Not-Kinderbetreuung angelaufen

Stark beansprucht: Das Gesundheitsamt des Landkreises. „Es ist keine Anlaufstelle für Patienten“, sagt Landrat Peter Bohlmann. Dafür seien Hausärzte zuständig. Foto: kracke

Die Corona-Epidemie hat sich über das Wochenende im Landkreis Verden abgeschwächter als befürchtet verbreitet. Bestätigt wurden vom Gesundheitsamt des Landkreises drei neue Fälle. Entwarnung gab es dagegen für die beiden Achimer Schulen, die seit Freitagmorgen geschlossen sind. Währenddessen begann gestern die Betreuung von Kita- und Schulkindern, deren Eltern beruflich in der kritischen Infrastruktur tätig sind.

VON HEINRICH KRACKE

Landkreis – Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle im Landkreis Verden ist auf elf gestiegen. Neu hinzu kamen am Wochenende eine Frau aus dem Nordkreis, die als Kontaktperson eines infizierten Reiserückkehrers unter den Symptomen litt, ein Mann ebenfalls aus dem Nordkreis als direkter Rückkehrer aus einem Skigebiet und eine weitere Frau, auch sie ist aus dem Nordkreis, deren Infektionskette noch als unklar gilt. Alle drei Personen, so Amtsärztin Jutta Dreyer, befinden sich im Erwachsenenalter und weisen lediglich geringe Erkrankungserscheinungen auf. Sie befinden sich in häuslicher Quarantäne.

Zehn der elf infizierten Menschen kreisweit gehören der Kategorie der Rückreisenden an. Sie alle befinden sich nach Einschätzung des Gesundheitsamtes in den Umständen entsprechend stabiler Verfassung. Stationär aufgenommen wurde noch niemand. Derweil hat das Testzentrum auf dem Gelände der Kreisverwaltung in Verden die Arbeit aufgenommen. Hausärzte entsenden dorthin eventuelle Probanden, die nicht nur Erkältungssymptome aufweisen, sondern zusätzlich auch noch aus einem Reise-Risikogebiet kommen oder Kontakt hatten mit infizierten Menschen. Auch gestern wurden Tests vorgenommen.

Nachdem das Gesundheitsamt für vergangenen Freitag zwei Achimer Schulen geschlossen hatte, konnten gestern bereits die Ergebnisse der Laboruntersuchungen vorgelegt werden. Sowohl das Gymnasium am Markt als auch die Grundschule am Paulsberg standen im Zusammenhang mit zwei Menschen, die in Kontakt mit einer positiv auf das Coronavirus getesteten Person gekommen waren. Die weiteren Tests im Umfeld sind jetzt negativ ausgefallen. „Wir können erfreulicherweise Entwarnung für beide Schulen geben“, erklärt Landrat Peter Bohlmann.

„Aktuell ist es die Kinderbetreuung, die zusätzlich zu den gesundheitlichen Befürchtungen viele Familien vor Probleme stellt“, so Bohlmann weiter. Doch auch in diesem sensiblen Bereich zeichnen sich bemerkenswert unaufgeregte Lösungen an. „Das ist sehr gut angelaufen“, sagte beispielsweise Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann gestern in einer ersten Einschätzung. Den Notdienst bezeichnete er als nicht überlastet. „Viele Eltern haben offenbar eine Lösung zu Hause entwickelt.“

In diesem Zusammenhang weist der Landkreis darauf hin, dass das grundsätzlich gewünschte Aufpassen auf Kinder im Rahmen von Freundschafts- oder Nachbarschaftsinitiativen dennoch gewissen Regeln folgen müsse, heißt es in einer Verwaltungs-Mitteilung. So sollten beispielhaft nicht mehr als fünf Kinder in geschlossenen Räumen beaufsichtigt werden. Nur so könne der Zweck der Schul- und Kitaschließungen, zu große Ansammlungen von Kindern zu vermeiden, erreicht werden. Wie mit der Notbetreuung für Berufe aus der kritischen Infrastruktur umzugehen sei und welche Regelungsbedarfe es noch gebe, ermittele die Kreisverwaltung zurzeit.

Eingestellt sei man weiterhin auf eine deutliche Steigerung bei den bestätigten Corona-Fällen. Damit sei sogar zu rechnen. Landrat Bohlmann weist darauf hin, es bestünden Pandemiepläne für den Fall, dass kritische Infrastrukturen durch hohe Personalausfälle bedroht seien. „Es besteht jedoch kein Grund zur Sorge, dass Zahlungen eingestellt werden oder der Abfall nicht mehr abgeholt wird“, betont Bohlmann.

Dennoch bittet die Kreisverwaltung, persönliche Besuche der Kreisverwaltung auf absolut dringliche Angelegenheiten zu beschränken und nach Möglichkeit im Vorfeld telefonisch zu besprechen. Um sich auf die unverzichtbaren Leistungen zu konzentrieren und unnötige Kontakte zu reduzieren, hat der Landkreis bereits erste Einschränkungen getroffen. So wurden inzwischen die Kreisvolkshochschule, die Kreismusikschule und das Kreisarchiv geschlossen. Ab kommenden Mittwoch bleiben auch, bis auf den Abfallhof in Beppen, alle Abfallhöfe im Kreis geschlossen. In Beppen werden dann nur noch Abfälle von Gewerbeunternehmen, nicht aber von Privatpersonen angenommen.

Die Infektionsschutzbelehrungen zum Umgang mit Lebensmitteln im Gesundheitsamt werden bis auf weiteres ausgesetzt. Auch die Kreiskasse und die Vollstreckungsbehörde sind laut Mitteilung für den Besucherverkehr geschlossen. Bargeldeinzahlungen in die Kreiskasse werden nicht entgegengenommen, sondern sind nur an den Kassenautomaten möglich. Weiterhin geöffnet bleiben vorerst die Führerscheinstelle und die Kfz-Zulassungsstelle.

Der Landkreis weist darauf hin, dass das stark beanspruchte Gesundheitsamt keine Anlaufstelle für Patienten sei. Bei Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion sei telefonisch mit dem Hausarzt Kontakt aufzunehmen oder außerhalb der Sprechzeiten die Nummer 116117 des Notdienstes zu wählen.

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