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Neue Chancen für Kiebitz und Co im Kreis Verden

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Von: Heinrich Kracke

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Mann am Teich.
Die Nummer 56 unter den Feuchtbiotopen ist im Werden: Jürgen Luttmann an der nächsten Anlage, hier in Kirchlinteln, die auf das Konto des Hegefonds geht. © Raczkowski

Knapp 1,5 Millionen Euro sind in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten aus dem Hegefonds der Kreisjägerschaft im Landkreis Verden in den Arten- und Naturschutz geflossen. Am Ziel sei man aber längst noch nicht. 

Verden/Achim – Ein bisschen spannend ist es zum kleinen Jubiläum immer noch. 15 Jahre nach Start des Verdener Hegefonds sind zwar die Weichen für ein Fortbestehen des Blühstreifen-Projektes gestellt, es wurden die Entschädigungssätze wie berichtet deutlich nach oben korrigiert, aber ob es tatsächlich auf bis zu 50 Hektar kreisweit bunt blühen wird, ist noch offen. „Aktuell stehen die Anträge online zur Verfügung“, sagt Jägerschafts-Vorsitzender Jürgen Luttmann über diesen Teil des Natur- und Artenschutzprogrammes. Ob das Blühprogramm allerdings ein Interesse wie in früheren Jahren auslöst, werde sich erst in ein paar Wochen zeigen.

Anbieten werde man es auf jeden Fall weiter. Und auch die anderen Vorhaben, die in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten das Licht der Welt erblickten, sind längst noch nicht zum Abschluss gebracht. „Ziel bleibt es, die eingeleiteten Maßnahmen so großflächig auszuweiten, dass die Population bei gefährdeten Arten deutlich erkennbar zunimmt.“ Er denke, sagt Luttmann, beispielsweise an Kiebitze, an Rebhühner, an Schnepfen, an Bodenbrüter allgemein, deren Bestand spürbar rückläufig sei. Und Ziel bleibe es, die Artenvielfalt generell zu erhalten und sie auszuweiten. „Angesetzt haben wir beispielsweise bei den Beutegreifern, bei Fuchs, Dachs und Steinmarder, bei außerdem Waschbär und Marderhund, bei den Neozoen, die seit 20 Jahren sehr stark unsere Regionen entdeckt haben.“ Nachgewiesen sei, der Einfluss der Beutegreifer auf die Artenvielfalt falle deutlich größer aus als erwartet, deren negativer Einfluss auf die natürliche Vielfalt also, die Gefahr, dass andere Arten zurückgedrängt werden.“ Auch diesem Problem stelle man sich und werde sich weiter stellen.

Dabei blieben auch die bisherigen Maßnahmen nicht unbemerkt. Sogar sozusagen geadelt wurde die Initiative der Jägerschaft. Den mit 10 000 Euro dotierten Niedersächsischen Umweltpreis nahm Luttmann vergangenen September aus den Händen des damaligen niedersächsischen Umweltministers Olaf Lies entgegen. Als Schwerpunkt waren seinerzeit Stillgewässer ausgerufen, und da liegt der Hegefonds der Jägerschaft im Land weit vorn. 56 Teiche sind in den vergangenen 15 Jahren angelegt. Rund 300 000 Euro flossen in die Weiher, davon rund 200 000 Euro allein von der Bingostiftung.

Überhaupt entwickelte sich die finanzielle Seite des Hegefonds bemerkenswert. Ausgangspunkt ist die Jagdsteuer, in den Anfängen kreisweit rund 60 000 Euro. Daraus erhielt die Naturschutz-Initiative vor 15 Jahren 15 000 Euro. „Der Landrat sagte damals, wäre schön, würden zu jedem Euro ein weiterer Euro dazukommen. Das haben wir geschafft. Es sind sogar 2,50 Euro dazugekommen“, sagt Luttmann. Nur dass es nicht bei anfänglichen Summe blieb. 400  000 Euro gab die Kreistags-Politik in den anderthalb Jahrzehnten frei, insgesamt 1,43 Millionen Euro „sind zum Wohle der Artenvielfalt in die intensiv genutzte Kulturlandschaft geflossen“, so Luttmann. Zum Haupt-Unterstützer entwickelte sich die Bingostiftung. Neben den Biotopen erwärmte sich die Umweltstiftung für Projekte von den Obstbäumen bis zum Nistkastenbau. 450 000 Euro flossen an Allermündung und Mittelweser. Das Förderprogramm Pfeil für den ländlichen Raum gab knapp 110 000 Euro frei, die Sparkassenstiftung 42 000, die Volksbanken 21 000 und die Jäger selbst brachten 60 000 Euro auf die Beine.

Begonnen hatte alles mit dem Erwerb von Restgrundstücken aus Flurbereinigungen. Neun Hektar kamen für die Anfänge der ersten Feuchtbiotope zusammen. Es folgte das Blühstreifenprogramm, teils mit Doppelnutzen. „Die Aussaat erfolgt im Spätsommer, dadurch bieten diese Flächen den kleinen Bewohnern der Feldflur im Frühjahr schon Deckung für ein Brut- und Aufzuchtshabitat und die ersten Blüten laden die Insekten ab Ende April mit einem reichhaltigen Nahrungsangebot ein“, schwärmt Luttmann. Sogenannte Lerchenfenster auf Getreidefeldern werden ebenfalls gefördert. Das Aufhängen von Nisthöhlen, insgesamt bisher rund 1  900 an der Zahl, das Aufstellen von Wildbienenhotels mit Kindern und Jugendlichen, Maßnahmen zum Verhindern von Wildunfällen, Hegebüsche, Streuobstwiesen, all das wurde ebenfalls unterstützt. Aktuell richtet sich der Fokus verstärkt auf die Beutegreiferbejagung. „Fundierte Erkenntnisse aus Großprojekten und zum Einfluss von Raubsäugern auf den Bruterfolg von bodenbrütenden Wiesenvögeln zeigten immer deutlicher, wie wichtig die Reduktion des Beutegreiferdrucks ist“, sagt Luttmann. Einen Schwerpunkt bildeten die Wümme-Niederung und das Aller-Teilstück zwischen Wahnebergen und der Kreisgrenze. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz stellte dafür mehr als 100 000 Euro zur Verfügung.

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