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Neue Verdener Notaufnahme startet Montag

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Von: Heinrich Kracke

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Pflasterarbeiten vor Neubau.
Der Verdener Klinik-Neubau gewinnt Konturen. Der neue Eingang wird bereits gepflastert . © Kracke

Der Klinik-Neubau gewinnt Konturen, aber die Fertigstellung lässt auf sich warten. Und die Kosten steigen.

Verden – Wer ein bisschen Fantasie mitbringt, erkennt sie schon, die neue Empfangsstation für Patienten gleich unten im Foyer der neuen Klinik. „Wir hatten die bessere Vernetzung von Krankenhaus und niedergelassenen Ärzten schon in unsere Pläne einbezogen“, sagt Geschäftsführerin Marianne Baehr. „Wir haben die Räumlichkeiten bereits geschaffen, die Gesundheitsminister Lauterbach jetzt in seinem neuen Krankenhausprogramm auf den Weg bringen will.“ Ausreichend Platz sei vorhanden, um Patienten mit akuten Beschwerden oder Verletzungen in Augenschein zu nehmen, vom Notdienst-Mediziner in Augenschein zu nehmen. „Er kann dann entscheiden, ob eine Kurzzeit-Behandlung erfolgt, oder der Fall ans Krankenhaus weitergegeben wird.“

Erste Eindrücke gewinnen Patienten schon ab dem kommenden Montag von der neuen Notaufnahme-Herrlichkeit. Neue Liegen stehen bereit, die Kontroll-Monitore sind geschaltet. „Es kann losgehen“, sagt Baehr. Muss es auch. Die alte Anlaufstation liegt im Übergangsbereich beider Häuser, sie soll der kommenden großen Station angegliedert und muss dafür umgebaut werden.

Das Problem allerdings: Bis die Menschen aus der Region in den Genuss des kompletten Services gelangen, wird es länger dauern, als zuletzt angenommen. War im vergangenen Oktober noch wie berichtet von einer Übergabe der neuen Klinik im ersten Quartal die Rede, so steht jetzt fest, vor dem Spätsommer wird das nichts. „Wir gehen aktuell von August aus“, sagt Baehr. Ursprünglich war von Dezember 2021 die Rede.

Zudem wurde der Finanzplan ein zweites Mal über den Haufen geworfen. Gestartet sind die Bauarbeiter vor drei Jahren mit einem Etat von 38 Millionen Euro, nach anderthalb Jahren wurde die Summe auf 44 Millionen eingeschätzt, aber auch das ist Schnee von gestern. „Seit 2017 ist der bundesdeutsche Baupreisindex auf 150 Prozent gestiegen“, sagt Architekt Christian Merhof. Jetzt werde der Verdener Neubau nicht bis auf 55 Millionen emporschießen, „aber nach aktueller Schätzung dürften wir bei 47 Millionen landen“.

Dafür kommen künftige Patienten in den Genuss einer Vielzahl Erleichterungen. Eines der 75 Zwei-Bett-Zimmer in der dritten Etage. Der Technische Leiter Oliver Lauch öffnet einen der Patientenschränke, er gibt den Blick frei auf einen zweiten Schrank, einen auf Rollen. „Damit sind künftig Verlegungen ohne großen Aufwand möglich. Die persönlichen Dinge können dem Krankenbett einfach hinterhergeschoben werden.“ Allerblick heißt diese oberste Etage, ein wenig in Anlehnung an die uralte Bezeichnung für die damalige Privatstation. Die Farbe Blau herrscht hier vor und gibt Orientierung. Je näher Besucher etwa dem Pflegedienst-Zentrum kommen, desto kräftiger die Farbe. „Die Schwesternstationen selbst sind in Gelb gehalten“, erläutert Baehr weiter. Ähnliches gilt auch für die erste Etage, ebenfalls eine Bettenstation. „Sie heißt Burgberg, hier herrschen Grün-Töne vor.“ Auch ein sogenanntes Schwerlastzimmer gewinnt bereits Konturen. Ausgelegt ist es für Menschen mit bis zu 400 Kilogramm Gewicht. Ein Lift reicht bis in den Nassraum, bis zur Dusche.

Smarten Abläufen angepasst ferner die OP-Etage mit insgesamt vier Sälen, einem mehr als im bisherigen Haus. Der Patient wird in einem ersten Raum von seinem Bett auf sozusagen den OP-Tisch verlegt, kommt dann in die Patientenschleuse, in der die Narkose eingeleitet wird, und erreicht erst dann den eigentlichen Operationsraum, den tageslichtdurchfluteten Arbeitsbereich der Chirurgen, Kardiologen und weiteren Spezialisten. Lediglich ein einziger OP-Saal bildet eine Ausnahme. Patienten können hier ohne langes Prozedere passieren. „Gedacht ist es beispielsweise im Zuge der Geburtshilfe bei Kaiserschnitt“, sagt Baehr. „Da zählt jede Minute.“

Noch allerdings fehlen sämtliche technischen Einrichtungsgegenstände. Als eine der Ursachen führt die Geschäftsführerin erste Baumängel an. „Aktuell bereitet vor allem der Bodenbelag Kummer.“ Ungleiche Nähte, mangelhafte Ausführung, erheblicher Zeitverzug. „Es hat schon eine erste klare Ansage gegeben“, so Baehr.

In der Simulation hat die Klinik indes bereits den Betrieb geplant. Geprobt wurden Arbeitsabläufe, geprobt wurde selbst der Umzug schon. „Die Patienten nehmen nur ihre Privatdinge mit und ziehen in fertig eingerichtete Räume. Die Belegung des neuen Hauses dürfte innerhalb einer Woche abgeschlossen sein.“ Auch personell habe man sich bereits auf den Bezug eingestellt. „Vor allem unsere Kardiologie soll wachsen. Erste personelle Verstärkungen sind eingeleitet.“ Dies auch vor dem Hintergrund der Kapazitätsausweitung um 20 auf künftig 150 Betten.

Die Baumaßnahmen am Burgberg enden freilich nicht mit dem Bezug. In einem nächsten Schritt soll der Altbau in Sachen Brandschutz auf den aktuellen Stand gebracht, in einem zweiten der historische Teil der Klinik zu Büroräumen mit kompletter EDV umgestaltet werden. „Ärzte sitzen aktuell in beengten Räumen, manche zu dritt in einem Zimmer. Da brauchen wir dringen Abhilfe.“

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