„Geduld gefragt“

Ökolandbau sprießt im Landkreis Verden sprunghaft

Auf einer eiförmigen Karte sind die Flächenzuwächse der Landkreise in der Region aufgeführt.
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Überdurchschnittliche Zuwächse bei der Anbaufläche für die Ökolandbau sind im Landkreis Verden zu verzeichnen.

Verden/Achim – Der Landkreis Verden gehört weiter zu den Wachstumsregionen beim Ökolandbau und legte im vergangenen Jahr erneut überdurchschnittlich zu. Nach Angaben des Kompetenznetzwerks Ökolandbau (Koen) in Visselhövede wuchs die Anbaufläche für Getreide, Futterpflanzen und Co um mehr als zehn Prozent. Insgesamt 280 Hektar wurden der softeren Variante des Anbaus neu zugeordnet.

Nachdem im Vorjahr noch sechs Prozent der Fläche das Prädikat Bio erhielten, sind es im laufenden Jahr schon 6,7 Prozent. Nur neun von insgesamt 38 Landkreisen können niedersachsenweit höhere Werte aufweisen. „Diese zunehmende Tendenz dürfte sich fortsetzen“, sagt Netzwerksprecherin Carolin Grieshop. Im Schnitt stehen jedem Öko-Betrieb zwischen Otterstedt und Barme rund 52 Hektar zur Verfügung.

Alles allerdings kein Freibrief für eine gute wirtschaftliche Zukunft des jeweils interessierten Landwirts. „Wer wirklich auf Ökolandbau umsteigen will, kommt nicht ohne detaillierte Analyse aus.“ Das beginne bei den vorhandenen Flächen, die groß genug sein müssen, es setze sich fort bei der Infrastruktur, bei etwa der Frage, wo der nächste Schlachthof mit entsprechenden Kapazitäten liege, und es münde in den Absatzmärkten. „Kann ich mit dem Lebensmittelhandel zusammenarbeiten, bestehen Vermarktungsgenossenschaften, habe ich Chancen auf einen erfolgreichen Hofverkauf? Das sind die Fragen, die zunächst zu klären sind“, so die Pressesprecherin der Visselhöveder Institution.

Luft, Licht und Wiese für die Tierhaltung

Wer beispielsweise Tierhaltung nach Ökogrundsätzen plane, habe sich auf das sogenannte flächengebundene System einzustellen. Luft, Licht und Wiese seien vorzuhalten, und dies in genau vorgegebenen Dimensionen, um ein Gleichgewicht aus Dünger-Anfall, Futter-Beschaffung und Pflanzenwachstum herzustellen. „Je vorhandenem Hektar können maximal zwei Kühe veranschlagt werden oder 230 Hühner. Das sind die Obergrenzen.“ Und jetzt schnell Entschlüsse fassen? Ganz so einfach ist es nicht. Wer das alles umsetzen wolle, brauche zunächst mal Geduld. „Zwei bis drei Jahre dauert die Umstellung.“

Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln wächst enorm

Der Absatzmarkt von Ökolebensmitteln sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. „Die Nachfrage ist enorm“, so Grieshop. Und die Chancen für bundesdeutsche Landwirte stünden nicht schlecht. „Noch müssen etwa 30 Prozent der Biomilch und 70 Prozent des Biogemüses importiert werden.“ Vom Lebensmittelhandel stark angetrieben, fallen die Zuwachsraten bei den verarbeitenden Betrieben spürbar aus. Zuletzt lagen sie laut Koen bei zwölf Prozent im Jahr. Und das Corona-Jahr 2020 beflügelte den Markt zusätzlich. Konsumenten in Deutschland gaben 22 Prozent mehr Geld für Bio-Lebensmittel aus. Davon profitierte auch der niedersächsische Ökolandbau, der besonders erfolgreich bei Eiern, Äpfeln und Kartoffeln ist. Fast jedes zweite in Deutschland gelegte Bio-Ei stammt aus Niedersachsen, dazu jeder vierte Bio-Apfel und jede vierte Bio-Kartoffel.

3 020 Hektar für Bio im Kreis

Im Landkreis Verden werden gegenwärtig 3 020 Hektar landwirtschaftlicher Fläche dem Ökolandbau zugeschrieben, davon rund 1 600 Hektar Grünland. Futterpflanzen und Getreide machen nach Koen-Angaben den größten Teil aus. Ein Selbstgänger ist diese Art der Bewirtschaftung allerdings nicht. Drei Landkreise in Niedersachsen haben sogar an Fläche verloren, dies allerdings vorrangig in Regionen im Westen des Landes.

Das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen bezeichnet sich selbst als Tochter der Bio-Verbände. Es erfährt eine Förderung durch die Landesregierung. Eine der Hauptaufgaben bestehe in der Beratung von Landwirten.

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