THW kann keine neue Halle bauen

Rat beschließt Veränderungssperre für „Clüversweg“

Verden - Von Erika Wennhold. „Wenn wir mit unseren Schläuchen nicht so schnell am Klärwerk gewesen wären, hätte die Scheiße bis in die Stadt laufen können.“ Andreas Lindhorst, Einsatzleiter beim Technischen Hilfswerk (THW) Verden, ist sauer. Ausgerechnet kurz vor Baubeginn einer dringend notwendigen neuen Fahrzeughalle macht die Stadt dem THW einen Strich durch die Rechnung: Eine am Dienstag im Stadtrat mit großer Mehrheit beschlossene Veränderungssperre für den Geltungsbereich des Bebauungsplanes 102 „Industriegebiet Clüversweg“.

Ein Dilemma für beide Seiten, aber gleichzeitig auch eine planungsrechtlich wichtige Entscheidung für die Stadt, die an dieser Stelle die Weiterentwicklung des Industriegebietes ermöglichen möchte. Aktuell geht es um Baupläne der alteingesessenen Firma Keks Freitag, die mit über 300 Mitarbeitern wichtiger Arbeitgeber in Verden ist, und sich am vorhandenen Standort an der Siemensstraße ausdehnen möchte.

Mit der Veränderungssperre sind nun Fakten geschaffen worden: Die neue Fahrzeughalle (Kostenaufwand rund eine Million Euro) darf nicht mehr gebaut werden. Die Betriebserlaubnis der alten Halle läuft im Oktober aus. Zwar besteht für alle vorhandenen Gebäude auf dem Mitte der 90er-Jahre erworbenen THW-Gelände Bestandsschutz, doch ein Verbleib macht keinen Sinn, wenn die Fahrzeuge nicht untergebracht werden können.

Gute Lösung für beide Seiten

Das weiß auch Bürgermeister Lutz Brockmann, der in der Ratssitzung am Dienstag zu beschwichtigen versuchte: „Wir wollen eine gute Lösung für beide Seiten finden. Niemand soll verlieren.“ Deshalb machte er Mut: „Wir haben sieben Monate Zeit, um Ersatz zu finden“, richtete er seine Worte an die Vertreter des THW auf der Empore des Ratssaals.

Dass es der Stadt nicht gleichgültig ist, was aus der Verdener Ortsgruppe des THW wird, machten die Fraktionsvorsitzenden aller vertretenen Parteien deutlich. Jens Richter (CDU): „Wir haben großes Interesse daran, dass das THW weiter hierbleibt, es hat wichtige Einsätze gegeben. Wir sind der Meinung, dass eine neue Halle gebaut werden kann, aber in einer vernünftigen Lage.“

„Es darf keine Verlierer geben“

Carsten Hauschild (SPD) sprach von einer Demoralisierung Ehrenamtlicher: „Ein vernünftiger Übergang wäre besser gewesen.“ Und: „Auf wessen Rücken wird das hier ausgetragen?“

Wie schwierig die Situation ist, beschrieb Rasmus Grobe (Grüne): „Die Komplexität ist weitaus größer, als es scheint. Wir haben im Moment keine Lösung, die für die Ehrenamtlichen akzeptabel ist. Trotzdem darf es keine Verlierer geben. Das THW macht eine verdammt gute Arbeit.“

Um die Diskussion in ruhigem Fahrwasser zu halten, hatte der Rat zuvor einen eher ungewöhnlichen Weg beschritten. Mitten im öffentlichen Teil wurde nichtöffentlich weiter beraten. Es ging wohl um Grundstücksangelegenheiten. Ob die zu einer für alle Seiten tragbaren Lösung führen können, muss abgewartet werden.

Zwei Ratsmitglieder stimmten gegen die Veränderungssperre, drei enthielten sich.

Rubriklistenbild: © dpa

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