Reiserückkehrer und Ferienende: Die Corona-Lage im Landkreis Verden / 3G-Pflicht

Pandemie der Jüngeren

Eine Grafik fasst die Informationen über das Warnstufensystem zusammen.
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Warnstufen nach der neuen Corona-Verordnung des Landes.

Verden – Ende Juli lag der vom Robert-Koch-Institut gemeldete Wert, der das Infektionsgeschehen mit dem Coronavirus beschreibt, zwischen elf und 20. Das war noch ein moderates Niveau. „Seit Mitte August steigen die Infektionszahlen mit Werten über 50 aber wieder deutlich an“, muss Barbara Adolf aber mittlerweile feststellen. Die Ärztin im Verdener Gesundheitsamt beschreibt die aktuell dynamische Entwicklung als „Pandemie der Jüngeren“, die nicht mehr auf lokale Ausbrüche einzugrenzen ist.

Seit gestern gilt im Landkreis Verden die 3G-Pflicht. „Das Infektionsgeschehen im Landkreis lässt sich auch weiterhin in wesentlichen Teilen auf zwei Firmen und zwei Pflegeheime zurückführen und ist damit eingrenzbar“, hatte Landrat Peter Bohlmann vor knapp zwei Wochen noch die Lage beschrieben. Damit lieferte der Verwaltungschef die Begründung dafür, dass keine weiteren Einschränkungen für alle nötig sind, obwohl die Inzidenzschwelle von 50 bereits überschritten war.

Infektionen breit gefächert in der Bevölkerung

Bis zum Monatsende lagen die Meldungen des Berliner Instituts dann aber schon bei 85 und die Analysen des Gesundheitsamts zeigten, dass die Ausbreitung des Virus nicht mehr so klar einzugrenzen ist. „Ließ sich das Geschehen zu Beginn des Inzidenz-Anstieges in der Mehrzahl noch auf lokal begrenzte Ausbrüche in einzelnen Unternehmen und Pflegeheimen zurückführen, so treten die Infektionen jetzt breit gefächerter in der Bevölkerung auf“, beschreibt Barbara Adolf, was da im Kreisgebiet gerade vor sich geht.

Die Nachverfolgung der Infektionsketten ist ein mühsames Geschäft für die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes. Am Telefon versuchen sie abzuklären, wer da mit wem unter welchen Umständen und wie lange zusammen war. Wenn es gelingt, auf diesem Wege die Kette bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen, gibt das aber ein genaues Bild von der Ausbreitung des Virus. Zumindest von den Erkrankungen, die bekannt werden.

Reiserückkehrer spielen eine zunehmend große Rolle

Derzeit betreffe das Infektionsgeschehen viele Familien, berichtet Adolf. „Reiserückkehrer spielen dabei eine zunehmend größere Rolle. Sie tragen als Urlauber oder im Rahmen von Verwandtenbesuchen das Virus teilweise unbemerkt in ihre hiesigen Familien und Freundeskreise.“ Sei es, dass es nur die beliebten Urlaubsziele in diesem Jahr sind, oder dass dort das Virus übermäßig grassiert: Die Infektionskette bei Rückkehrern habe ihren Anfang häufig in Teilen des Balkans und Südosteuropa.

Überall in der Republik wird davon berichtet, dass jüngere Menschen mittlerweile stärker von Ansteckungen betroffen sind. Das habe auch damit zu tun, dass der Anteil der Geimpften wächst, je älter die Bevölkerungsgruppe ist, die man betrachtet. Diese Beobachtungen macht auch das Gesundheitsamt. „Die Zahl der Unter-50-Jährigen unter den aktuell Infizierten ist überproportional. Es trifft aktuell mehrheitlich nichtgeimpfte Personen“, berichtet Barbara Adolf.

Mit Schulbeginn keine sinkenden Zahlen zu erwarten

Das Gesundheitsamt rechne jetzt, da die Ferien zuende sind und Kinder und Jugendliche wieder in den Kitas und Schulen, dass die Infektionszahlen nicht schnell wieder fallen. Zeitgleich mit dem Schulbeginn gilt seit gestern auch im Landkreis Verden die sogenannte 3G-Regel und erlebt ihre erste Bewährungsprobe. So wird sich zeigen müssen, ob es ausreicht, wenn der Zugang zu bestimmten Einrichtungen und Dienstleistungen auf vollständig geimpfte oder kürzlich genesene und negativ getestete Personen beschränkt wird (wir berichteten).

Dass im Landkreis Verden die 3G-Regel eingeführt werden musste, sei eine Folge des anhaltenden Überschreitens einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen, erklärt die Ärztin im Gesundheitsamt. So sieht es die Niedersächsische Corona-Verordnung vor.

Auch wenn es im Ergebnis keinen Unterschied macht, habe das nichts mit dem Erreichen der Warnstufe 1 nach der neuen Corona-Verordnung des Landes zu tun. Diese hat allerdings dieselben Konsequenzen wie die Inzidenzüberschreitung von 50. Erreicht werde die Warnstufe aber, wenn in einem Landkreis mindestens zwei von drei Leitindikatoren ihre jeweiligen Schwellenwerte überschreiten. Dabei sei der Inzidenzwert ein Faktor. Ein zweiter die landesweit in den zurückliegenden sieben Tagen gezählten Covid-19-Fälle je 100 000 Einwohner, die im Krankenhaus behandelt werden. Ein dritter der gleichfalls niedersachsenweit ermittelte Anteil der Corona-bedingt belegten Intensivbetten.

Auswirkungen der folgenden Warnstufen noch nicht konkretisiert

Immer wenn bei zwei Faktoren Grenzwerte fünf Tage lang überschritten werden, sind damit schon die Bedingungen für das Erreichen der Warnstufe erfüllt. „Welche Auswirkungen ein mögliches Erreichen der in der Corona-Verordnung genannten Warnstufen 2 und 3 haben würde, ist bislang vom Land noch nicht konkretisiert worden“, berichtet die Vertreterin des Gesundheitsamtes.

Von Ronald Klee

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