Hemmnisse beseitigen

Workshop für Aktive der Flüchtlingsarbeit im Landkreis Verden

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Am Anfang stand das Kennenlernen: Barbara Janocha (2.v.l.) mit den Teilnehmerinnen an dem Workshop.

Verden/Landkreis - Was sagt der Koran aus? Welche Bedeutung geben traditionell-konservative oder liberal-moderne Muslime den alten Texten heute und vor welchen Problemen stehen sie? Um diese und andere Fragen ging es an zwei Workshopnachmittagen in der Stadtbibliothek. Haupt- und Ehrenamtliche aus dem Landkreis, die mit geflüchteten Menschen arbeiten, machten sich mit Religionswissenschaftlerin und Sozialpsychologin Barbara Janocha ein Bild.

Der „Runde Tisch – Geflüchtete Frauen“ tagt regelmäßig. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Verden, Annika Meinecke, hat ihn gemeinsam mit der Koordinierungsstelle Inklusion, Integration und Prävention ins Leben gerufen. Aus dem Gremium heraus war die Idee zu dem Workshop entstanden. „Der Runde Tisch hat es sich zur Aufgabe gemacht, Leerstellen zu entdecken, die eine Integration von geflüchteten Frauen erschweren. Daraus ist das Angebot entstanden“, so Meinecke. Gefördert wird die Veranstaltung aus dem Programm „Gleichberechtigt leben“, des Niedersächsischen Ministeriums für Gesundheit, Soziales und Gleichstellung.

Gedanken voller Gegensätze

„Muslimische Frauen in Deutschland heute – Ein Balanceakt zwischen Religion, Kultur und moderner Gesellschaft?“, lautete die Frage, mit der sich die Teilnehmerinnen auseinandersetzen sollten. Zu Beginn forderte Barbara Janocha sie auf, zu sagen, was ihnen zu muslimischen Frauen einfällt. Die Antworten waren voller Gegensätze. Neben „unterdrückt“, „zurückhaltend“, „nur im Haus“, wurden aber auch die Eigenschaften „stolz“, „selbstbewusst“ und „stark“ genannt. „Es gibt hier eine große Bandbreite, Musliminnen können nicht in einen Topf geworfen werden“, machte Janocha deutlich.

In traditionellen muslimischen Gesellschaften haben Ehe und Familie einen hohen Stellenwert. Rechte und Pflichten von Männern und Frauen seien klar definiert. Neben der Religion sind aber auch die Kultur oder die Herkunft von Stadt oder Land von Bedeutung.

Die Religionswissenschaftlerin betrachtete mit den Teilnehmerinnen, was die Quellen des Islams, der Koran und die Hadithe, zu Ehe, Familie und Geschlechterrollen aussagen. Dabei ergaben sich einige neue Sichtweisen.

Lebenswelten hinterfragen

Im Koran stehe beispielsweise, dass die Frau die Hälfte dessen erbt, was einem Mann zustehen würde. Bedenkt man, dass Frauen zuvor überhaupt nicht erbberechtigt waren, sei das eine deutliche Verbesserung. Auch dafür, dass ein Mann mehrere Frauen heiraten darf, hatte Janocha eine praktische Erklärung. Hintergrund sei, dass es damals viele Witwen gab. Durch die Heirat waren sie versorgt.

Ebenso regte die Workshopleiterin an, andere befremdlich erscheinende Lebenswelten zu hinterfragen. Als Beispiel nannte sie Pünktlichkeit, die viele bei Geflohenen vermissen. Auch hier gab es eine verblüffende Erklärung. In der islamischen Kultur zähle eine Einladung nicht, wenn sie einmal ausgesprochen wird, sie müsse mehrfach wiederholt werden. Die Referentin zeigte aber auch, wie man Fremdes akzeptieren und dabei den eigenen Werten, Ansichten und Überzeugungen treu bleiben kann. 

ahk

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