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Nicht zuviel versprochen

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Der Auftritt des Stepptänzers Nikolai Kemeny bildete den krönenden Abschluss.
Der Auftritt des Stepptänzers Nikolai Kemeny bildete den krönenden Abschluss.

Verden – Als ein „besonderes“ Ereignis wurde das Highlight der Verdener Sommerkonzerte im Dom angekündigt. Das war nicht zu viel versprochen. Der Große Chor (Leitung Dr. Dietrich Steincke) und die Bigband des Domgymnasiums (Leitung Michael Spöring), der Domchor (Leitung Tillmann Benfer) und die Solisten schenkten den Konzertbesuchern im gut gefüllten Dom ein einzigartiges Musikerlebnis. Aufgeführt wurden Auszüge der „Petite Messe Solennelle“ von Gioachino Rossini, kombiniert mit Titeln von Charles Mingus. Den Abschluss bildete das erste „Sacred Concert“ von Duke Ellington aus dem Jahr 1965.

Den jazzigen Auftakt des Konzertes bildete „The Lord is listening to ya Hallelujah“, eine Komposition der US-amerikanischen Jazzmusikerin und Komponistin Carla Bley. Es folgte das Kyrie aus Rossinis „Petite Messe Solennelle“. Hier zeigte sich, dass der Große Chor des Domgymnasiums und der Domchor sich wunderbar ergänzen. Die jungen Soprane meisterten die hohen Töne mühelos, die älteren Stimmen aus dem Domchor sorgten für die Substanz. Der Übergang zu Mingus’ „Fables of Faubus“ gelang mit einem schönen Saxofon-Solo harmonisch und wirkte nicht konstruiert.

Mit seiner Musik ehrt Charles Mingus den Kollegen Duke Ellington und formuliert zugleich Statements und Fragen an ihn, da er sich bisher zu den Bürgerrechtsunruhen nicht geäußert und keine politische Stellung bezogen hat. „Fables of Faubus“ bezieht sich auf das Jahr 1957. Damals hatten in Little Rock im US-Bundesstaat Arkansas neun schwarze Jugendliche von ihrem Recht Gebrauch gemacht und die Zulassung zu einer bis dahin „weißen“ Schule beantragt. Der Antrag wurde abgelehnt und führte zu Protesten. Daraufhin setzte der Gouverneur des Staates, Orval Faubus, die Nationalgarde gegen die schwarzen Jugendlichen ein. „Oh Lord don’t let ‘em shoot us“, sang der Chor ausdrucksstark und zeigte eindrucksvoll, dass er auch dieses Genre beherrscht. Beim anschließenden Kyrie mit dem jubelnden „Gloria“ aus der „Petite Messe Solennelle“ zeigte der Chor dann wieder seine klassische Seite.

Jazzsängerin Romy Camerun hatte ihren Part beim „Sacred Concert“. Fotos: Haubrock-Kriedel
Jazzsängerin Romy Camerun hatte ihren Part beim „Sacred Concert“. Fotos: Haubrock-Kriedel

Instrumental ging es mit Mingus’ „Better git in your Soul“ weiter, und dann wurde sein „Open Letter to Duke“ von einem hervorragenden Saxofon-Solo von Merten Wrigge eingeleitet. Der erste Teil des Konzertes endete klassisch mit Auszügen aus Rossinis „Petite Messe Solennelle. Den Lobgesang auf Gott „Laudamus te“ brachten die Solisten Victoris Stürmer (Sopran), Christiane Artisi (Alt), Enrico Busia (Tenor) und Phillip Langshaw (Bass) zum Strahlen.

Der zweite Teil des Abends gehörte Duke Ellington mit seinem ersten „Concert of Sacred Music“. Es ist Ellingtons Antwort an seinen Kollegen Mingus. Er benutzt die barocke Form der Suite, den dramaturgischen Zusammenhang einer Oper und die sinnstiftende Wirkung größerer geistlicher Werke und füllt sie mit der Sprache und dem musikalischen Stil des Gospel und des Jazz. Diese Verbindung gelang den drei Ensembles und den Solisten hervorragend.

„In the Beginning Good“ steigert sich vom langsamen Anfang zum furiosen Jazz mit großartigem Bigband Sound. Bei „Tell me it´s the Truth“, „Come Sunday 1“ und „The Lord’s Prayer“ hatte die brillante Jazzsängerin Romy Camerun ihren Auftritt. Sie machte die besondere Stimmung dieses geistlichen Konzertes für das Publikum greifbar. Nach dem instrumentalen „Come Sunday 2“ sang der Chor „Will you be there“. Das anschließende „Ain’t but the One“ mit einem Solo von Tenor Enrico Busia riss das Publikum mit. Bei „New world a-comming“ glänzte Rudolf Schmücker am Klavier. Den krönenden Abschluss bildete der hinreißende Auftritt des Stepptänzers Nikolai Kemeny zu „David danced before the Lord“.

Am Ende des Konzertes würdigte das Publikum die großartige und engagierte Leistung aller Beteiligten mit nicht enden wollendem Applaus. Weil es so schön war, gab es als Zugabe noch einmal „Ain’t but the One“.  ahk

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