Die ersten Jugendherbergen öffnen wieder / Verdener Haus muss noch warten

Nicht dabei

Leere Tische statt volles Haus. Leiter Jan Feldmann in einem der Speisesäle. Bis zum Jahresende sind alle Klassenfahrten abgesagt. Schulen machen 70 Prozent der Gäste in der Verdener Jugendherberge aus. Fotos: Preuß

Verden - Von Katrin Preuss. 15 der 27 Jugendherbergen im Nordwesten der Republik empfangen ab heute wieder Gäste, darunter die auf den Nordseeinseln Borkum, Juist und Wangerooge sowie das Resort in Neuharlingersiel. „Wir sind nicht dabei“, sagt Jan Feldmann, Leiter der Jugendherberge in Verden, und der Frust darüber ist ihm deutlich anzuhören.

Der 48-Jährige redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. „Wir haben noch nie so ein geiles Jahr gehabt, was die Vorbuchungen betrifft“, sagt er. Bereits im März waren bis zum Jahresende schon 25 000 Übernachtungen fix. „Wir hätten auch die 26 000 geschafft.“ Das wäre ein neuer Rekord gewesen für Feldmann. Und ein schönes Geschenk zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum, das er am 1. Mai feiern wollte.

70 Prozent der Gäste sind Schulklassen

Doch dann kam Corona und mit dem Virus der Shutdown. „Bis zum 15. März haben wir noch ganz normal die Gäste beherbergt“, sagt Feldmann. Die 140 Schüler aus Bremen, die am 16. März hätten anreisen wollen, waren dann die ersten, die stornierten. Inzwischen sind Klassenfahrten fast bis zum Jahresende abgesagt.

Wenigstens der angegliederte Kletterpark konnte vor knapp drei Wochen wieder öffnen. Seitdem wird er wieder stark frequentiert. Allerdings darf nur in den Parcours, wer sich vorab angemeldet und einen Termin erhalten hat.

„Realistisch betrachtet, wird es vier bis fünf Jahre dauern, bis wir uns von den Gästezahlen her erholt haben“, prognostiziert Feldmann für die Jugendherberge. Dabei sei der wirtschaftliche Schaden noch gar nicht berücksichtigt.

Seit dem 19. März hat die Jugendherberge am Saumurplatz ganz zu und die 15 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. „Wir hätten auch renovieren können“, berichtet der Einrichtungsleiter. Neue Zäune, Pflasterarbeiten, ein zusätzlicher Spielplatz, hier und da ein frischer Anstrich: In einer Jugendherberge gibt es immer etwas zu tun. Doch das kostet Geld, das im Moment nicht zur Verfügung steht. „Wir haben eine Budgetsperre, weil wir ja nicht wissen, wohin die Reise geht.“

Das muss er auch den Gruppenleitern sagen, die regelmäßig anfragen, wann sie denn wieder kommen dürfen. „Ich muss immer wieder auf die neue Erlasslage warten“, beschreibt Feldmann das Dilemma.

Das Haus mit den 140 Betten, verteilt auf Zwei-, Vier- und Sechs-Bett-Zimmer, wird vor allem von Schulklassen angefahren, die sowohl die Nähe zu Bremen als auch zu den Freizeitparks im benachbarten Heidekreis zu schätzen wissen. Sie machen laut Feldmann 70 Prozent der Gäste aus.

Reisen die Schüler freitags morgens ab, werden die Zimmer vorbereitet für die Gruppen, die die Herberge am Wochenende füllen: Sportvereine nutzen die nahegelegenen Fußballplätze, das Stadion oder das Verwell und halten in Verden ihre Trainingslager ab. Chöre treffen sich zum intensiven Proben. Konfirmanden wachsen bei Freizeiten zu Gemeinschaften zusammen.

Private Gruppen oder Familien machen den kleinsten Teil der Klientel aus. Sie sind aber die einzigen, die die Jugendherbergen derzeit aufnehmen dürfen. Erlaubt sind Gäste aus zwei Haushalten, maximal zehn Personen, oder Einzelreisende. Dabei dürfen die Herbergen die Zimmer zu höchstens 60 Prozent belegen.

Als das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) nach zehnwöchiger Schließzeit grünes Licht für die Wiedereröffnung erhielt, war schnell klar: Aufgrund ihrer Zielgruppe lohnt sich das für Verden nicht. „Ich brauche mindestens 20 Gäste am Tag“, hat Jan Feldmann ausgerechnet. „Dann arbeite ich deckungsgleich.“

Er und sein Team hoffen nun darauf, dass der nächste Erlass Anfang Juni dem Verdener Haus die Öffnung ab dem 11. Juni ermöglicht. Anfragen gibt es, Plätze wären aufgrund der Absagen auch da. Zur Vorbereitung werden die Mitarbeiter jetzt gerade in Sachen Hygienemaßnahmen geschult. Ein entsprechendes Konzept inklusive Regelungen zum Einhalten des Mindestabstandes steht bereits.

Und noch eins wünscht sich Jan Feldmann: „Ich hoffe, dass wir demnächst mal unter einen vernünftigen Rettungsschirm fallen. Wir bekommen zurzeit nur das Kurzarbeitergeld.“

Ins selbe Horn stößt Thorsten Richter, Geschäftsführer des Landesverbandes Unterweser-Ems im DJH. „Während in vielen Bundesländern Unterstützungen bereits zugesagt oder schon eingegangen sind, warten wir seit Mitte März auf eine konkrete Reaktion aus Hannover“, wird er in einer Pressemitteilung der Jugendherbergen im Nordwesten zitiert. Denn trotz der Wiedereröffnung einiger Häuser heute bleibe die Lage für die Jugendherbergen bedrohlich. Der Verband rechne bis ins kommende Jahr hinein mit hohen Einnahmeverlusten. Richter: „Sollte es nach den Sommerferien weitere Verbote von Klassenfahrten seitens der Kultusministerien geben, stehen wir vor einem großen Problem.“

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