Start am 9. August

Verdener Oberschule setzt auf eigenverantwortliches Lernen

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Aus zwei mach eins: Bildungskoordinatorin Dr. Christiane Morré, Lehrerin Ronja Bielefeld, Schulleiter Christian Piechot und Konrektorin Christiane Grube auf dem Schulhof der Realschule, aus der gemeinsam mit der Klaus-Störtebeker-Schule (im Hintergrund) Schritt für Schritt die Oberschule erwachsen wird.

Verden - Am 24. Mai können die Verdener Eltern ihre Viertklässler an den weiterführenden Schulen und damit erstmals für die Oberschule anmelden, die nach den Sommerferien mit dem Jahrgang 5 startet. Für die Lehrkräfte und Leitungen der Klaus-Störtebeker- und der Realschule, aus denen die Oberschule hervorgehen wird, heißt es also jetzt: Der Countdown läuft.

„Ich glaube mittlerweile, dass es richtig, richtig gut werden wird“, sagt Christian Piechot, Leiter der Realschule und der Planungsgruppe. Das Gremium mit Lehrkräften und Elternvertretern beider Schulen setzte sich in den vergangenen Monaten intensiv mit den Fragen der Realisierung auseinander.

Gesetzliche Vorgaben waren dabei ebenso zu beachten wie die Losungen, die sich die Schule und ihr Träger auf die Fahnen geschrieben haben. Gleichzeitig musste einer veränderten, heterogeneren Schülerschaft Rechnung getragen werden.

Für alle Kinder offen soll sie sein, ihnen ein langes, gemeinsames und individuelles Lernen ermöglichen und dabei die Eigenverantwortung stärken. So ist es in den Leitsätzen der neuen Schule nachzulesen.

Vorbereitung auf weiteren Bildungsweg

Eine Oberschule umfasst in Niedersachsen den Sekundarbereich I mit den Jahrgängen 5 bis 10. Sie soll die Kinder und Jugendlichen mit Qualifikationen ausstatten, mit denen sie ihren Bildungsweg berufs-, aber auch studienbezogen fortsetzen können. Das gibt das Kultusministerium vor. Es räumt den Schulen aber gleichzeitig ein, über die Form des Unterrichtes selber zu entscheiden.

Innerhalb dieses recht weit gefassten Rahmens bewegte sich die Planungsgruppe und vollzog dabei auch einen Perspektivwechsel. Statt wie bisher die Schule mit ihrer Art zu lehren ins Zentrum zu stellen, rückten nun die Schüler mit ihren Stärken und Schwächen in den Fokus. Es gehe nicht darum, ob das Kind zu der Schule passe, sondern ob die Schule die richtige für das Kind sei, beschreibt Piechot diesen Paradigmenwechsel, der ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit sei.

Und so kam die Planungsgruppe nach etlichen Hospitationen und Gesprächen mit Experten zu dem Entschluss, beginnend mit dem kommenden fünften Jahrgang und zunächst nur in den Hauptfächern, das personalisierte Lernen einzuführen. Um Pythagoras und Vokabeln kommen die Schüler auch in Zukunft nicht herum. 

Rücksicht auf das Tempo des Einzelnen

Allerdings nimmt diese Form des Unterrichtes Rücksicht auf das Tempo des Einzelnen. Stärkere Schüler können jederzeit weiteren Input fordern und bei der Bearbeitung der Aufgaben weiter in die Tiefe gehen. Wer mehr Zeit benötigt, bekommt auch die. Das geht bis zum individuellen Termin für die Klassenarbeit, die künftig Lernnachweis heißt.

Auf die Kinder komme eine große Verantwortung zu, zerstreut Piechot Bedenken, dass damit der Schlendrian und ein sinkendes Niveau Einzug hielten. „Die „fachliche Fitness ist elementar wichtig“, sagt er. Der Weg dorthin wird aber ein anderer sein.

Wo stehe ich? Was sind meine Ziele? Welches sind die nächsten Schritte, um sie zu erreichen? Diese Fragen müssten die Schüler immer im Blick haben, um eigenständig zu lernen. „Es ist schwierig zu prognostizieren, welche Kompetenzen ein Kind in 20 Jahren braucht. Was sie auf jeden Fall können müssen, ist lernen“, betont Piechot.

Bei anderen Schulen gelernt

Dass das Prinzip der Eingenverantwortung funktioniert und Schulabschlüsse oftmals sogar besser ausfallen, davon überzeugten sich die Lehrkräfte bei Besuchen anderer Oberschulen wie der in Bersenbrück. Christiane Grube, Konrektorin der Klaus-Störtebeker-Schule, ist sich sicher, dass die neue Lernform die Atmosphäre innerhalb der Klassen verbessere. Denn sie senke Langeweile, Über- und Unterforderung, die ja die Hauptstörfaktoren seien.

Mit etwa 150 Fünftklässlern, verteilt auf sechs Klassen, rechnet Piechot für den ersten Schultag, den 9. August. Ihnen wünsche er, dass sie von Anfang an das Gefühl haben, an der richtigen Schule angekommen zu sein. Und für später, „dass sie dann einige Dinge richtig gut können statt zu viele Dinge nur ein bisschen“.

kp

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