Rituale und Sprichwörtliches rund um das hohe Fest / Ein Blick in die Historie mit Dr. Björn Emigholz

Zum Osterfest: Show auf der Kirchenkanzel und Gelächter

Mit dem Osterfest verbinden die Menschen seit Jahrhunderten Licht und die Freude am Leben, so Dr. Emigholz.
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Mit dem Osterfest verbinden die Menschen seit Jahrhunderten Licht und die Freude am Leben, so Dr. Emigholz.

Verden – Das Osterfest gilt als das erste unter den christlichen Festen und wird hochfeierlich begangen. Es beginnt mit der Auferstehung Jesu Christi am Ostersonntag und endet am Pfingstsonntag, dauert also 50 Tage lang. „Doch abseits der religiösen und kirchlichen Bedeutung ranken sich um das Fest jahrhundertealte Bedeutungen und Rituale“, so Dr. Björn Emigholz, Leiter Historisches Museum – Domherrenhaus in Verden.

Das Osterfest: Ein nicht immer ernst gemeinter Blick in die Geschichte

Der Historiker hat dabei ein wenig in der Ostergeschichte „gekramt“. Nicht jedes Detail ist belegt, vieles überliefert und etliches Änderungen unterworfen. „Zum Beispiel, das Ostern mittlerweile wie Weihnachten gefeiert wird, will heißen, es gibt aufwendige und teure Geschenke. Das war früher anders“, weiß Emigholz.

Mit dem Osterfest verbinden die Menschen Licht und Freude

Erst einmal verbindet und verband der Mensch mit dem Osterfest Freude und vor allem Licht. „Als die Menschen zu Beginn der Zeitrechnung vielfach auf sich allein gestellt, die Winter oft einsam und vor allem entbehrungsreich waren, da stand das Osterfest für den bevorstehenden Frühling. Die Tage wurden länger, die Zeit des Fastens ging zuende, die Natur erwachte – und man war am Leben“, so Emigholz. „Allein das, verbunden mit der Gewissheit, dass es in der Kornkammer noch etwas zu essen gab, zählte, alles andere war dann nebensächlich.“ Denn, so hatte die Fastenzeit nicht allein eine religiöse Bedeutung, sondern auch in kalten und besonders langen Wintern etwas Überlebensnotwendiges. „Schmale Portionen auf dem Teller, ökonomisches Wirtschaften, so brachte sich die Groß-Familie durch, bis die Sonne im Frühling wieder schien und die Natur erwachte“, schildert Emigholz.

Warum Ostern? Woher kommt der Name? „Da gibt es mehrere Erklärungen, die für sich genommen durchaus schlüssig sind“, beginnt Emigholz. Eine davon: „Ostern leitet sich vom Namen ,Ostara’, also Osten ab.“ Ostara war die germanische Göttin des Frühlings, der Fruchtbarkeit und der Morgenröte. „Ihr zu Ehren haben die Germanen im Frühling ein großes Fest veranstaltet. Deswegen heißt das erste große Fest im Frühling Ostern.“

Es blüht rund um das Verdener Rathaus. Die Narzissen, auch Osterglocken, als Ankündigung auf das Fest.

Die Kirche kennt noch eine andere Herleitung: Die Blicke der Frauen, die zuerst am leeren Grabe Jesu standen, richteten sich nach Osten zum Sonnenaufgang, da sie glaubten, dass Jesu von dort auf die Erde zurückkommt. Kirchen wurden deswegen nach Osten ausgerichtet gebaut, in manchen fällt das Licht der aufgehenden Sonne von dort durch ein besonderes Fenster auf den Altar.

Die Blicke der Frauen am Grab Jesu richten sich nach Osten

Wer in der jüngsten Literatur blättert, der stößt auf einen Beitrag von Jürgen Udolph, Professor für Namensforschung. Udolph lehrte bis 2008 an der Universität in Leipzig. Nach seiner Meinung stammt das Wort „Ostern“ aus der nordgermanischen Wortfamilie „ausa“ (gießen) und „austr“ (begießen). So wurde ein vorchristlicher Wasserritus (Taufe) als „vatni ausa“ (mit Wasser begießen) bezeichnet. Die österliche Taufe wäre damit der mögliche Namensgeber.

Das Osterlachen, auch risus paschalis

Und Ostern in der Kirche? Auch da gibt es durchaus unterschiedliche Abläufe. „In manchen Regionen, vor allem in Süddeutschland, wurde früher den Besuchern des Gottesdienstes eine derbe Show geboten“, erzählt Emigholz. Damit meint er das sogenannte Osterlachen (lateinisch: risus paschalis). „Beim Ostergelächter haut der predigende Pastor auf der Kanzel in einem Gottesdienst ordentlich auf den Putz. Alleiniges Ziel war es, die Besucher zum Lachen zu bringen“, so Emigholz. In einigen Regionen – vor allem in Bayern – war es vom 14. bis 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil des christlichen Brauchtums. Über die Entstehungsgründe gibt es keine Quellen. Das Osterlachen ist die einzige Form, in der das Lachen in die christliche Liturgie einbezogen wurde. In offiziellen kirchlichen Verlautbarungen ist allerdings nie die Rede davon.

Das Osterlachen symbolisierte mit der Freude zugleich die Überlegenheit und den Sieg über den Tod, der sich an Christus „verschluckt“ hat und damit der Lächerlichkeit preisgegeben ist. Das Osterlachen war auch eine Art, in lustiger Form Kritik an der weltlichen oder kirchlichen Obrigkeit zu üben. Da im Spätmittelalter auch mit obszönen Handlungen und Worten versucht wurde, die Gemeinde zum Lachen zu bringen, stieß das Osterlachen im Protestantismus zunehmend auf scharfe Kritik. Im 18. Jahrhundert wurde das Osterlachen immer seltener; irgendwann hielten sich nur noch die Ostermärlein.

Und was hat der Hase mit Ostern zu tun?

Und was hat der Hase mit Ostern zu tun? „Im deutschen Raum wurde der Osterhase erstmals im Jahre 1678 genannt. Tatsächlich ist dieser Brauch bei uns nicht älter als 100 Jahre“, so Emigholz. Wer in der Literatur blättert, der erfährt: „Noch im vorigen Jahrhundert war der Eier legende Osterhase in einigen Teilen Deutschlands völlig unbekannt.

Warum sich der Osterhase durchgesetzt hat, dafür gibt es verschiedene Begründungen

Warum sich der Osterhase durchgesetzt hat, dafür gibt es verschiedene Begründungen. „Eine ist relativ einfach: Der Hase kommt im Frühjahr zur Futtersuche in die Dörfer und Gärten. Durch sein ungewöhnliches Verhalten, sich in Menschennähe aufzuhalten, wird ihm gleichzeitig das Ablegen der Ostereier angedichtet. Eine Henne kann schließlich keine bunten Eier legen“, so Emigholz. Eigentlich logisch – oder?

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