Tennet baut Trasse hinter Döhlbergen

Verdens Ortschaften unter Strom

Zwei Stromtrassen führen an der Ortschaft Döhlbergen.
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Zwei Stromtrassen führen an der Ortschaft Döhlbergen vorbei, eine weitere 380-kV-Leitung kommt östlich, neben die bereits bestehende, dazu.

Der Netzbetreiber Tennet beabsichtigt, eine neue 380-kV-Leitung zu bauen, die dann über Verdener Gebiet führen wird. Die Trasse an sich ist unstrittig. Gerungen wird aber noch darum, wie und vor allem wo die dazu nötigen Eingriffe in die Natur kompensiert werden sollen.

Verden – Wer an der Bundesstraße 215, kurz hinter dem Ortsausgang Verden-Hönisch, Richtung Nienburg, einen Zwischenstopp einlegt, kann gefühlt bis zum Horizont blicken. Zur Kulisse gehören mächtige Strommasten, die sich im Bereich Döhlbergen-Rieda sowie Hutbergen wie ein Netz über die Felder spannen. Das Unternehmen Tennet plant eine weitere Trasse von Verden nach Hoya.

Der Bau ist unstrittig, allerdings gibt es noch Klärungsbedarf, wie die für die Trasse unumgänglichen Eingriffe in die Natur kompensiert werden. Stadt und Ortschaften sagen, da wo gebaut wird. Tennet denkt (noch) etwas anders.

Mindestabstände machen geänderten Verlauf nötig

Das Unternehmen Tennet schickt Strom quer durch die Republik, auch durch den Landkreis Verden. Wo die Landschaft frei ist und es sich mit der Umwelt verträgt, kein Problem. Wo aber gesiedelt wird, kann es kompliziert werden. Tennet will die bestehende 220-kV-Leitung Stade-Landesbergen, die bisher Verden nicht überquert, sondern deutlich weiter westlich über Cluvenhagen Richtung Süden geführt wird, durch eine neue 380-kV-Leitung ersetzen. Alles machbar, aber aufgrund der mittlerweile gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstände zu Siedlungsbereichen und Einzelgebäuden muss der Trassenverlauf teilweise geändert werden. Und so kommen Verden, genauer noch Döhlbergen und Hutbergen ins Spiel.

Zunächst stehen die Trassenbauer, wenn sie aus Richtung Stade die Grenzen Verdens erreichen, irgendwann bei Eissel an der Aller und mitten im Naturschutzgebiet. Um Diskussionen aus dem Wege zu gehen, wird gebuddelt. Das Kabel kommt – wo genau, steht noch nicht fest – in die Erde und eben in Döhlbergen-Rieda wieder heraus. Das Projekt trägt den Titel Planabschnitt 4.

Blick aus der Straße Meyerhof in Döhlbergen: In einem nahe gelegenen Wälchen wohnt eine Reiherkolonie. Die Strommasten der neuen Trasse gehen daher auf mehr Abstand. Für die Eingriffe in die Natur soll es Ausgleichspflanzungen geben. Allerdings an der Autobahn und nicht in den Ortschaften.

Kommt das Kabel aus der Erde, im Bereich Döhlbergen-Rieda und Hutbergen, wartet schon der Stecker von Planabschnitt 5, bei dem es oberirdisch und mit Masten weitergeht. Der Hochbau beginnt südlich von Groß Hutbergen und verläuft parallel östlich der vorhandenen 380-kV-Leitung.

Ein bisschen kompliziert wird es noch, wenn die Leitung den Meyerhof erreicht. „In dem Wäldchen ist eine Reiherkolonie zu Haus“, so Tina Rulffes, zuständig für die Planung bei der Stadt Verden. Tennet muss, aus Gründen des Naturschutzes auf noch mehr Abstand zu den Reihern am Meyerhof gehen. Die Bestandsleitung wird daher etwas nach Westen verschwenkt. „In dem Bereich erfolgen somit ein doppelter Neubau sowie der Rückbau eines Teilabschnitts“, erklärt Tina Rulffes. Wahrscheinlich fünf Masten rücken weiter von Döhlbergen in Richtung Feldmark ab. Die Reiher werden sich freuen.

