Neue Informationstafel am Fachmarktzentrum / Mahnmal gegen das Vergessen

Mauerrest erzählt Geschichte

Vorstellung der neuen Info-Tafel am Synagogen-Mahnmal

Verden - Von Erika Wennhold. Ein Mauerrest bekommt Bedeutung. Gestern stellte Bürgermeister Lutz Brockmann zusammen mit dem Arbeitskreis „Ehemalige Synagoge Johanniswall“ der Öffentlichkeit eine Informationstafel vor, die an die Geschichte jüdischen Lebens vor dem Zweiten Weltkrieg erinnern soll. Die Stehle mit der Tafel ist an der Einfahrt zum Fachmarktzentrum zu finden.

Und das aus gutem Grund. Denn nur ein paar Meter weiter stand eine Synagoge, deren Grundmauern bei den Bauarbeiten zutage kamen. Damit hatten alle Beteiligten gerechnet. Doch, dass derart viele Fundstücke gesichert werden konnten, von teilweise verbrannten Papierfragmenten über Metallteile bis zu Textilfunden, war vor den Erdarbeiten nicht abzusehen.

Die Synagoge hatte hier am Johanniswall 80 Jahre lang gestanden. In dem Gebäude war auch eine Elementarschule, später Religionsschule, untergebracht. Vor allem aber war sie Mittelpunkt der Verdener jüdischen Gemeinde. Wie viele andere Synagogen wurde sie in der Reichspogromnacht angezündet und brannte vollständig aus. Als im Sommer 2011 die Überreste gefunden wurden, war klar, dass in irgendeiner Form an das Unrecht, dass hier geschehen war, erinnert werden muss.

Gefordert war die ausführende Verdener Baufirma Holzkamm, die ein umgestürztes Stück Mauerwerk barg und sicherte, während Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht die Funde sammelte und alles, was in der Erde verbleiben sollte, dokumentierte. Holzkamm-Geschäftsführer Claus Willenbrock war sofort bereit, Mitarbeiter mit der Aufarbeitung des Mauerrestes zu beauftragen und nahm die Anregungen seitens der Stadt gerne auf. Bürgermeister Lutz Brockmann: „Es sollte ja nichts Harmonisches entstehen, sondern ein Fundament-Rest auf etwas aufmerksam machen.“ Claus Willenbrock betrachtete die Aufgabe seinerzeit als Herausforderung, die jedoch gut gemeistert wurde.

Das sieht der Arbeitskreis „Ehemalige Synagoge Johanniswall“ genauso. Deren Mitglieder, Dr. Jutta Precht, FDP-Ratsherr Jürgen Weidemann, Claus Willenbrock, Holzkamm-Mitarbeiter Timo Kulpe, Bodo Gideon Riethmüller vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden, Fachbereichsleiterin Birgit Koröde, Sylvia Casaretto-Roscheck, SPD-Ratsfrau Anja Döhle und CDU-Ratsherr Dr. Hans-Jörg Volkmann begleiteten die Gestaltung der Informationstafel, die drei Jahre nach Eröffnung des Fachmarktzentrums neben dem Mauerrest aufgestellt wurde und die Geschichte der Verdener Synagoge erzählt. Jürgen Weidemann, der seit Jahren den Schicksalen jüdischer Familien aus Verden nachforscht, kann viel über die Familie Grünfeld erzählen, die in der Synagoge lebte, nach Polen deportiert wurde und dort verschollen blieb. Diese und andere Geschichten sollen einmal in einer Ausstellung nachzulesen sein, in deren Mittelpunkt die Verdener Synagoge stehen wird, dargestellt mit den Fundstücken, die bei den Erdarbeiten gefunden wurden. Federführend ist hier Bernd Neuhaus von der Städtebauförderung.

Bodo Gideon Riethmüller ist jetzt schon froh, „dass die Stadt Verden mit dieser Ausgestaltung die Geschichte der Juden neu bewertet und sie nicht in Vergessenheit gerät.“

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