Rainer Rudloff liest, agiert und fesselt mit zwei Romanen

Neues Verhältnis zur Natur

Wenn Rainer Rudloff liest, ist das immer mehr als die gepflegte Wiedergabe seiner Texte. - Foto: Niemann

Verden - „Unfassbar“ – unter diesem Motto stand die gut besuchte Lesung mit Rainer Rudloff in der Verdener Stadtbibliothek, der dort ein ebenso gern gesehener wie häufig gehörter Gast ist. Im Gepäck hatte er zwei Bestsellerromane: „Die Wand“ von Marlen Haushofer aus dem Jahr 1963 und „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde, der 2015 zunächst in Norwegen erschienen ist.

Sein Publikum hatte er mit den Worten eingestimmt: „Ich hoffe, Sie wissen, dass Sie heute keine leichte Kost erwartet“. Und dann startete er in seine Lesung. Und wie bei ihm immer zu erwarten, war die viel mehr als „nur“ eine Lesung.

Lebhaft und mit wechselndem Mienenspiel begann Rudloff mit „Die Wand“, einem Roman, der mit Martina Gedeck in der Hauptrolle verfilmt wurde. Rudloff las, Rudloff agierte und fesselte mit der fiktiven Geschichte von einer Frau, die eigentlich nur ein paar unbeschwerte Tage mit ihrer Kusine und deren Mann in einem Jagdhaus verbringen möchte.

Eines Abends unternehmen die Verwandten noch einen Ausflug ins Dorf, von dem sie nicht zurückkehren. Lediglich ihr Hund, Luchs, findet den Heimweg. Zusammen mit ihm macht sich die namenlose Frau auf die Suche nach dem Paar. Als der Hund mit blutender Schnauze auf sie zuläuft, stößt sie auf eine unsichtbare Wand, die sie von der übrigen Umgebung abschirmt und gefangen hält.

Fortan muss sie ihr Leben neu ordnen. Hund, Katze, Katzenjunges sowie eine Kuh werden zu ihrer Familie und sie muss lernen, die Tiere zu versorgen, Kartoffeln anzupflanzen oder auf die Jagd zu gehen. Es geht ums nackte Überleben, aber sie lernt auch bislang ungeahnte Fähigkeiten an sich kennen.

Sie überlebt, um den Tieren, also ihrer Familie, das Überleben hinter dem gläsernen Vorhang zu sichern.

Nach kurzer Pause griff Rudloff erneut zum Buch. Die Geschichte erzählt Maja Lunde in drei Erzählsträngen. Es geht um Menschen, Bienen und den Beginn der systematischen Imkerei im 19. Jahrhundert, aber auch um den Niedergang durch das Bienensterben heute und die Zukunft ohne Bienen und daher fast ohne Menschen im Jahr 2098. Lunde erschafft dafür drei Ich-Erzähler, deren Familien mit dem Schicksal der Bienen eng verbunden sind: William, der 1852 in England die Idee für einen völlig neuen Bienenstock entwickelt, um Bienen besser erforschen zu können und ihren Honig ohne Beeinträchtigung für die Tiere ernten zu können. George, der 2007 in den USA um das Überleben seiner Honigfarm kämpft und vom sogenannten CCD – Colony Collapse Disorder überrascht wird. Einem Phänomen, das 2006 in den USA tatsächlich auftrat und bis heute nicht endgültig erforscht ist. Und schließlich erzählt sie von Tao, einer jungen Chinesin, die im Jahre 2098 als menschliche Bestäuberin in Sichuan arbeitet, einer Region, in der Bienen schon lange ausgestorben sind, weit vor dem weltweiten Kollaps, der im Buch immer wieder erwähnt wird.

Wie ordnet man beide Romane und das an diesem Abend Gehörte nun ein, das, mag es auch noch so fiktiv erscheinen, durchaus auch Angst bereitet. Aber können nicht Ängste auch Anlass für ein Umdenken sein und ein nützlicher Anreiz, selbst Maßnahmen zu ergreifen, um möglicherweise drohende Szenarien zu verhindern? So ist offenbar die Absicht der Autoren und die von Rainer Rudloff. - nie

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fossilien-Grube Messel 25 Jahre Welterbe

Fossilien-Grube Messel 25 Jahre Welterbe

Von Black Power bis George Floyd: Sport als politische Bühne

Von Black Power bis George Floyd: Sport als politische Bühne

Unterwegs mit einem abgespeckten Slim-Bike

Unterwegs mit einem abgespeckten Slim-Bike

Wolle, Wärme und Wandern im Sarntal

Wolle, Wärme und Wandern im Sarntal

Meistgelesene Artikel

Im Bewusstsein: Hochwassergefahr

Im Bewusstsein: Hochwassergefahr

Auf der Jagd nach dem „Koro-Narr“

Auf der Jagd nach dem „Koro-Narr“

Pflanzenschutzmittel laufen auf Acker aus

Pflanzenschutzmittel laufen auf Acker aus

Unter Buchen mit Blick auf die Aller

Unter Buchen mit Blick auf die Aller

Kommentare