Auftaktvortrag zur Ausstellung „Klimaflucht“ im Dom mit Oliver Hasenkamp

Noch ist das Klima zu retten

Oliver Hasenkamp von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen referierte im Dom.

Verden - 65,6 Millionen Menschen waren 2016 auf der Flucht. In dieser Zahl sind jedoch nicht die Menschen enthalten, die der Klimawandel drängt, einen neuen Lebensraum zu suchen. Diese Folge der Veränderungen im Weltklima dokumentiert eine Wanderausstellung im Verdener Dom, die bis zum 18. August zu sehen ist.

Die Wanderausstellung „Klimaflucht“ der Deutschen KlimaStiftung (DKS) macht anhand von Einzelschicksalen die dramatischen Ausmaße besonders greifbar. Zum Auftakt hatte der Kirchenkreistag Oliver Hasenkamp, Referent für Entwicklung, Klima und Nachhaltigkeit von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) eingeladen.

Entschiedenes Handeln notwendig

„Durch entschiedenes Handeln kann man das Schlimmste noch verhindern und die Folgen des Klimawandels abbremsen“, sagte Hasenkamp zu Beginn. Dazu seien allerdings schnelle Entscheidungen notwendig. Der aktuelle Kurs der USA stimme aber leider pessimistisch.

Wie ernst das Thema Klimaflucht ist, zeigt eine Studie von zwei amerikanischen Universitäten. Demnach wird es, wenn der Klimawandel nicht aufgehalten wird, bis 2100 bis zu zwei Milliarden Klimaflüchtlinge geben, das wäre mehr als ein Sechstel der Weltbevölkerung. Hasenkamp wies darauf hin, dass es derzeit keine rechtliche Anerkennung für die bislang 50 Millionen Klimaflüchtlinge gibt. „Bis 2050 gibt es mindestens 200 Millionen Klimaflüchtlinge, selbst wenn wir entschieden gegen den Wandel vorgehen. Wir haben die Möglichkeit, die Auswirkungen bewusst mitzubestimmen“, machte der Referent deutlich.

Insbesondere der Westen müsse Verantwortung übernehmen

Klimawandel habe es schon immer gegeben, doch seit Beginn der Industrialisierung nähmen die vom Menschen ausgelösten Veränderungen des Klimasystems in einem exponentiellen Ausmaß zu. Die historische Verantwortung fand Hasenkamp vor allem in Europa und Nordamerika, in den letzten Jahren zunehmend auch in China und Indien. Im Sinne der Klimagerechtigkeit gelte es nun, Verantwortung für die Erde und das Schicksal anderer Menschen zu übernehmen.

Als Folgen des Klimawandels nannte Hasenkamp Dürren, denen Hungersnöte folgen, Eisschmelze und der Anstieg des Meeresspiegels, zunehmende Wüstenbildung und eine wachsende Zahl von Unwettern. Bei steigender Weltbevölkerung führe dieses zu Vernichtung von Wohnraum und Ackerland, die Eisschmelze bedeute einen Verlust der Süßwasservorräte.

Anhand einiger persönlicher Schicksale wies der Referent auf die Folgen des Klimawandels hin: „Da ist eine junge Mutter aus Somalia, die mit ihrem Kind nach Kenia geflohen ist. Nicht nur die Flucht war strapaziös, Durst war ein ständiger Begleiter.“ Aber auch im Flüchtlingscamp in Kenia seien die Bedingungen alles andere als ideal.

Einzelschicksale verdeutlichen drängende Lage

Auch die traditionelle Lebensweise, Kultur und der soziale Zusammenhalt der indigenen Bevölkerung der Arktis bedrohe der Klimawandel. Der Zugang zu den Nahrungsquellen dieser Menschen sei in Gefahr. Traditionelles Wissen um Jagdrouten und Reisewege werde angesichts der veränderten Wetterbedingungen, Schnee- und Eisschmelze nutzlos.

Die Bewohner des pazifischen Inselstaates Kiribati hätten bereits mit dem steigenden Meeresspiegel zu kämpfen. Er verschlinge immer mehr Land und versalze die Ackerflächen. Doch auch in Deutschland sei der Klimawandel bereits spürbar: „Die Jahrhunderthochwasser an der Elbe 2002 und 2013 sprechen eine deutliche Sprache.“

„Der Schwerpunkt der Folgen liegt aber in den Entwicklungsländern“, so Hasenkamp. Ziel, so formulierte er, müsse es sein, statt der Klimaflucht eine Migration in Würde zu ermöglichen, die den Menschen Zeit gibt, sich auf ihren neuen Lebensraum vorzubereiten. „Dieses gelingt aber nur, wenn der Klimawandel nicht mehr so rasch voranschreitet.“

ahk

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