Neue CD: Henning Pertiet an der Furtwängler & Hammer-Orgel des Doms

Herr am großen Spieltisch

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Henning Pertiet und die große Orgel des Verdener Doms.

Verden - Von Ronald Klee. Ein Organist ist Henning Pertiet nicht, will er auch nicht sein. Dennoch spielt der in Verden lebende Blues- und Boogie-Pianist auf seiner neuen CD die Orgel. Nicht irgendeine, sondern die Furtwängler & Hammer-Orgel im Verdener Dom. Nach vielen Experimenten, die Auseinandersetzung mit klassischer indischer Musik oder freien Jazz-Formen, setzte sich Pertiet von Mai bis Juli vergangenen Jahres an die romantische Orgel des Doms.

„Organ Mooves & Grooves“ heißt der Tonträger und kündigt im Untertitel ein dutzend Improvisationen an. Und genau das, was das Cover verkündet, liefert sein Inhalt: Zwölf Stücke, die das Instrument in einem ungewohnten Zusammenhang präsentieren. Am Sonntag, 18. Oktober, um 17 Uhr stellt Pertiet seine Musik und die neue CD im Dom vor.

Der Musiker hatte sicher nie ein Instrumentenporträt im Sinn gehabt. Ihm ging es wohl eher um ein weiteres Experiment: Das Abenteuer der Begegnung zwischen dem Instrument mit der Klangästhetik der Spätromantik und dem Musiker Henning Pertiet mit all seinen Erfahrungen und seiner ganz eigenen Künstler-Biographie.

Die CD ist allerdings weder eine Art Reisetagebuch ins Innere des großen Musikinstruments noch das Protokoll einer Annäherung. Dazu hat der 50 Jahre alte Musiker zu viel Musik gemacht und gehört. Er weiß, dass neben dem wie auch immer faszinierenden, schönen, anregenden oder was auch immer Klang des Instruments und des Raums, in dem es erklingt, ein Stück eine innere Struktur haben muss. Auch wenn sie Improvisationen sind und so wie Pertiet sie eingespielt hat, im Dom nie wieder, auch am Sonntag nicht nicht, erklingen werden, sind sie nicht beliebig. Ihnen liegen Ideen zu Grunde, oft nur kleine Skizzen, zunächst unscheinbar, wie im Jazz so oft.

Wie Pertiet sie auf dem Instrument weiter verarbeitet, ist das was die Aufnahme ausmacht. Paten wie Olivier Messiaen, Charles-Marie Widor und Philip Glass zu nennen, gehört zum guten Ton. Wer die Stücke hört wird sie wiedererkennen. Minimalistische Motive hier, spätromantische Linien da, die auch in der Kirche St-Sulpice de Paris erklungen sein könnten, und Harmonien, wie sie bei Messiaen in einem ganz anderen Bedeutungszusammenhang vorkommen.

So unterschiedlich wie die Anregungen sind auch die zwölf Stücke. Nur hier und da gibt Pertiet der Versuchung nach, sich zu sehr auf den Klang der Kirchenorgel und ihre tonalen Eigenheiten einzulassen. Die Gefahr hat er offenbar erkannt und ein Stück „Clustrophobia“ getauft.

Pertiet bewahrt sich die Gestaltungshoheit im Vis-á-vis mit dem gigantischen Instrument. Er entwickelt seine Skizzen, gestaltet Stücke daraus, wie es für ihn am Klavier lange geübte Praxis ist. Der Pianist schafft die Eroberung des enormen dreimanualigen Spieltisches und macht die Orgel zu seinem musikalischen Ausdrucksmittel. Zumindest ein Stück weit. Und als wollte Pertiet das in einem Statement deutlich machen, erklingt aus der unüberschaubaren Menge der Pfeifen und Register ein Blues: „March On!“.

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