Nicht alle Ausbildungsstellen sind im Landkreis besetzt / Flüchtlinge als Chance

Gute Zeiten für Lehrlinge

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Eginhard Engelke (Kreishandwerkerschaft), Joachim Duensing (Arbeitsagentur) und IHK-Vizepräsident Berndt Chylla (v.l.) stellten die Ausbildungszahlen vor.

Landkreis - Erstmals gab es mehr Ausbildungsplätze als Bewerber im Landkreis Verden. „Sowas hatten wir noch nie“, sagte Joachim Duensing, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nienburg-Verden. Seit diesem Ausbildungsjahr bietet sie eine Assistierte Ausbildung (AsA) an. Dazu gehört zum Beispiel Nachhilfeunterricht.

„Wir haben den Anspruch, jedem Jugendlichen ein Jobangebot zu unterbreiten“, so Duensing. Vom 1. Oktober 2014 bis zum 30. September 2015 wurden der Agentur für Arbeit 1030 Ausbildungsplätze gemeldet. Das waren 126 Stellen oder 13,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Stichtag 30. September waren von den 1030 Ausbildungsplätzen 78 unbesetzt. Aktuell sind 63 Bewerber noch ohne Lehrstelle.

Die Gründe, warum diese Teenager keine Lehrstelle finden, sind vielfältig. Bei einigen Bewerbern sind die Betriebe der Meinung, dass sie noch nicht „reif“ sind. Hier kann das Arbeitsamt mit der Assistierten Ausbildung (AsA) unterstützen. Zu den Maßnahmen können Nachhilfe-, Deutschunterricht oder Sozialtraining gehören. „Einer jungen Mutter haben wir beim Organisieren des Alltags geholfen“, nannte Imke Thielker eine Möglichkeit. Sie ist Teamleiterin bei der Arbeitsagentur Nienburg-Verden. Als weitere Maßnahme für arbeitssuchende Jugendliche nannte sie Jahrespraktika.

Die AsA wird von Bildungsträgern übernommen. Mit acht bis zwölf Wochenstunden unterstützt Fachpersonal die Jungen und Mädchen außerhalb der Arbeitszeit. Die Kosten werden vom Arbeitsamt getragen.

Generell haben Schulabsolventen die Möglichkeit, zwischen den Angeboten zu wählen. Auch sind sie viel besser vernetzt. „Der Ruf der Ausbildungsbetriebe verbreitet sich schnell“, sagte Berndt Chylla, Vizepräsident der IHK Stade. Er ist sich sicher, dass der Trend zu noch mehr freien Ausbildungsplätzen weiter steigen wird. Hier gilt es Strategien zu entwickeln, um dem entgegenzuwirken.

Das duale Studium ist ein Angebot. Es ist die Verbindung von Lehre und Studium. Ein weiterer Baustein liegt in der Schule. Die IHK-Vertreter forderten, dass an Gymnasien auch auf attraktive Lehrberufe hingewiesen wird. Laut Chyllas Aussage werde nur rund jeder zweite Abiturient sein Studium beenden und in diesem Berufsfeld tätig sein.

Bei den Studienabbrechern sieht das Handwerk eine Chance. Es will offensiv auf diese Personen zugehen und sie vom Handwerk überzeugen.

40 Prozent der neuen Ausbildungsverträge entfallen auf die fünf beliebtesten Berufe im Handwerk. Oben auf der Liste steht Kfz-Mechatroniker, gefolgt von Elektroniker und Anlagenmechaniker. Eginhard Engelke von der Kreishandwerkerschaft mahnte, dass die Vielfalt im Handwerk nicht verloren gehen darf.

Alle drei Organisationen sehen die Flüchtlinge als Chance, allerdings eher mittel-, statt kurzfristig. „Da brauchen wir einen langen Atem“, so der Tenor.

awt

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