Bundesinfektionsschutzgesetz greift voll durch

Notbremse im Landkreis Verden angezogen: Kein Friseurtermin ohne Test

Jens Müller
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Blick in den Salon von Jens Müller Haare (hier ein Archivbild).

Verden – Jetzt steht es also fest: Wer einen Termin bei seinem Friseur im Landkreis Verden wahrnehmen möchte, der muss ab Samstag im Voraus einen negativen Corona-Test durchführen. So sieht es das Bundesinfektionsschutzgesetz vor, das, nachdem es am Donnerstag vom Bundestag beschlossen und am Freitag vom Bundespräsidenten unterschrieben wurde, am Samstag mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt. Die Notbremse greift, weil die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis sich bereits seit mehreren Tagen über 100 befindet.

„Uns war schon lange klar, dass die Testpflicht kommen wird. Bis gestern war halt nur die Frage, ab wann“, so Jens Müller, Inhaber des gleichnamigen Friseursalons an der Oberen Straße in Verden. Allerdings habe eine ganz andere Sorge in den vergangenen Tagen für Unruhe bei den Kunden gesorgt. „Viele riefen an und fragten, ob wir wegen der Bundesnotbremse wieder schließen müssen. Aber das ist ja bei diesem Lockdown gar nicht der Fall“, berichtet Müller.

Auf die Frage, was er von der Testpflicht vor einem Termin hält, schmunzelt der Friseurmeister. „Die Regeln kommen, wie sie kommen, da haben wir keinen Einfluss drauf. Und darum ist im Grunde auch egal, wie ich die finde, weil die einzige Alternative wäre, den Laden wieder zu schließen, was für mich überhaupt nicht zur Debatte steht, obwohl der organisatorische Aufwand natürlich gigantisch ist.“

In anderen Friseursalons sei in der vergangenen Woche die Nachfrage nach Terminen spürbar wieder gestiegen, wenn auch nicht so stark wie im März, als die Friseure nach dreimonatiger Schließung wieder öffnen durften (wir berichteten). So ist aus dem Salon Trend Hair zu hören, dass sich mit Blick auf die baldige Testpflicht viele meldeten, um sich noch vorher die Haare schön machen zu lassen. Andere hatten Angst, dass die Salons erneut schließen müssen.

„Die Testpflicht vor einem Besuch beim Friseurtermin besteht, solange die Inzidenz des Landkreises Verden über 100 liegt. Sinkt sie unter 100 und bleibt dort auch fünf Tage lang, wird die Testpflicht wieder aufgehoben“, erklärt Dr. Jan-Peter Halves, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser. „Ich muss aber betonen, dass das alles nächste Woche schon wieder ganz anders aussehen kann. Zwar handelt es sich um ein Bundesinfektionsschutzgesetz, aber damit ist nicht ausgeschlossen, dass das Land Niedersachsen eigene, schärfere Regeln aufstellt.“

Welcher negative Corona-Nachweis muss vorliegen?

Die Friseure im Landkreis Verden dürfen zwar weiterhin geöffnet bleiben, doch ab heute gilt eine strenge Testpflicht. So muss jeder Kunde zu seinem Termin einen negativen Schnelltest vorweisen, maximal 24 Stunden alt und durchgeführt in einem Testzentrum, bei Apotheken oder Ärzten, die diese anbieten. Ein negativer Selbsttest reiche nicht aus, betont Jan-Peter Halves, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser. Ausschlaggebend sei, dass der Kunde ein sogenanntes „Testzeugnis“ vorlegen könne. Sonderregelungen für Leute, die bereits gegen das Coronavirus geimpft wurden, gebe es noch nicht. „Aber sie sind auf jeden Fall vorgesehen. Sie müssen nur noch von der Regierung freigeschaltet werden“, so Halves. Wann das der Fall sein wird oder wie die Sonderregeln aussehen könnten, kann er nicht einschätzen. Die Testpflicht vorm Friseurbesuch bestehe so lange, wie die Inzidenz des Landkreises über 100 ist. Fällt sie unter 100 und bleibt dort fünf Tage am Stück, würde sie wieder aufgehoben werden. „So lange, bis der Landkreis wieder länger als drei Tage über dem Wert liegt“, erläutert Halves.

Ihn wundert, dass das neue Infektionsschutzgesetz so unmittelbar greift. „Normalerweise gibt es da ja einen Puffer, sodass man notwendige Vorbereitungen treffen kann.“ Dass alles jetzt so schnell geht, sei vor allem für die Kunden schwierig, die heute einen Friseurtermin haben.

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