Vier Teilnehmer am Projekt „Probierstadt Verden“ werden sesshaft

Neues belebt die City

Eine Frau sitzt an einem Tisch und zeichnet.
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Fährt jetzt zur Arbeit: Künstlerin Katja Priebe in ihrem Atelier und Ausstellungsraum am Sandberg.

Vier Teilnehmer am Projekt „Probierstadt Verden“ haben sich nach einem Testlauf in einem Pop-up-Store dazu entschlossen, langfristig ein Geschäft in der Innenstadt zu eröffnen. Unterstützt werden sie dabei mit Fördermitteln aus dem Rathaus.

Verden – Eigentlich war es die Pandemie, die Künstlerin Katja Priebe dazu bewogen hat, neue Wege zu gehen. Nachdem sie sich im Jahr 2017 selbstständig gemacht hat, arbeitete sie zu Hause an ihren Zeichnungen. Und wenn sie nicht dort anzutreffen war, dann auf einem der vielen Kunsthandwerkermärkte im norddeutschen Raum. Als die im vergangenen Jahr allesamt abgesagt werden mussten, fehlte der Kontakt zur Kundschaft und kam das Projekt „Probierstadt Verden“ gerade recht.

Priebe bewarb sich für einen Pop-up-Store, bekam den Zuschlag für die Zeit Oktober bis Anfang Januar und musste bereits Mitte Dezember wegen des Lockdowns wieder schließen. Dennoch sei diese Entscheidung richtig gewesen, sagt die Künstlerin heute, denn inzwischen ist sie mit einem kleinen Atelier am Sandberg zur festen Anlaufstelle für ihre Kunden geworden.

Pop-up-Store war das Sprungbrett

In ihrem Atelier kann sie sich nun voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren. Es sei denn, es kommt jemand vorbei, möchte sich die Bilder anschauen oder auch etwas kaufen. Zwei Räume nutzt sie für die Arbeit an ihren Zeichenstischen, an den Wänden hängen ihre Arbeiten, Originale oder Drucke.

Priebe erinnert sich gerne an die Zeit im Pop-up-Store, vor allem an die Vorbereitungsarbeiten. „Es war schon etwas muffig nach dem langen Leerstand im ehemaligen Fischgeschäft, aber mit viel frischer Farbe war das schnell behoben.“ Die Gespräche mit Kunden, seien ihr in guter Erinnerung geblieben und hätten sie darin bestärkt, sich ein eigenes Atelier einzurichten. „Der Pop-up-Store war sozusagen das Sprungbrett.“ Aber noch eine Veränderung in diesem Zusammenhang hat ihr sehr gut gefallen: „Ich habe gemerkt, wie toll es ist, zur Arbeit zu fahren.“

Das Projekt ist für Priebe im positiven Sinne ausgelaufen, andere probieren sich noch aus und gehen dabei kein Risiko ein. Die Investitionen für die zeitlich begrenzte Anmietung eines Ladengeschäftes sind gering, denn neben der Miete übernimmt die Stadt auch die Strom- und Heizkosten. Das Projekt wird durch das Programm „Zukunftsräume Niedersachsen“ des Landes Niedersachsen gefördert. Es soll die Attraktivität der Innenstädte verbessern und gibt Interessenten die Möglichkeit, ihre Geschäftsidee zu testen.

Interessenten gibt es nach Auskunft von Wirtschaftsförderer Fabian Fortmann genügend. Weil es aber an leer stehenden Geschäften mangele, die für dieses Projekt zur Verfügung gestellt werden oder sich dafür eignen, habe es zwischenzeitlich eine Warteliste gegeben.

Ziel ist, die Innenstadt zu beleben

Sechs Pop-up-Stores sind seit Beginn des Projektes eröffnet worden, einige sollen noch dazukommen mit dem Ziel, die Innenstadt zu beleben und mehr Besucher in die Stadt zu locken. Gleichzeitig werden durch die Nutzung unschöne Einblicke durch große Schaufensterscheiben in verlassene Verkaufsräume vermieden.

Erste Objekte im Schaufenster weisen auf die Zukunft hin: Sylvia Verema eröffnet ein Bekleidungsgeschäft.

