Uneins über Gesetzesbeschluss

Umfrage in der Verdener Innenstadt: Geteiltes Echo zur Organspende-Reform

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In Deutschland gibt es deutlich mehr Patienten, die Organe dringend brauchen, als Menschen, die nach ihrem Tod Organe spenden. 

Der Bundestag hat sich entschieden: Seit Donnerstag steht fest, dass die von Minister Jens Spahn vorgeschlagene „Widerspruchslösung“ für die Organspende nicht eingeführt wird. Doch wie stehen die Bürgerinnen und Bürger zu diesem Beschluss? Was halten sie von der Organspende-Reform? Wir haben nachgefragt.

Verden - Der Bundestag hat sich entschieden: Seit Donnerstagabend steht fest, dass die von Minister Jens Spahn vorgeschlagene „Widerspruchslösung“ für die Organspende nicht eingeführt wird. Sein Gesetzesentwurf sah ursprünglich vor, dass die Bürger, die nicht als Organspender registriert werden wollen, ihren Widerspruch explizit zu Protokoll hätten geben müssen. Stattdessen durchgesetzt hat sich der Gegenvorschlag, die „erweiterte Zustimmungslösung“. Sprich allzu viel wird sich in naher Zukunft nicht ändern, da wie bisher nur diejenigen nach dem Tode zum Spender werden, die dem zu Lebzeiten zugestimmt haben.

Doch wie stehen die Bürgerinnen und Bürger zu diesem Beschluss? Können sie Spahns Argumentation nachvollziehen, präferieren sie die nun beschlossene Organspende-Reform? Sind sie zufrieden mit dem Ausgang der Diskussion? Wir haben uns auf dem Verdener Wochenmarkt umgehört.

„Das war definitiv die richtige Entscheidung, dass die Leute weiterhin ihr Einverständnis geben müssen, um Organspender zu werden." - Inis Hoffmeyer

„Das war definitiv die richtige Entscheidung, dass die Leute weiterhin ihr Einverständnis geben müssen, um Organspender zu werden“, bezieht die Verdenerin Inis Hoffmeyer klar Stellung. Helmut Ternes, der ebenfalls aus der Allerstadt kommt, stimmt ihr zu. „Spahns Vorschlag geht gar nicht. Trotzdem muss mehr Aufklärung betrieben werden, damit sich weitere Spender finden“, so Ternes. „Die Leute müssen einfach öfter darauf angesprochen und aufmerksam gemacht werden. Und das nicht nur alle paar Jahre“, pflichtet Hoffmeyer Ternes bei.

„Die Aufklärung fehlt“

Rüdiger Schütt ist ebenfalls der Ansicht, dass es viel mehr freiwillige Spender geben müsste. „Die Aufklärung fehlt“, erklärt sich der Rendsburger das Defizit. „Ich hätte deswegen auch Spahns Vorschlag durchaus vertretbar gefunden“, ergänzt Volker Düscher aus Hagenow.

Das Ehepaar Koester ist sich uneinig: Angelika kann beide Seiten der Diskussion verstehen, wohingegen Jürgen Spahns Vorschlag bevorzugt hätte. 

Ähnlich sieht das Jürgen Koester. „Ich habe einen Organspendeausweis und hätte tatsächlich Spahns Vorschlag bevorzugt. Schließlich hätte man dann immer noch Nein sagen können“, erklärt der Dörverdener. „Ich muss zugeben, dass ich noch keine ganz klare Meinung zu dem Thema habe. Ich kann beide Seiten der Diskussion verstehen“, lenkt seine Frau Angelika Koester ein. Sie gibt zu Bedenken, dass das Alter eine nicht ganz unerhebliche Rolle dabei spielt, welche Organe wann noch verwendet werden könnten. Einig sind sich beide aber, dass mehr Aufklärung betrieben werden muss.

Es heißt nicht ohne Grund Organspende

„Vielen wird erst bewusst, wie wichtig freiwillige Organspender sind, wenn es ihnen selbst an den Kragen geht und sie darauf angewiesen sind“, bemängelt ein Verdener. „Aber: Es heißt nicht ohne Grund Organspende, und eine solche ist immer freiwillig“, betont er. Trotzdem könne er Spahns Argumente nachvollziehen, gerade vor dem Hintergrund, dass er selbst einen Spendeausweis hat.

Werner aus Kirchlinteln spielt mit dem Gedanken, sich nun auch einen zu bestellen. „Ich war vor Kurzem sehr krank und habe seitdem nur noch eine Niere“, schildert der Kirchlintler. „Ich finde die Regelung, so wie sie jetzt beschlossen wurde, gut. Insbesondere, dass nun mehr Aufklärung betrieben werden soll. Die Diskussion muss unbedingt warm gehalten werden.“

Organspendeausweis kann viel Gutes tun

„Bei vielen fehlt wirklich das Verständnis, erst wenn sie selber in der Falle sitzen wird ihnen bewusst, wie viel Gutes man mit einer Organspende oder eben einem Ausweis bewirken kann“, so eine Verdenerin.

„Ich hätte es mit der Angst zu tun bekommen, wenn die Entscheidung auf die ,Widerspruchslösung‘ gefallen wäre“, sagt eine Verdenerin. „Wo kommen wir denn da hin?“ Eve Kiehnke kann die Sorge ihrer Gesprächspartnerin nicht verstehen. „Also ich finde Spahns Vorschlag besser. Warum denn auch nicht? Wer nicht will, sagt einfach Nein“, sagt sie.

Befragte sind sich uneins 

Es wird deutlich, dass die Bürger sich sehr uneinig über die Organspende-Reform sind. Viele können zwar ganz klar Jens Spahns Vorschlag und Argumentation nachvollziehen, sind aber trotzdem mit dem jetzigen Gesetzesbeschluss zufrieden. Einig sind sich alle Befragten dabei, dass mehr Aufklärung betrieben werden müsse.

Organspendeausweise

und weitere Informationen zur Bestellung können Interessierte im Internet unter www.organspende-info.de oder Telefon 0800/9040400 finden.

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