Nutria-Jäger auf der Pirsch

Bereit für den Schuss: Nutria-Jäger Jens Döhle an einem Bewässerungsgraben bei Hutbergen.
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Bereit für den Schuss: Nutria-Jäger Jens Döhle an einem Bewässerungsgraben bei Hutbergen.

Wenn Jens Döhle sich die Flinte umhängt und auf sein E-Bike schwingt, um auf die Pirsch zu gehen, radelt er nicht zum nächsten Wald. Entwässerungsgräben und Deiche im nassen Dreieck zwischen Aller und Weser sind sein Ziel. Der Hutberger legt mit seinem Jagdgewehr nur auf Nutrias an.

Verden – „Ich jage aus Leidenschaft“, sagt Jens Döhle. Die Jagd ist ein Freizeitvergnügen für den 52-Jährigen. „Meiner Familie wird es manchmal auch schon ein bisschen viel“, bekennt Döhle. Die Jägerschaft im Landkreis Verden findet das nicht. Sie sieht Döhles waidmännisches Treiben als Dienst an der Gemeinschaft. „Wir haben sogar die Verpflichtung, die Nutrias verstärkt zu bejagen“, erklärt deren Vorsitzender Jürgen Luttmann. Die Nager vermehren sich explosionsartig und „untergraben“ mit ihren bis zu neun Meter langen Erdbauen die Deichsicherheit. Da habe das Land die Jäger per Gesetz in die Pflicht genommen.

Statt Hasen oder Rehe zu jagen, hat sich denn auch Jens Döhle auf die aus Südamerika eingewanderten Pelztiere im Wortsinn eingeschossen. In Tarnkluft baut er sich mit seinem Dreibein an einer Böschung oder einem Deich auf, legt das graue Gewehr darauf an und beobachtet durch das Zielfernrohr die das Grün oberhalb der Wasserkante. „Fischotter haben ihren Zugang zum Bau unterhalb der Wasseroberfläche“, erklärt er. Nutrias graben ihre Baue oberhalb.

50 der Nagetiere, so berichtet Döhle, habe er im vergangenen Jahr so erlegt. Diesmal ließ sich keins blicken. „Sie sind sehr schmackhaft“, verrät Döhle, „irgendwo zwischen Kaninchen und Hähnchenbrust.“ Zu mehr als zum Essen taugen Nutrias für den Jäger auch nicht. Dabei seien es ihre Pelze gewesen, die sie einst so beliebt gemacht hätten.

Schon im 18. Jahrhundert, so weiß Jürgen Luttmann zu berichten, seien sie in Deutschland deswegen ausgewildert worden. „Die Bestände waren aber bis vor gut 100 Jahren wegen der Felle fast wieder ausgerottet worden.“

Die Felle der auch als Biberratten oder Sumpfbiber bekannten Tiere machen Jens Döhle und anderen Mitgliedern der Jägerschaft, ebenso wie viele andere Wildtiere, ihre Jagdbeute nicht interessanter. „Weil es keinen Markt für die Häute gibt“, erklärt Luttmann. Dabei sei das ein nachwachsender Rohstoff, findet er. Der Vorsitzende der Jägerschaft unterstützt deshalb auch die Initiative „Fellwechsel“, mit der sich der Deutsche Jagdverband für die Verwendung von Häute einsetzt, die bei der Jagd zwangsläufig abfallen.

Und nachwachsend, so informiert Luttmann, sei dieser Rohstoff auf jeden Fall. Zwei bis drei Würfe mit sechs bis acht Jungen bringen die Weibchen pro Jahr zur Welt. Nach fünf Monaten seien die Jungtiere dann selbst schon wieder geschlechtsreif, buddeln ihren Bau in die Deiche und vermehren sich. Diese enorme Fruchtbarkeit lasse sich auch am Streckenbericht der Jägerschaft im Landkreis ablesen: Im Jagdjahr 2015/16 hatten die Verdener Waidmänner kreisweit drei Tiere zur Strecke gebracht. Jahr für Jahr, immer vom April bis März, wurde die Kurve immer steiler. „Der jüngste Streckenbericht zählt schon 1 518 getötete Nutrias“, berichtet Luttmann.

Der Vorsitzende der Jägerschaft freut sich, dass Jens Döhle zu den Mitgliedern gehört, die sich der putzigen Gefahr an Deichen und Böschungen annimmt. „Die Landesregierung würde sonst selbst Jäger beauftragen, die das erledigen“, berichtet er. Das Interesse des Landes an der Bejagung sei auch daran zu erkennen, dass der sonst übliche „Mutterschutz“ für die Nager aufgehoben wurde, „Sonst dürften wir sie fast das ganze Jahr nicht jagen.“

Dass dies ein Hinweis ist, dass die Bejagung wirksamer Deichschutz ist, will Döhle so eindeutig nicht für sich in Anspruch nehmen. Dazu gebe es auch zu viele Zugänge über die Flüsse. Aber immerhin waren in diesem Jahr in der Küche der Familie häufiger Alternativen gefragt. Nach 50 Nutria-Braten im vergangenen Jahr hat er seit April gerade mal drei Tiere vor die Flinte bekommen.

Von Ronald Klee

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