Vertreter von Stadt und Landwirtschaftskammer sensibilisieren

Nutrias füttern verboten

Drei Menschen, eine Frau und zwei Männer, miteinander im Gespräch.
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Treffen am Verbotsschild: Jasmin Schroer, Philipp Rohlfing und Matthias Beiber (v.l.) appellieren an de Bevölkerung, Nutrias nicht zu füttern, damit diese sich an der Aller nicht noch heimischer fühlen.

An der Alten Aller fühlen sie Nutrias bereits recht wohl. Am Ufer der Aller möchte die Stadt Verden die Nager, die ursprünglich aus Südamerika stammen, aber nicht. Die Biberratten gelten als Schädlinge, die Deiche unterhöhlen und so den Hochwasserschutz gefährden. Außerdem sollen sie heimische Tierarten verdrängen. Nun weisen Schilder im Allerpark darauf hin, dass das Füttern von Nutrias verboten ist. Sonst droht eine Geldbuße.

Verden – Jäger meldeten der Stadtverwaltung das vermehrte Aufkommen von Nutrias an der Aller. Dann wurde auch noch davon berichtet, dass eine dieser Biberratten im Allerpark gegenüber einem Kind eine „Drohgebärde“ gezeigt habe. Höchste Zeit zu handeln.

Nun weisen Schilder entlang des Uferwegs im Park darauf hin, dass es verboten ist, Nutrias zu füttern. Zuwiderhandlungen werden geahndet. „Wir haben nicht das Ziel, hohe Bußgelder zu kassieren“, betont Philipp Rohlfing, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, beim Ortstermin. „Unser Anliegen ist es, die Bevölkerung zu sensibilisieren.“

So geht es zunächst darum, dass die Nager, angelockt durch Futter, nicht auch noch in diesem Flussabschnitt heimisch werden. Weil sie eigentlich die stilleren Gewässer bevorzugen, fühlen Nutrias sich derzeit vor allem an und in der Alten Aller wohl.

Landwirtschafsministerium beauftragt Landwirtschaftskammer

Ein Fütterverbot reicht freilich nicht, um die Population der zu den invasiven Arten zählenden Nager zurückzudrängen. Die Tiere gelten aufgrund ihrer metertiefen Erdhöhlen, die sie in Uferbereichen graben, als schädlich für die Deiche und den Hochwasserschutz. Die ursprünglich aus Südamerika stammenden Nager haben hierzulande keine natürlichen Feinde, können sich ungestört fortpflanzen. Auf ihrem Speiseplan steht Schilf ganz oben. Fressen sie die Ufer kahl, fehlt es heimischen Tierarten an Brut- und Rückzugsorten.

Viele Gründe für das Landwirtschaftsministerium, Nutrias landesweit intensiv bejagen zu lassen. 650 mit Meldern versehene Lebendfallen stellte das Ministerium zur Verfügung, die über die Landwirtschaftskammer an die Jägerschaften verteilt wurden.

Und die machten offenbar reichlich Gebrauch davon. Mehr als 41 000 zur Strecke gebrachte Nutrias meldete das Ministerium für das Jagdjahr 2019/2020.

Die Tiere werden in den Lebendfallen gefangen, der für das Revier zuständige Jäger erhält eine entsprechende Nachricht aufs Handy und tötet das Tier dann vor Ort per Fangschuss.

Niedersachsen setzt auf hauptamtliche Nutria-Jäger

Eine Methode, die sich für den bis in den Abend belebten Allerpark wenig eignet. So bleibt für diesen Bereich zunächst der Hinweis auf das Fütterverbot, verbunden mit einer Erklärung dazu.

Zum Allerufer begleitet haben Philipp Rohlfing am Mittwochmorgen die Leiterin der städtischen Jagdgenossenschaft, Jasmin Schroer, und Matthias Beiber aus Hämelhausen mit Rauhaardackel Jazz und Jack-Russell-Terrier Milow. Beiber ist einer von drei Nutria-Jägern in Niedersachsen, dem bislang einzigen Bundesland, das hier auf Hauptamtliche setzt.

