Berliner Zukunftskommission als Erfolg: AbL und BUND berichten in Verden

Neue Situation für alle Landwirte

Ein Mann und eine Frau stehen vor einem Scheunentor an einem Rednerpult.
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Neue Möglichkeiten: Olaf Bandt und Elisabeth Fresen berichten von den Ergebnissen der Zukunftskommision.

Verden-Eitze – Die Skepsis verschwiegen Olaf Bandt und Elisabeth Fresen nicht, mit der sie in die Berliner Zukunftskommission eingetreten waren. Als der BUND-Vorsitzende und die AbL-Chefin jetzt auf ihrem Hof in Verden-Eitze vom Gelingen berichteten, sahen sie den Weg in eine umweltschonende Landwirtschaft geebnet, die auch die Menschen auf den Höfen ernähren kann. „Indem die Kommissionsmitglieder gemeinsame Interessen formuliert haben, ist eine neue poltisch-gesellschaftliche Situation entstanden“, gab Fresen ihre Einschätzung.

„Wir dürfen die Landwirtschaft nicht den Märkten überlassen.“ Das sei die Überzeugung gewesen, mit der er in die Kommission gegangen sei, berichtete der BUND--Bundesvorsitzende den etwa 50 Zuhörern auf Stoffers Hoff. Wie die Eitzerin als Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) war Bandt einer von 80 Vertretern aus 40 Verbänden, Initiativen und Organisationen der Agrarbranche, die zu dem Dialog im Kanzleramt eingeladen waren. Mit dem Naturschützer hatte Fresen bei den Verhandlungen in Berlin offenbar einige Schnittmengen entdeckt. Eine Folge davon war, dass die Eitzerin ihn für den Termin auf ihrem Hof gewinnen konnte.

Besitzer können die Höfe nicht halten

Ob man verhindern könnte, dass die völlig unterschiedlichen Interessengruppen in der Kommission schließlich zu deren Scheitern führen würden, habe er Zweifel gehabt. Immerhin seien auch Bauernverband und Landvolk dabei gewesen, für viele „die Feinde“. Aber nicht nur die Kritik von Umwelt- und Tierschützern an der heutigen konventionellen Landwirtschaft wachse. Auch die Besitzer stellten zunehmend fest, dass sie ihre Höfe nicht mehr halten können, trotz der enormen Zuwächse an Produktivität in den zurückliegenden Jahrzehnten. Die Politik habe die Schattenseiten, das Insektensterben und andere Folgen der intensiven Boden- und Grundwasser-Nutzung nicht stoppen können. Aber auch die Umweltverbände, so merkte Bandt selbstkritisch an, hätten mit ihrem Engagement oft die Polarisierung vorangetrieben. Auf den Höfen habe sich der Eindruck eingestellt, dass ihre Probleme das Ergebnis der Umweltauflagen sind. Ob zwischen diesen Polen ein konstruktives Ergebnis möglich sein könnte, habe er mit Skepsis gesehen, gab Bandt zu.

Zukunftsvisionen geschaffen

Es kam dann doch anders und die Kommission konnte der Kanzlerin am 6. Juli einen gemeinsamen Abschlussbericht übergeben. „Das wurde möglich, als wir angefangen haben, gemeinsame Interessen zu formulieren“, berichtete Elisabeth Fresen. So seien Konfrontationen abgebaut und Zukunftsvisionen geschaffen worden.

Der Begriff Gemeinwohl mausert sich in dem Zusammenhang zu einem Zauberwort. Da wo der Glaube schwindet, dass die Marktwirtschaft die Dinge zum Wohle von Mensch und Umwelt wendet, eröffnet die Orientierung am Gemeinwohl eine Alternative mit einem menschlicheren Wirtschaften. Für Elisabeth Fresen soll eine Landwirtschaft, die sich daran orientiert, nicht nur ihre Berufskollegen und -kolleginnen ernähren, sondern auch die Natur schützen. Am Beispiel der Art und Weise, wie die Bio-Bäuerin auf ihrem Hof wirtschaftet, zeigte sie, wie Landwirtschaft und Naturschutz miteinander einhergehen. Der Vorteil der gemeinsamen Ergebnisse in Berlin sei, dass man sich bei Forderungen darauf berufen kann.

Kompensationszahlungen für die Gemeinwohlorientierung

Nachhaltigeres Wirtschaften könnten die Höfe nicht auf eigene Kosten bewältigen. Wie beim Tierwohl müssten die Orientierung am Gemeinwohl finanziell unterstützt werden, forderte Bandt. Den Umbau könnten die konventionellen Betriebe unter dem herrschenden Kostendruck nicht leisten. „Da sind Kompensationszahlungen wie beim Kohleausstieg nötig“, nannte der BUND-Chef ein Beispiel. Ein anderes sei im Zusammenhang mit dem Klimaschutz, wenn Moore wieder vernässt werden. Der Verlust an landwirtschaftlicher Fläche müsste ausgeglichen werden.

Außenschutz für die EU

Die Botschaft, dass sich Landwirtschaft und Naturschutz die Hände reichen, kam im Publikum gut an. Die Zuhörer plädierten aber auch dafür, dass negative Einflüsse auf solche Entwicklungen durch internationalen Handel begrenzt werden. Durch Futtermittel-Importe etwa, aber auch bei der Energiegewinnung. Bandt unterstützte die Idee eines Außenschutzes. „Europa hat keine andere Chance, so etwas aufzubauen“, sagte er. Fachleute würden die Umsetzung für möglich halten.

Von Ronald Klee

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