Order durch die „Corona-Klappe“

Wie Verdener Kaufleute versuchen, die Krise zu meistern

Grüße aus der Corona-Klappe: Carmen Witte verkauft Spielzeug derzeit kontaktlos. Fotos: Preuß

Verden - Von Katrin Preuss. Ob „bis auf Weiteres“, „auf unbestimmte Zeit“ oder erst einmal für die nächsten zwei Wochen: Die Botschaft vieler Einzelhändler lautet: „Wir haben geschlossen.“ Zahlreiche Verdener Kaufleute weisen in ihren Schaufenstern nun auf die Möglichkeit hin, Waren per Telefon oder E-Mail bestellen und sich gegen Rechnung nach Hause liefern zu lassen.

Carmen Witte steht hinter der verschlossenen Glastür ihres Kinderparadieses und kommuniziert durch das darüber angebrachte Kippfenster mit den Kunden. „Corona-Klappe“ nennt sie die Öffnung. Eigentlich zum Lüften gedacht, dient sie jetzt, zwischen 9 und 18 Uhr, zur Annahme von Bestellungen.

Das Gewünschte legt Carmen Witte dann an einem Nebeneingang ab. Plus Rechnung. Wer mag, darf das Geld auch abgezählt auf den Stehtisch legen. Gleich neben dem Desinfektionsmittel. So bleiben Verkäufer und Käufer voneinander getrennt und sind doch in persönlichem Kontakt.

Besonders gefragt seien neben Gesellschaftsspielen und Puzzles derzeit Übungshefte für Kinder im Vorschulalter. Carmen Witte weiß, warum. Die Schulkinder sind zu Hause, müssen aber trotzdem lernen. Das können sie so Seite an Seite mit den kleinen Geschwistern tun.

Hatte Dienstag seinen – vorerst – letzten Tag: Hartmut Meyer mit seinem Schuh- und Schlüsseldienst.

Auf ihr Angebot werde von den Kunden gut angenommen, sagt die Spielzeughändlerin. Ganz anders ist es bei Katja Doebler und ihrem Geschäft für Wäsche und Bademoden. „Shoppen ist das letzte, woran man zurzeit denkt“, sagt sie. Auf ihr Angebot zur Lieferung frei Haus habe daher noch niemand reagiert.

Im Schaufenster des Blumengeschäftes Blickfang stehen rosafarbene Osterhasen in Reih und Glied. Deko, die nicht verdirbt. Den größten Teil ihrer Frischware habe sie weggeworfen, als sie ihren Laden vor gut einer Woche schließen musste, sagt Inhaberin Iris Tellermann am Telefon. „Ich hatte keine Chance mehr, noch irgendwas zu verkaufen.“

Sie klingt ein wenig atemlos. „Ich bin gerade beim Ausliefern“, sagt sie lachend. Frische Sträuße, Pflanzen und trendige Osterdekorationen bietet die Geschäftsfrau. Geliefert wird bis vor die Haustür. Kontaktlos. Allzu groß ist die Nachfrage noch nicht. Aber glücklicherweise verfügt Iris Tellermann über einen holländischen Großhändler, der auch in kleinen Mengen liefert. Ein bisschen mehr Vorlauf benötige sie zur Umsetzung von Bestellungen, erklärt sie. „Aber man muss nicht auf seine Blumen verzichten. Man muss sich nur melden.“

„Das ist nichts, was uns rettet“, kommentiert Buchhändlerin Gudrun Heine ganz nüchtern ihren Bestell- und Lieferservice. „Aber es ist auch wichtig, dass man im Gespräch bleibt.“ Und so helfen die sozialen Kontakte zum Kunden, die Durststrecke ein wenig erträglich zu machen.

Geschäfte bieten Lieferung nach Hause

Es seien in der Hauptsache Stammkunden, die von dem Angebot Gebrauch machten, berichtet Gudrun Heine. Dabei seien im Augenblick vor allem Bücher zur Kinderbeschäftigung gefragt, mit Basteltipps und Rätseln. „Es gibt aber auch wirklich Leute, die sagen: Jetzt habe ich Zeit, die Klassiker nachzuholen“, fügt sie hinzu. So geht auch schon mal „der dicke Dostojewski“ über den virtuellen Ladentisch.

Kaffee gibt’s bei Daniela Neuendorfs Köstlichkeiten nur noch zum Mitnehmen. Der Laden bleibt aber geöffnet.

Gegenüber von der Buchhandlung Heine ist es noch ein echter Tresen, über den Waren verkauft werden. Die „Köstlichkeiten“ von Daniela und Torsten Neuendorf zählen zur Lebensmittelbranche und sind daher geöffnet. Allerdings eingeschränkt. Maximal zwei Kunden gleichzeitig dürfen das kleine Feinkostgeschäft betreten. Koffeinhaltiges gibt es nur noch zum Mitnehmen.

Einen Lieferdienst bot das Ehepaar schon vor Corona an. Nun aber ist es ab einem Bestellwert von 20 Euro kostenlos, sich italienische Feinkost, Weine oder Spezialitäten aus der Region bis vor die Tür bringen zu lassen. Groß sei die Nachfrage im Augenblick nicht, sagt Torsten Neuendorf. „Aber wir haben gerade für Ostern das Lager vollgemacht. Das war auch einer der Gründe für uns zu sagen: Wir haben auf.“

Nachbar Hartmut Meyer hat sich entschieden, seinen Schuh- und Schlüsseldienst dichtzumachen. „Die Unkosten für März habe ich gerade so drinne“, sagt er. Viel zu tun ist nun aber nicht mehr. Für die wenigen Kunden lohnt sich die Fahrt vom Wohnort Bruchhausen-Vilsen nach Verden nicht. Außerdem habe ihm keine Behörde verbindlich sagen können, ob er zu den Handwerkern zähle und so sein Geschäft weiter öffnen dürfe, fügt der Schuhmacher hinzu. Er schließt ab, um sich „auf die sichere Seite zu bringen“.

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