Ein Teil der Leitungen wandert ins Erdreich

Dennoch müssen sich die Vögel auf kräftige Nebenwirkungen einstellen. Der Leitungsbau, das sei unvermeidlich, werde mit erheblichen Eingriffen in das Landschaftsbild verbunden sein. Ähnlich wie die bereits stehenden, erreichen die neuen Masten eine Höhe bis 78 Metern. Der Größe geschuldet, müssen die Stahlgerüste auf massive Fundamenten geschraubt werden. Dafür muss Tennet tief graben.

Für die Eingriffe in die Natur, da herrscht auf allen Seiten Einigkeit, wird es einen Ausgleich geben. Geld und Pflanzen. Noch uneinig ist allerdings, wo gepflanzt und an wen gezahlt werden soll. Tennet will, so der Plan, in der Gemarkung Eitze, östlich der Autobahn 27, in einem Ausgleichsflächenpool der Niedersächsischen Landesforsten, tätig werden sowie eine Ersatzgeldzahlung an den Landkreis Verden leisten. Da wollen die Stadt Verden und die beteiligten Ortschaften Döhlbergen und Hutbergen allerdings nicht mitspielen. „Ausgeglichen werden soll, wo gebaut wird, also in den betroffenen Ortschaften“, fordern die Ortsräte.

Auch der städtische Verwaltungsausschuss hat sich dem angeschlossen. Sämtliche Unterlagen und die Entscheidung darüber liegen nun bei der Planfeststellungsbehörde, der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Hannover (NLSTBV). „Wir sind gespannt, wie es ausgeht“, so Tina Rulffes.

Tennet wartet auf Entscheidung des Landes

Stadt und Ortschaften haben schon mal vorauseilend ihre weiteren Hausaufgaben gemacht: „Sinnvoll ist, Baumreihen oder Hecken als landschaftstypischen Blickfang vor den Leitungen zu pflanzen. Das ist, gegen entsprechende Zahlungen, auch auf geeigneten städtischen Flächen möglich, die für diese Kompensationsanpflanzungen angeboten werden können“, so Planerin Rulffes.

Ob es soweit kommt? Das Unternehmen Tennet warte zunächst die Entscheidung der Landesbehörde ab, so Renate Gaus, Tennet-Referentin für Bürgerbeteiligung. „Die Behörde wird circa ein Jahr für die Prüfung der Unterlagen sowie aller Einwendungen und Stellungnahmen benötigen und dann mit dem Beschluss hoffentlich die Baugenehmigung erteilen“, erklärt Gaus. „Mit Beginn der Bauarbeiten ist für circa Juni 2022 zu rechnen, vorbereitende Maßnahmen sind bereits vorher möglich und wahrscheinlich.“

Start in Stade

Der Netzbetreiber Tennet beabsichtigt, die bestehende 220-kV-Leitung Stade-Landesbergen, die bisher Verden nicht überquert, sondern deutlich weiter westlich über Cluvenhagen Richtung Süden geführt wird, durch eine neue 380-kV-Leitung zu ersetzen. Aufgrund der mittlerweile gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstände zu Siedlungsbereichen und Einzelgebäuden muss der Trassenverlauf teilweise geändert werden. Der neue Trassenverlauf wurde bereits grundsätzlich durch ein vorgeschaltetes Raumordnungsverfahren im Jahr 2018 landesplanerisch festgestellt. Daher geht es jetzt in den anstehenden Planfeststellungsverfahren nicht mehr um die Trassenführung an sich, sondern bereits um Details. Verden ist von den Planfeststellungsabschnitten 4 Sottrum-Verden und 5 Verden-Hoya betroffen. Im Abschnitt 4 wird die Trasse teilweise in Erdkabelbauweise verlegt werden, der genaue Abschnitt für das Erdkabel wurde noch nicht abschließend festgelegt, sondern sollte noch geprüft werden.

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