Medienkoffer sorgen für politischen Wirbel

Es gab für nichts eine Mehrheit im Kulturausschuss

Verden - Die Absicht war begrüßenswert, die Umsetzung wohl weniger. So gern hätte Stefan Kaplon Mittel für Medienkompetenz in der Stadtbibliothek gehabt. Doch den entsprechenden Beschlussentwurf kippten die Mitglieder des Kulturausschusses ebenso wie zwei Folgeanträge. Es fand sich für nichts eine Mehrheit.

Der Leiter der Stadtbibliothek hatte als Produktverantwortlicher den Beschlussvorschlag erarbeitet. Danach hätte die Institution am Holzmarkt ihr Angebot mit Ipad-Medienkoffern zur Vermittlung von Medienkompetenz zur Unterstützung von städtischen Einrichtungen und Kunden der Bibliothek erweitert. Als Kosten standen 25.000 Euro im Raum. Eine Summe, die manchem Ausschussmitglied zu „dicke“ vorkam.

Kaplon hatte vor der Diskussion den Entwurf begründet. Zwei Medienkoffer mit einem Klassensatz von je 16 Ipads sollten es schon sein, um auch Schulklassen an die Medienkompetenz der beliebten Einrichtung heranzuführen. Wie der Leiter weiter ausführte, wolle die Bibliothek mit diesen Koffern in Kooperation mit den städtischen Schulen und Einrichtungen (von denen niemand in der Sitzung anwesend war; Anm. d. Red.) ein Netzwerk aufbauen und gemeinsam mit Pädagogen die Medienkompetenz an Lehrer, Kinder und Jugendliche vermitteln.

Obwohl Kaplon die Anschaffung von Ipads aus praktischen und anwenderfreundlichen Gründen vehement verteidigte, taten sich einige Kommunalpolitiker damit sehr schwer. Jürgen Weidemann (FDP) hielt die Anschaffung der Medienkoffer grundsätzlich für gut, sie entsprächen aber nicht dem städtischen Handlungskonzept. Er stellte den Antrag, die Kosten für die Medienkoffer aus dem Schuletat und nicht aus dem Kulturetat zu bestreiten und damit lediglich eine Umschichtung vorzunehmen.

Anschaffung von iPads schwer nachvollziehbar

Warum unbedingt Ipads von Apple angeschafft werden müssten, wo doch Android-fähige Tablets viel verbreiteter sein, vermochte Joachim Scholvin (CDU) nicht nachzuvollziehen. Er schlug vor, zunächst ein abgestimmtes Medienkonzept für alle Verdener Schulen vorzulegen. „Bauchschmerzen“ wegen der Haushaltslage hatte Scholvins Parteifreund Jürgen Moje.

Das führte den Ausschussvorsitzenden Werner Meincke (Grüne) zu einem Kompromissvorschlag. Ein Medienkoffer wäre zunächst ausreichend, so sein Änderungsantrag, der aber ebenso wie Weidemanns Vorschlag keine Mehrheit fand. Knut Heinisch (SPD) gab dann die Richtung vor: „nice to have, muss aber nicht sein.“ Als der Sozialdemokrat und als IT-Systemelektroniker beruflich tätige Umut Ünlü betonte, „Android bietet keine Medienkoffer an“ war es auch mit der ursprünglichen Vorlage vorbei: Es gab dafür keine Mehrheit.

koy

Rubriklistenbild: © dpa

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