Eltern von trauernden Kindern suchen den Rat von Trauerland am Standort Verden

Pandemie belastet den Abschied

Ein Junge liegt im Bällebad und blickt abwesend an die Decke.
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In den Trauergruppen hat das Tobe-Bedürfnis der Kinder zugenommen.

Die Hotline von Trauerland ist mehr gefragt, als in den 20 Jahren zuvor. Ratlose Mütter oder Väter suchen die Hilfe in der Pandemie noch häufiger als sonst. Mit ihren Kindern den Verlust eines Familienmitglieds zu bewältigen, überfordert sie. „Sie wissen nicht, wie sie die Trauer unter den Bedingungen gemeinsam gestalten sollen“, erklärt Silke Boos, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins.

Verden – Die Corona-Krise fordert den gemeinnützigen Bremer Verein „Trauerland – Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche“ enorm. Das ist auch in der Kindertrauergruppe zu spüren, die er in den Räumen der Lebenshilfe in der Verdener Ortschaft Eitze anbietet. „In der telefonischen Trauerbegleitung und der Gruppenarbeit haben die Auswirkungen der Pandemie einen besonderen Schwerpunkt eingenommen. Das Team aus Pädagogen und Psychologen will deshalb im Juni hier einen besonderen Schwerpunkt setzen“, berichtet Boos’ Kollegin Myriam Metry.

An der Kapazitätsgrenze

„Wir sind an der Kapazitätsgrenze“, beschreibt Silke Boos die Lage in der Verden. Der gemeinnützige Bremer Verein „Trauerland – Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche“ hat in Verden und Oldenburg Außenstellen und sieht an den Anfragen, dass das Angebot größer werden müsste. Bislang aber fehlten die nötigen Kräfte, die die oftmals belastende Aufgabe übernehmen können und wollen. Vor ein paar Wochen suchte der Verein über diese Zeitung Interessierte, die ihn bei der Arbeit unterstützen wollen. „Da haben sich auch einige gemeldet“, kann Silke Boos berichten. Und einige konnten bereits für die Aufgabe geschult werden. Seit 2020 gibt der Verein unter dem Namen Trauerland Bildung seine Erfahrung aus zwei Jahrzehnten Trauerbegleitung von Kindern und Jugendlichen weiter. Neben Workshops und Seminaren für Fachkräfte gehört auch die Ausbildung zur systemischen Kinder- und Jugendtrauerbegleitung dazu.

Am Beratungstelefon, aber auch in der Trauergruppe ist die Distanz, die das Infektionsgeschehen seit gut einem Jahr fordert, ein zentrales Thema geworden. Es sind nicht nur die Angehörigen, die als Opfer des Virus gestorben sind. Silke Boos erklärt, dass die Folgen der Pandemie viel weiter reichen.

In der Pandemie oft unmöglich, Abschied zu nehmen

„Die Begleiterscheinungen der Pandemie – die Schutzmaßnahmen und Kontaktbeschränkungen – verstärken bei Familien, die einen Verlust verkraften müssen, häufig die Gefühle von Isolation und Überforderung“, berichtet Trauerland-Gründerin Beate Alefeld-Gerges. Da sei es oft unmöglich gewesen, Abschied zu nehmen. Und das habe ja auch alle anderen Angehörigen betroffen, die ihre Kinder, Enkel oder Freunde zurücklassen mussten. „Selbst die Beerdigung konnte nicht den üblichen Abschied bieten“, macht Boos deutlich wie Corona die Trauer verändert.

Eltern überfordert und alleingelassen

Dass die telefonische Trauerbegleitung seit dem vergangenen Jahr einen hohen Stellenwert hat, erleben deshalb auch die Fachkräfte des Vereins. Mütter oder Väter fragten häufig danach, welche alternativen Rituale denn mit ihren Kindern möglich und sinnvoll seien. „Die Eltern fühlen sich von der Aufgabe überfordert und alleingelassen“, sagt Boos.

„Ist das noch normal?“

Eine häufig gestellte Frage zeigt eine Unsicherheit der Eltern, die damit einhergeht. „Ist das noch normal“, fragen sie oft, wenn sie erleben, wie sich ihre Kinder in der Situation verhalten, berichtet die Trauerland-Sprecherin. Auch in der Gruppenarbeit zeige sich, dass die Kinder ein viel größeres Bedürfnis haben zu toben. Die Eltern fühlten sich ausgegrenzt, weil auch die sonst üblichen Trauerbesuche ausfallen. „Und so wird unsere Hotline für mehr Betroffene zur Adresse für ein Gespräch.“

Es wirkt denn auch nur wie eine logische Folge, dass Trauerland das Thema jetzt in den Vordergrund stellt. „Impulse zur Gestaltung von Abschieden und Trauerritualen mit Kindern“ gibt im Juni das Team von Trauerland für Hilfesuchende am Beratungstelefon“, informiert der Verein. Jeden Werktag biete er mit seinem kostenlosen Beratungstelefon eine leicht zugängliche Hilfestellung für betroffene Familien in Not und Fachkräfte, die mit dem Thema Kindertrauer konfrontiert werden. Zu erreichen ist sie unter der Telefonnummer 0421/69667280.

Weitere Informationen

unter www.trauerland.org.

Von Ronald Klee

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