Auch Achim von Mangel betroffen

Nur fünf von neun Notarstellen in Verden besetzt

Ein älterer Man mit Brille und zweireihiger Anzugjacke steht vor Regalen mit Büchern.
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35 Jahre als Notar vor Ort: Der Verdener Dr. Klaus Grantz. Aber auch für ihn war vor zehn Jahren Schluss. In die Kanzlei zieht es ihn dennoch immer mal wieder. Heute begeht er den 80. Geburtstag.

In Verden und Achim mangelt es an Notaren. Wir haben uns die Situation in den Städten genauer angesehen.

  • Von neun Notar-Stellen sind in Verden nur fünf besetzt.
  • In den vergangenen zwei Jahren keine Bewerber für rund die Hälfte der Stellen.
  • Notare wurden früher auf Lebenszeit bestellt.

Verden – Es gibt zu wenig Notare. In Verden sind von neun Notar-Stellen gerade einmal fünf besetzt. Achim könnte 20 Notare gebrauchen, hat aber nur 15 und durch die vorhersehbaren „Altersabgänge“ werden sich dort in den kommenden drei Jahren noch mal fünf Notare aus diesem Amt verabschieden müssen. Sollten sich keine Nachfolger finden, wird dann auch dort nur noch jede zweite Stelle besetzt sein.

„Früher wurde man nach einer gewissen Zeit automatisch Notar und dann auf Lebenszeit bestellt“, erklärt Ralf Klingeberg, Rechtsanwalt und Notariatsverwalter. In dieser Funktion kümmert sich unter anderem um das ehemalige Notariat von Dr. Klaus Grantz, der seit 1976 Notar in Verden war. Damit galt für Grantz die noch immer aktuelle Regelung, dass ein Notar dieses Amt maximal bis zum 70. Lebensjahr ausführen darf. Vor zehn Jahren war damit für den Verdener Schluss, der heute seinen 80. Geburtstag feiert.

In Niedersachsen gebe es je 450 Nummern (Beurkundungen) eine Notar-Stelle, erklärt Klingeberg. Bei rund 4300 bis 4400 Nummern im Jahr bestehe derzeit im Amtsgerichtsbezirk Verden ein Anspruch auf neun Notare, rechnet er vor. Die offenen Stellen neu zu besetzen, hält er für dringend notwendig. Es gebe mitunter Wartezeiten von vier Wochen bis zum ersten Termin. „Das sind Zustände, die nicht haltbar sind“, findet der Jurist.

125 Notarstellen sind in Niedersachsen ausgeschrieben

Verden wird sich normalisieren, zeigt sich Klingeberg zuversichtlich. Und hier könnten sich alle noch glücklich schätzen, denn in den nächsten zehn Jahren werde es keine „Altersabgänge“ geben. Aktuell arbeiten als Notare: Dr. Randolf Friedrichs, Dr. Detlef Harries Lehmann, Konstantin Kruschke, Holger Stüven und Dr. Falk-Rembert von Eickstedt.

Doch in Achim seien Stellen schon seit Jahren unbesetzt. Im dortigen Amtsgerichtsbezirk werden laut einer von der Rechtsanwaltskammer Celle veröffentlichten Aufstellung im Laufe des kommenden Jahres zwei Notare ihr Amt aufgeben müssen. Zwei weitere im Jahr 2023 und nochmals fünf bis 2029. Ob Nachfolger bereit stehen, ist nicht bekannt.

Ein Problem, das vielerorts besteht. Stand 1. Januar 2021 waren laut der Bestandsliste nur in vier von 41 Amtsgerichtsbezirken alle Stellen besetzt. Aktuell hat das niedersächsische Justizministerium 125 Notarstellen ausgeschrieben, davon 27 im Landgerichtsbezirk Verden. In den vergangenen zwei Jahren soll es für rund die Hälfte der Stellen nicht einmal Bewerber gegeben haben. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Notare müssen bestimmte Kriterien erfüllen und eine notarielle Fachprüfung ablegen. „Es ist eine andere Beratungspraxis“, sagt Klingeberg. Ein Notar sei der „Neutralität verpflichtet und keine Interessenvertretung“.

Notare brauchen gute Bürovorsteher

„Ein Rechtsanwalt kann Mandate ablehnen. Ein Notar nicht“, erklärt Dr. Rouven Seeberg, Sprecher des Landgerichts Verden. Der Landgerichtspräsident hat die Dienstaufsicht über die Notare. Haftungsfragen würden eine Rolle spielen, Vertretungen müssen geregelt sein und es brauche einen guten Bürovorsteher. Dass dem Beurkundungsanspruch der Bürger derzeit nicht Rechnung getragen werde, ist Seeberg nicht bekannt. Sehr wohl aber, dass es Schwierigkeiten gibt, die Stellen zu besetzen.

„Früher hatte jeder Interesse. Man konnte Notar werden, wenn man eine gewisse Zeit Anwalt war und wurde auf Lebenszeit bestellt. Das war eine zusätzliche Einnahme“, erinnert sich Grantz. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes hat zwölf Jahre als Mitglied des Senats für Notarsachen am Bundesgerichtshof die rote Robe getragen und war insgesamt 35 Jahre, fast sein halbes Leben, Notar. Bereut habe er das nie, sagt der 80-Jährige. wb

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