Verdener Baudenkmal endet auf der Deponie

„Schmuckes Haus in der Norderstadt“ nicht mehr zu retten

Alte Steine liegen aufgeschüttet auf einem großen Berg, dahinter sind Reste eines Fachwerkhauses zu sehen.
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Das Fachwerk aus dem 19. Jahrhundert hatte durch Witterungseinflüsse jahrzehntelang gelitten und an Standfestigkeit verloren.

Verden – „Einst war es ein schmuckes Haus in der Norderstadt.“ So beschreibt der Verdener Hobbyhistoriker Jürgen Siemers (1926 - 2018) das Gebäude Ritterstraße 4 in dem Buch „Ereignisse und Bilder aus einer tausendjährigen Stadt“. Da es über das Baujahr keine Quellen gab, zog Jürgen Siemers seine Schlüsse aus der Bauweise, die darauf hinweise, dass es erst nach dem 30-jährigen Krieg errichtet worden sei.

  • Ein einst schmuckes Fachwerkhaus ist dem Erdboden gleich gemacht worden.
  • Gebäude drohte einzustürzen.
  • Balken durch Feuchtigkeit über Jahre verrottet.

Nur 1,80 Meter sei die Raumhöhe im ersten Stock. Durch eine Windluke im Dachgeschoss seien die Vorräte der Ackerbürger auf den Lagerboden gelangt. Ursprünglich habe das Fachwerkhaus ein rundbogiges Einfahrtstor gehabt, der Bogenansatz sei noch zu erkennen. Vor dem Einbau von zahlreichen Wohnungen sei der Eingang geändert worden. Folgendermaßen beschreibt Siemers das Gebäude weiter: „Im Erdgeschoss waren auf der linken Seite des Hauses Wohnräume über zwei Gefache hinweg, und ein wirtschaftlich genutzter Raum war an der rechten Seite. Die zugehörige Scheune wird bereits 1818 erwähnt. Als frühester Besitzer ist der 1665 verstorbene Schwarzfärber Hans Otto bekannt, den seine Kundschaft nicht nur in Trauerfällen aufsuchte.“

Einst noch vollständig: Das inzwischen abgerissene Haus in der Ritterstraße.

Wie das Haus später genutzt wurde, konnte Siemers bei seinen Nachforschungen nicht herausfinden. Aus dem Jahr 1888 sei jedoch hervorgegangen, dass es ein Mietshaus war. Siemers vermutete, dass das in den Jahren zuvor auch schon so gewesen war. Im Jahr 1888 sollen sechs Familien in dem Haus gewohnt haben. Später sollen es sogar acht Familien gewesen sein. Siemers bedauerte seinerzeit den desolaten Zustand des Hauses und hoffte: „Aber vielleicht ergibt sich noch eine Möglichkeit, das über 350 Jahre alte Fachwerkhaus als Zeuge vergangener Zeiten zu erhalten.“

Auf dem Grundstück an der Ritterstraße türmen sich Steine und Holzbalken

Das ist wie berichtet leider nicht gelungen. Gestern ist das letzte Stück Mauerwerk entfernt worden, auf dem Grundstück türmten sich Steine aus abgebrochenem Mauerwerk, meterhoch lagen dicke Holzbalken zum Abtransport bereit. Der Bauschutt wird jetzt entsorgt, das Gelände seitens der Stadt eingeebnet. Die alten Balken seien jedoch nicht mehr zu gebrauchen, sagt Dagmar Boenig-Willert, Leiterin der Bauaufsicht im Rathaus. „Das Holz ist völlig gammelig und von Schädlingen angegriffen. Die Fassade ist durchnässt gewesen. Da war nichts mehr zu retten.“

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Denkmalrechtlich sei der Abbruch total schade, aber das Gebäude hätte jederzeit wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen können. Das Abbruchunternehmen habe deshalb auch das Gebäudeinnere nicht mehr betreten.

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