Ein Beispiel dafür ist der jahrelange Leerstand des früheren Optikergeschäftes Freese mitten in der Fußgängerzone. Freese war ein paar Häuser weiter gezogen an die Ecke Herrlichkeit. Im ehemaligen Optikgeschäft, Große Straße 81, wird gerade renoviert. Sylvia Venema will dort im November ein Modegeschäft für Damen eröffnen, das neben Neuware auch Second Hand anbietet. Sich irgendwann selbstständig zu machen, stand für sie schon länger fest. Doch die Teilnahme am Projekt „Probierstadt Verden“ hat die Pläne konkret werden lassen. Venema: „Meine Geschäftsidee ist sehr gut angenommen worden.“ Auch der plötzliche Lockdown mitten im Weihnachtsgeschäft habe daran nichts geändert. Immerhin durfte sie verlängern und das Ladengeschäft, insgesamt neun Monate nutzen. Was sie aber kritisiert, ist die fehlende Experimentierfreudigkeit. „Im Rathaus sollte man ein bisschen offener werden für Neues.“ Der Innenstadt fehle Pep, spontane Aktionen müssten leichter möglich sein.

Für mapdid ist es nicht so gut gelaufen

Nicht so gut gelaufen ist es für Nico Holtkamp, der sich mit seiner Firma mapdid in der Großen Straße in Verden einem größeren Publikum vorstellen wollte. Seine Idee: Auf einer Landkarte können Kunden Erinnerungen an eine besondere Reise verewigen. Die personalisierte Landkarte erinnere – an die Wand gehängt – an besondere Stationen und Ereignisse der Reise. Es sei eine Alternative zum Fotoalbum. Den Pop-up-Store hat er als „super Gelegenheit gesehen, Produkte zu erstellen“. Doch kaum, dass er geöffnet hatte, musste er schon wieder schließen. „Das Weihnachtsgeschäft ist mir dadurch flöten gegangen.“ Für ihn habe es sich nicht gelohnt, noch einmal zu eröffnen. Außerdem sei das Ladengeschäft neu vermietet worden. Nico Holtkamp setzt auf das digitale Geschäft.

Die Erfahrung im Rahmen der „Probierstadt Verden“ war für Beate Hillwig dagegen derart positiv, dass sie noch in diesem Monat ihr Geschäft Große Straße 37 eröffnen wird. Das Interesse an ihrer Kleidung aus Alpaca-Fasern sei enorm gewesen und habe sie darin bestärkt, sesshaft zu werden. Bei ihr kann man sich von der Socke bis zum Mantel komplett einkleiden lassen. Hillwig appelliert an die Kunden, die Innenstadt ihrerseits zu beleben und das Angebot nicht nur anzunehmen, sondern auch zu schätzen.

Ölbilder von Ingrid Prill werden schon bald dieses Schaufenster zum Anziehungspunkt machen.

Künstlerin Ingrid Prill wird ebenfalls ein Geschäft in der Innenstadt eröffnen. Auch ihre Erfahrungen mit einem Pop-up-Store waren so gut, dass dieser Schritt zur logischen Konsequenz wurde. In der Großen Straße 96 hatte lange Zeit ein Fachgeschäft für Käse sein Domizil, zuletzt war dort das Team von Inez Friseure untergebracht. „Es ist ein schönes Geschäft“, findet Prill. Ihr gefällt vor allem die große Schaufensterscheibe. Hier kann die freischaffende Künstlerin ihre Bilder wunderbar präsentieren. Das Projekt Probierstadt Verden habe ihr gezeigt, dass die Leute nicht nur gucken, sondern gerne auch hereinkommen und ihre Wertschätzung ausdrücken möchten, sagt sie. Einige von ihnen hätten auch etwas gekauft. Prill will anderen Mut machen, mit ihren kreativen Ideen die Innenstadt zu bereichern. „Ich war sehr überrascht davon, was bei den Kunden in Verden ankommt.“ Eröffnung ist für den 1. Dezember geplant. Auch über die Öffnungszeiten hat sie sich schon Gedanken gemacht. Außer Montags soll die Tür durchgehen von 10 bis 18 Uhr offen sein, sonnabends von 10 bis 13 Uhr. Ab Januar werde sie aber reduzieren müssen, um künstlerisch zu arbeiten.

Fördermittel sollen die Entscheidung erleichtern

Die Entscheidung, in ein Geschäft zu investieren, ist ihr und den anderen nicht nur wegen des großen Zuspruchs leichter gefallen, sondern auch, weil die Stadt die Neuen finanziell unterstützt. In der Richtlinie zur Förderung der Verdener Innenstadt ist festgehalten, wer Zuschüsse bekommen kann und welches Ziel dabei verfolgt wird. Um den Leerständen entgegenzuwirken, wird den Antragstellern im Rahmen einer einmaligen Anteilsfinanzierung 50 Prozent der nachgewiesenen förderfähigen Aufwendungen, (höchstens 15 000 Euro) gewährt. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich auf der Homepage der Stadt informieren.

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