Weißstorchenpaar brütete erstmals auf Kunsthorst des NLWKN

Nachwuchs in der Maulohe

Ein Weißstorch mit dem Jungvogel auf der Maulohe in der Allerniederung bei Verden. Der erste Bruterfolg in dem vom NLWKN errichteten Kunsthorst.
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Ein Weißstorch mit dem Jungvogel auf der Maulohe in der Allerniederung bei Verden. Der erste Bruterfolg in dem vom NLWKN errichteten Kunsthorst.

Verden – Fünf Jahre hat"s gedauert, nun konnte der Weißstorchbeauftragte des Landkreises Verden, Hans-Joachim Winter, erfreut vermelden: Zwei Jungstörche erblickten in der Maulohe in der Allerniederung bei Verden das Licht der Welt. Damit brütete zum ersten Mal ein Weißstorchpaar auf dem Kunsthorst, den der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) 2015 auf einem Mast in luftiger Höhe errichten ließ.

„Einer der beiden Jungvögel wurde allerdings kurz darauf tot aufgefunden“, teilt der NLWKN mit und zitiert Winter: „Das kommt leider öfters vor. Insbesondere in einem trockenen Frühjahr wie diesem“. Um die Zukunft des zweiten Jungstorchs mache sich der Weißstorchbeauftragte aber keine Sorgen. Dieser sehe gesund und vital aus.

Damit die Weißstörche ausreichend Nahrung finden, legte der NLWKN 2015 auf der Maulohe auch mehrere Tümpel an. Zudem wurde ein Graben gestaut. Darüber hinaus lässt der Landesbetrieb seit 2011 die Wiesen extensiv, also ohne Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln bewirtschaften.

„Wir haben den Kunsthorst bauen lassen, damit Besucher die Störche beim Brüten und Füttern ihrer Jungen beobachten können“, berichtet Bernhard Stutzmann, beim NLWKN Lüneburg zuständig für die Pflege und Entwicklung von Landesnaturschutzflächen.

Gemeinsam mit Frank Erdtmann, dem damaligen Weißstorchbeauftragten des Landkreises Verden, sei die Wiese nahe dem Klärwerk als geeigneter Standort ausgewählt worden. Dort habe sich auch bereits 2015 ein Weißstorch niedergelassen. Der habe aber nicht gebrütet. „Nun freuen wir uns ganz besonders, dass der Horst angenommen wird und seine Funktion erfüllt“, so die beiden Naturschützer Stutzmann und Winter.

In der Allerniederung seien Weißstörche noch relativ häufig zu beobachten. Im letzten Jahr seien allein im Landkreis Verden etwa 200 Jungstörche geschlüpft. Hans-Joachim Winter rechnet in diesem Jahr mit 20 Prozent weniger Nachwuchs. Doch auch das wäre noch ein zufriedenstellendes Ergebnis.

Winter und Stutzmann hoffen, dass sich die Besucher der Maulohe rücksichtsvoll verhalten. „Dazu gehört selbstverständlich auch, dass der Müll wieder mitgenommen und das Naturschutzgebiet nicht zur Müllhalde gemacht wird“, so der Experte vom NLWKN. „Glasscherben, Grillreste und Plastik gehören nicht in die Landschaft, sie sind sogar gefährlich für Haus- und Wildtiere.“

Auch an die ganzjährige Anleinpflicht für Hunde in dem Naturschutzgebiet erinnert Stutzmann. Freilaufende Hunde störten nicht nur die Weißstörche bei ihrer Nahrungssuche. Sie gefährdeten auch andere Vögel wie Feldlerche und Wiesenpieper oder die wenigen verbliebenen Rebhühner. Feldhasen und Rehe, die sich regelmäßig im Ostteil der Maulohe aufhielten, seien ebenfalls dadurch gefährdet.

„Der Weißstorch ist in Niedersachsen vorrangig in den zum Teil noch überschwemmten Niederungen von Elbe, Weser und Aller verbreitet“, teilt der NLWKN mit. Als Lebensraum bevorzuge er offene bis halboffene Landschaften mit nicht zu hoher Vegetation, feuchte Niederungen und Auen mit Feuchtwiesen, Teichen und Altwässern. Besonders wichtig sei artenreiches Grünland mit Sichtkontakt zum Nest.

Ackerland suchten die Störche nur während der Bodenbearbeitung zur Nahrungssuche auf. Als Nahrung dienten ihnen Mäuse, Insekten und deren Larven, Regenwürmer, Frösche, gelegentlich Maulwürfe, Fische und Reptilien.

In den 1980er-Jahren habe der Weißstorch durch Eindeichung und Entwässerung von Feuchtwiesen, Beseitigung von Tümpeln und Bejagung auf den Zugrouten kurz vor dem Aussterben gestanden. Durch Flächenankauf, Erhalt und Wiederherstellung von artenreichen Grünlandflächen mit Tümpeln und Flachgewässern hätten behördliche und ehrenamtliche Naturschützer dazu beigetragen, dass sich die Bestandszahlen wieder erholen. Dennoch zähle der Weißstorch in Niedersachsen nach wie vor zu den stark gefährdeten Vogelarten.

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