Seine Hunde setzt der Hämelhausener dabei nur ein, wenn es gilt, eine Spur aufzunehmen, den richtigen Platz für eine Falle zu finden. In einen Bau schickt er Jazz und Milow nicht. „Nutria-Zähne sind rasiermesserscharf“, berichtet er. Und fühle sich eine Biberratte in die Enge getrieben, greife sie an und gehe dem Hund an den Hals.

Diese Abbrüche an einem Entwässerungsgraben werden Nutrias zugeschrieben.

Im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums und der Landwirtschaftskammer macht Matthias Beiber speziell Jagd auf die Nutrias, berät aber vor allem Jäger, Behörden, Kommunen und auch schon mal Privatleute. Solche wie die Gartenbesitzer in Soltau mit ihren großen Teichen, in denen irgendwann die Nutrias auftauchten.

Paddlerin befreit gefangene Tiere

In der Regel ist der Einsatz von Matthias Beiber kostenlos. Es sei denn, er muss tätig werden, weil ein Jagdpächter in seinem Revier untätig bleibt in Sachen Nutria-Bejagung. „Wir sind Jäger, wir sind keine Schädlingsbekämpfer“, bekommt Beiber dann zu hören. Seine Position: „Wenn ich ein Revier habe, dann habe ich es zu hegen und zu pflegen.“ Die Nutria-Jagd gehört für ihn dazu.

Auch anderenorts stoßen der 57-Jährige und seine Kollegen bei ihrer Arbeit auf Unverständnis. So berichtet Beiber von einer Paddlerin auf der Böhme im benachbarten Heidekreis, die immer wieder vom Wasser aus Nutrias aus ihren Fallen befreite oder diese schloss, damit keiner der Nager hineingelangen konnte. Bis sie inflagranti erwischt und zur Kasse gebeten wurde. Der Verstoß: Die Frau hatte die Fallenjagd gestört.

In den röhrenförmigen Fallen werden die Nutrias leben gefangen, dann er per Fangschuss getötet.

Der Nabu in Bremen kritisiert die massive Jagd auf die Tiere, die ursprünglich aus Südamerika stammen, wegen ihres Felles und Fleisches auch nach Deutschland importiert und dann hier gezüchtet wurden. Vor allem, dass der Elterntierschutz aufgehoben wurde und somit auch Muttertiere gejagt werden dürfen, wird angeprangert.

Matthias Beiber hält mit Zahlen dagegen. Dreimal im Jahr können Nutrias sich demnach fortpflanzen. Jeder Wurf hat zwischen vier und acht Junge, die mit vier bis fünf Monaten selber geschlechtsreif werden. Und ein ausgewachsenes Nutria von etwa zehn Kilo Gewicht benötige pro Tag etwa 2,5 Kilogramm Futter. Beiber: „Da kommt ganz schön was zusammen.“

Bejagung im Kreis Verden zeigt erste Ergebnisse

Das spiegeln auch die Streckenzahlen für den Landkreis Verden wieder. Matthias Beiber berichtet von 1 550 Nutrias im Jagdjahr 2019/2020. Dass es aktuell 350 weniger sind, führt er darauf zurück, dass die Bejagung erste Erfolge gehabt hat.

Einen Teil der von ihm selber erlegten Nutrias liefert Beiber bei der Tierärztlichen Hochschule Hannover ab. Dort wird unter anderem erforscht, welche Krankheiten tatsächlich von den Biberratten auf andere Tiere übertragen werden können, wie Fallen so zu gestalten sind, dass wirklich nur Nutrias hineingehen, oder auch, wie verschiedene Interessensgruppen zum Umgang mit dieser Art stehen.

Ein anderen Teil der Nutrias, die Matthias Beiber gejagt hat, landen als „Bio-Bio-Futter“ in den Näpfen von Jazz und Milow.

Von Katrin Preuss

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