Patienten würden ohne Behandlung leiden

Trotz Corona: Physiotherapiepraxen in Verden bleiben trotz Kontaktverbot geöffnet

Physiotheraphie bedeutet Hautkontakt und Nähe zum Patienten. Maike Blohme demonstriert eine Halswirbelsäulenbehandlung. Foto: haubrock-kriedel

Verden – Abstand ist in diesen Zeiten das Gebot der Stunde. Friseure, Kosmetikstudios und ähnliche Betriebe müssen wegen des nicht zu vermeidenden engen Körperkontakts schließen. Physiotherapiepraxen dagegen bleiben geöffnet, denn medizinisch notwendige Behandlungen sind weiterhin erlaubt. Ein Risiko für Therapeuten und Patienten bleibt.

In der Praxis für Physiotherapie Blohme & Redenius ist auch in diesen Tagen viel los, die Patienten geben sich fast die Klinke in die Hand. „Wir sind angehalten, noch zu arbeiten. Wir haben so lange geöffnet, bis das Gesundheitsamt sagt, dass wir schließen müssen“, so Maike Blohme. Die Patienten seien dankbar, dass sie nach wie vor kommen könnten. Viele hätten ohne Physiotherapie starke Schmerzen. „Wenn wir mit den Lymphdrainagen aussetzten müssten, würden Arme oder Beine der Betroffenen sehr schnell anschwellen“, nennt die Physiotherapeutin ein Beispiel. „Handschuhe können wir nicht tragen, wir brauchen bei unseren Behandlungen den Hautkontakt“, erklärt sie. Auch Mundschutze seien Mangelware. „Ein Mundschutz hält zwei Stunden. Wir haben welche bestellt, wissen aber nicht, wann sie ankommen. Im Gegensatz zu den Ärzten müssen wir uns selbst um unseren Schutz kümmern“, so Blohme.

Um so dankbarer ist das Praxisteam, das einige Patienten begonnen haben, Mundschutze für die Behandlungen zu nähen. „Gerade hat eine Patientin wieder eine Ladung angekündigt“, freut sich die Praxisinhaberin.

Körperkontakt unvermeidbar: Hygiene bleibt oberstes Gebot

Dass bei den Behandlungen der geforderte Sicherheitsabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, versteht sich von selbst. Gerade bei Behandlungen der Halswirbelsäule oder des Kiefers kommen sich Therapeut und Patient sehr nahe. „Natürlich ist Hygiene bei uns das oberste Gebot. Nach jeder Behandlung wischen wir alles ab und waschen uns die Hände. Mehr können wir nicht machen“, so Blohme. Ein Gefühl der Unsicherheit sei allerdings immer gegenwärtig, bekennt die Therapeutin. Vom Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) gibt es jeden Tag aktuelle Informationen. „Das ist unser Halt“, sagt Maike Blohme.

In Verden hätten viele Praxen bereits geschlossen. „Die Behandlungen sind jedoch notwendig und wir möchten unsere Patienten nicht im Stich lassen“, betont sie. Ein weiterer Aspekt sei die wirtschaftliche Lage und die Verantwortung für die 15 Mitarbeiter.

Keinerlei finanzielle Hilfen für Physiotherapiepraxen

Wenn die Praxis geschlossen würde, obwohl noch gearbeitet werden darf, gebe es keinerlei finanzielle Hilfen. „Wir sind in einem großen Dilemma. Wir haben unseren Mitarbeitern gesagt, dass sie für sich selbst entscheiden sollen, ob sie arbeiten möchten“, berichtet die Praxisinhaberin. Bislang würden jedoch alle weiterarbeiten, wenn auch mit einem mulmigen Gefühl. „Wir sind hier eine tolle Gemeinschaft. Es ist großartig, was die Kollegen leisten“, unterstreicht Blohme.

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