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Paten für acht Verdener Störche gesucht

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Von: Markus Wienken

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Erst ein paar Tage alt: Die Storch-Küken auf der Intensivpflegestation bekommen von Petra Müller viel Zuspruch.
Erst ein paar Tage alt: Die Storch-Küken auf der Intensivpflegestation bekommen von Petra Müller viel Zuwendung. © Wienken

Gemeinsam mit der Kreiszeitung verlosen Storchenstation und der Förderverein zum Schutz des Weißstorch im Landkreis Verden wider Patenschaften für Störche. Wer teilnehmen möchte: Eine E-Mail reicht.

Verden – Einen gut besetzten Storchenhorst zu betreuen, ist mindestens so aufwendig, wie einen Sack Flöhe zu hüten. Vor allem, wenn fünf Küken dabei sind, gerade geschlüpft und schon ausgesprochen streitlustig. „Immer auf den Kleinen, hört sofort auf“, ruft Petra Müller die Rasselbande zur Ordnung. So richtig kommt die Botschaft der „Storchenmutter“ noch nicht an, vielleicht auch deshalb, weil sie den Nachwuchs nicht beim Namen rufen kann. Da wiederum kommen die Storchenpaten ins Spiel. Es wird wieder gesucht nach Paten, die sich ein wenig um die Brut kümmern dürfen. Bewerbungen dafür können per E-Mail an die Verdener Aller-Zeitung geschickt werden.

Aber zunächst einmal zurück in die Intensivpflege der Storchenstation Dauelsen, etwas abseits des Geländes gelegen, auf dem die „Großen“ ihr Zuhause haben. „Die Jungen brauchen noch deutlich mehr Pflege und natürlich auch ein bisschen mehr Ruhe“, erklärt Petra Müller. Der Umgang mit den ausgewachsenen Artgenossen bedeutet nur Stress, den die Küken nicht gebrauchen können. „Die haben schon einiges hinter sich“, weiß Petra Müller. Dem einen Küken, da war es noch nicht mal auf der Welt, brach der Horst zusammen, doch Glück im Unglück, dass das Ei vor Ästen und Buschwerk irgendwie gerettet werden konnte. Ein anderes Ei holte Weißstorchbetreuer Hans-Joachim Winter aus einem Horst, den die Storcheneltern leichtsinnigerweise zu dicht an einer Stromtrasse der Deutschen Bahn gebaut hatten. Beide „Fundsachen“ landeten, neben weiteren Eiern unter einer „Glucke“, die seit Jahren in der Storchenstation zuverlässig im Brutgeschäft im Einsatz ist. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Auf Heu, in einem alten Autoreifen gebettet, macht der Nachwuchs einen guten bis sehr guten Eindruck. Während in dem einen Rund die drei kräftigen, knapp zwei Wochen alten Jungstörche schon um die Wette klappern, streiten sich im zweiten Ring die jüngst geschlüpften Küken um die Zuneigung der Storchenmutter.

Die erste Mahlzeit gibt‘s morgens um 5.30 Uhr

Ausbrüten ja, aber mit der Aufzucht will die Storchenglucke nichts zu tun haben und hält sich fein raus. Dafür springt dann Petra Müller ein – und hat alle Hände voll zutun, die Rasselbande durchzubringen. Wo sonst die Storcheneltern pausenlos zwischen Horst und Feuchtwiesen pendeln, um die Schnäbel der klappernden und piependen Brut zu stopfen, ist die Storchenmutti von früh bis spät im Einsatz. „Die erste Mahlzeit gibt’s morgens gegen 5.30 Uhr, die letzte abends gegen 21.30 Uhr“, berichtet Müller. Bis zu sechsmal täglich wird der achtköpfigen Schar ein Gemisch aus Eintagsküken und Fisch serviert. Eigentlich ein Fulltime-Job, den Petra Müller gemeinsam mit Ehemann Klaus neben ihrem Beruf bewältigt. „Aber, bei allem Stress, es macht mir viel Spaß.“

Schon gut im Futter: Bereits Anfang Mai schlüfte das Trio aus dem Ei und klappert bereits kräftig.
Schon gut im Futter: Bereits Anfang Mai schlüfte das Trio aus dem Ei und klappert bereits kräftig. © Wienken, Markus

Wer durch die Pflegestation geht, der glaubt ihr den Satz aufs Wort. Die fünfköpfige Kükenschar prügelt sich schon wieder in ihrem Nest. „Jetzt ist aber genug“, herrscht Müller einen der Rädelsführer an. Der hat es mal wieder auf den Kleinsten abgesehen, der sich vor dem Schnabel des Stiefbruders ducken und in Acht nehmen muss. Der kleine Kerl findet umgehend Schutz auf der Handfläche seiner Ersatzmutter. Kein schlechter Zufluchtsort, weil er sich auf ein paar Streicheleinheiten über das brummende Köpfchen freuen darf. Auch das gehört zum Service dazu.

Konstant hohe Zahl an Jungstörchen im Landkreis Verden

Die Pflege der Störche, die Aufzucht, macht sich im Landkreis Verden und darüber hinaus seit Jahren bemerkbar. Im Jahr 2020 zählte Weißstorchbetreuer Hans-Joachim Winter 200, 2021 waren es 154 Jungstörche. Die Zahlen liegen konstant hoch. Und die Vögel werden, so eine weitere Beobachtung, zunehmend selbstständiger. Setzte sich Adebar früher meist in den gemachten Horst, wird heutzutage wieder gebaut. „Elf Nester im Landkreis sind in Eigenregie der Storcheneltern entstanden. Das freut uns natürlich“, sagt Petra Müller. Denn: „Wir wollen so wenig wie möglich in die Natur eingreifen.“

Da, wo es zu Beginn nicht rund läuft, Eier oder Küken verwaist zurückbleiben, wird nach wie vor geholfen. Und damit man später weiß, wo der Nachwuchs bleibt, soll das „Kind“ einen Namen bekommen. So kommen die Paten ins Spiel. Die Storchenstation Dauelsen mit Petra Müller, der Förderverein zum Schutz des Weißstorchs, vertreten durch Silke Brünn, sowie die Verdener Aller-Zeitung suchen wieder Menschen, die die Aufzucht und Pflege begleiten möchten. Alle, die sich für den Job als Pate interessieren, können sich darum bei der Verdener Aller-Zeitung per E-Mail bewerben. Unter den Einsendungen wird per Los entschieden, wer den Zuschlag erhält. Voraussetzung dafür ist zudem eine Spende der Paten von 50 Euro.

Die Paten dürfen ihrem Pflegling bei einem Treffen auf der Storchenstation einen Namen geben, ihn dort – nach Rücksprache – besuchen und dabei begleiten, wie er erwachsen wird. Vor der Auswilderung gibt es einen Ring für den Storch, mit Nummer und seinem Namen, Daten, die belegen, wo er seine Heimat hat. Wo auch immer er sich später niederlässt, vorausgesetzt ein lokaler Vogelbeobachter nimmt Notiz davon, kann der Pate mit einer Nachricht rechnen, wie es dem Zögling in der Ferne geht.

Info

Wer sich eine Patenschaft wünscht oder jemanden damit überraschen möchte, schickt bis einschließlich 1. Juni 2022 eine E-Mail an gewinnspiel-verden@kreiszeitung.de, Stichwort Storch.  Die Paten werden ausgelost und entsprechend benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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