Verdener Einzelhändler gehen sehr unterschiedlich mit neuer Verordnung um

Nicht jeder „click“ führt zum „meet“

Einzelhändlerin Christa Reuter
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Einzelhändlerin Christa Reuter: „Wir weisen darauf hin, wo die Kunden sich testen lassen können.“
In der Nordertor-Apotheke hat sich die Nachfrage nach den kostenlosen Covid-19-Schnelltests verdreifacht. Katja Precht und Finn Tümmers in der Aufnahme und Lisa Schröder im Testraum (v.r.) haben also viel zu tun.
Birgit Luttmann, Mitarbeiterin von Das Lille: „Wir brauchen weitere Testangebote in der Innenstadt.“

Verden – In der Nordertor-Apotheke hat sich eine Schlange gebildet. Einzelpersonen, aber auch Familien warten darauf, sich einem Corona-Schnelltest unterziehen zu können. Die einen, weil sie ins Ausland reisen wollen, die anderen, weil sie zum Friseur oder zum Einkaufen, zum „click & meet“ möchten. „Es ist schon Wahnsinn“, sagt Apothekerin Ines Mühlhäuser mit Blick auf den Andrang.

Seit der Einzelhandel im Landkreis Verden Kunden wieder einlassen darf, so sie denn zum Beispiel einen negativen Corona-Schnelltest vorlegen können (siehe Kasten), habe sich die Nachfrage bei ihr „mit Sicherheit verdreifacht“, schätzt Mühlhäuser. Kein Wunder, denn für den Abstrich braucht man bei ihr keinen Termin. Und kein Testzentrum liegt so nahe bei den Geschäften wie die Nordertor-Apotheke.

Birgit Luttmann von Das Lille und Hold-Filialleiterin Ulrike Stübbe wünschen sich daher weitere Testangebote in der Innenstadt. Sie sind froh, dass Kunden wieder Zutritt erhalten können. Bislang sei die Nachfrage aber noch verhalten.

„Alles, was machbar ist, wird positiv angenommen“, hat Birgit Luttmann zwar festgestellt. Auch Ulrike Stübbe und Christa Reuter, Inhaberin von Reuter Fashion & Shoes, berichten, wie die Kundschaft sich über die Wiedereröffnung gefreut habe. Gleichwohl nehmen die Einzelhändlerinnen eine große Unsicherheit bei den Bürgerinnen und Bürgern wahr. „Das Problem ist, dass die Kunden gar nicht mehr wissen, was gerade angesagt ist“, sagt „SchmuckZeit“-Inhaberin Janny Müller.

Die aktuell geltende Verordnung ist dabei recht eindeutig. Nur ihre Umsetzung nicht.

Katja Precht und Finn Tümmers nehmen in der Nordertor-Apotheke die Daten derjenigen auf, die einen der kostenlosen Bürgertests in Anspruch nehmen möchten.
Anschließend macht Lisa Schröder den Abstrich und bereitet den Test vor.

„Auf Veranlassung der Bundesregierung bleibt unser Geschäft geschlossen“, steht auf dem Schild des Schuhhauses Rose. Schreibwaren Philipp setzt weiterhin auf „click & collect“, also auf Vorbestellung und den Kauf an der Ladentür. Ernstings Family lässt zwar Kunden nach Terminabsprache und bei negativem Test hinein. Aber anprobieren kann man nicht. Dafür darf man sich 30 Minuten lang umschauen, bei Woolworth nur eine Viertelstunde lang. Und heißt es in der Verordnung, das Testergebnis dürfe nicht älter als 24 Stunden sein, so fordert Street Shoes per Aushang im Schaufenster einen tagesaktuellen Test.

Von der Luca-App bis zur Desinfektionseinheit

Darüber hinaus versuchen die Einzelhändler auch, jede(r) auf eigene Weise, die Krise zu meistern. Immer neue Hinweisschilder sind Standard. Den Kundenstrom zu begrenzen, ist Pflicht, ebenso die Aufnahme von Angaben zur Person. Bei Hold setzt man außerdem auf die Luca-App zur verschlüsselten Übermittlung der Daten via Handy. Sprays zur Handdesinfektion am Eingang stellen nahezu alle zur Verfügung. Janny Müller hat ihr Geschäft darüber hinaus mit einer sogenannten Desinfektonseinheit ausgestattet. Sie halte den Raum „zu 99,9 Prozent virenfrei“, betont die Schmuckhändlerin.

„Wir wollen ja alle, dass es wieder normal wird“, fasst Christa Reuter all diese Maßnahmen zusammen. Und das entspringt sicher nicht nur dem Wunsch, wieder Geschäfte machen zu können. Janny Müller registriert zudem eine gewisse Müdigkeit. „Je länger es dauert“, sagt sie, „desto mehr sinkt die Motivation der Leute, alles mitzutragen.“

Von Katrin Preuss

Das gilt aktuell

Das Terminshopping („click and meet“) ist bis zu einer Inzidenz im Kreisgebiet von 150 möglich. Allerdings müssen Kunden für den Zutritt ins Geschäft einen negativen Antigen-Schnelltest einer anerkannten Testeinrichtung vorlegen können, maximal 24 Stunden alt, oder vor Ort einen Selbsttest unter Aufsicht durchführen. Dem negativen Test gleichgestellt, sind Personen, die seit mindestens 15 Tagen über eine vollständige Corona-Schutzimpfung verfügen. Ausnahmen gelten für Geschäfte mit Lebensmitteln oder mit Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs. Quelle: Landkreis

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