer“, berichtete Pielsch. In Achim und Langwedel gebe es bereits ein solches Angebot für Senioren und in Thedinghausen gebe es Bestrebungen, die Möglichkeit zu schaffen.

Hilfesuchende und Hilfswillige können sich an Fred Pielsch, Zeitspende-Freiwilligenagentur Verden, Telefon 04231/12459, E-Mail fred. pielsch@verden.de oder zeitspende@verden.de, oder an Mareike Peters, Telefon 04231/12-452, E-Mail mareike.peters@verden.de, wenden.

Von Ronald Klee

Wie komme ich ins Impfzentrum? Unterstützung bietet die Freiwilligenagentur Zeitspende.

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