Die „Frühjahrsblüte“: Eine Tour zu den Pilotprojekt-Flächen

Nektar und Deckung

Die Teilnehmer der Feldtour bewundern die Blütenpracht. 
Fotos: Haubrock-Kriedel
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Die Teilnehmer der Feldtour bewundern die Blütenpracht. Fotos: Haubrock-Kriedel

Landkreis – Nachdem der Leiter des Celler Bieneninstituts, Professor Dr. Werner von der Ohe, zu Besuch war, bekundeten Imker, Politiker und Naturfreunde großes Interesse am „Frühjahrsblüte“-Programm der Jägerschaft. Mehrere Fachleute sowie eine Delegation aus dem Kreistag hatten um Lagedaten der Blühflächen des Pilotprojektes gebeten. Kurzentschlossen organisierte Imker Heinrich Kersten für sie eine Rundfahrt zu drei der elf angelegten Blütenmeere im Kreisgebiet.

Imker aus den Landkreisen Verden und Rotenburg sowie Interessierte aus Bremen fanden sich zu der Tour nach Ritzenbergen, Specken und Bendingbostel ein. Alle Teilnehmer wurden von dem vielfältigen Blütenangebot für Honigbienen, Wildbienen und Hummeln überrascht. An einer Vergleichsfläche direkt neben einem längst ausgeblühten Rapsfeld konnten die Teilnehmer gleich auch den Nutzen für die Insekten erkennen. „Die ,Frühjahrsblüte’ bietet, beginnend mit Rübsen und Ölrettich ein Pollen- und Nektarangebot vor, während, aber auch nach der Rapsblüte“, betonte Imker Heinrich Kersten.

In der Marsch flogen die Insekten Ölrettichreste, Borretsch, Wicken und Inkarnatklee an. Darüber hinaus verrieten abgeknickte massive Rübsenstengel, dass hier auch Wild gewesen ist. Dass hier Äsung und Deckung für Vierbeiner gesichert wird, ist für die Jägerschaft ein weiterer Vorteil der „Frühjahrsblüte“.

Der innovative Ansatz des Projektes sei die Aussaat bereits im August mit winterharter Saat, informierte Heinrich Kersten die Teilnehmer. Damit könnten sich die Pflanzen über Winter gut entwickeln und ab April blühen. Für eine nachhaltige Etablierung von Insekten sowie zum Schutz von Bodenbrütern und Wild werden die Flächen mindestens ein Jahr, besser zwei Jahre nicht angetastet.

Die beiden nächsten Flächen auf der Geest boten bei identischem Saatgut ebenfalls ein sehr gutes Blütenangebot. Aufgrund unterschiedlicher Böden fielen die Pflanzengemeinschaften aber ganz anders aus. Der in der Marsch zögerlich blühende Inkarnatklee stand hier in voller Blüte und wurde neben Borretsch, Wicken und anderen Pflanzen massiv von Insekten beflogen.

Die Teilnehmer konnten sich zudem davon überzeugen, welche Habitatsmöglichkeit für Wildbienen und andere Insekten Landwirte in der Abschlussfurche ihrer Felder schon heute bieten. „Unendliche viele Gänge von Insekten konnten beobachtet werden, denn circa 50 Prozent der Arten nisten bekanntlich unter der Erde“, erklärte Kersten.

An der dritten Fläche bot sich ein wiederum geändertes Blütenangebot. Ein Wanderimker hatte dort versteckt zwei Bienenvölker aufgestellt, die fleißig Blütenpollen eintrugen, während auch viele Hummeln in der Fläche unterwegs waren. Eine Imkerin der Gruppe wollte daraufhin sofort Kontakt mit dem Landwirt aufnehmen, um die Fläche auch mit ihren Bienenvölkern zu besuchen.

Mit einer anderen Intention wurde eine Blühfläche in der Gemeinde Kreepen angelegt. Die drei Hektar große „Ablenkungsfläche“ abseits der Windkraftanlagen soll über Blüten, Samen, Insekten und Mäuse für Vögel wie den Roten Milan ein attraktives Revier bieten. So könne verhindert werden, dass sie von den Rotorblättern der Anlage erfasst werden. Diese mehrjährig angelegte Fläche bot aufgrund eines anderen Saatgutkonzeptes ein weiteres, vielfältiges Blühangebot. 

Von Antje Haubrock-kriedel

Imker Heinrich Kersten erläutert das Pilotprojekt „Frühjahrsblüte“.

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