Volles Haus

Eröffnungskonzert der Maiklänge: Ein nachwirkender Auftakt

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Gareth Lubbe, José Gallardo und Chen Halevi brillieren auf der Bühne des Domgymnasiums mit Mozarts Kegelstatt-Trio.

Verden - Von Ilse Walther. Bereits zum dritten Mal fand das seinerzeit von Nabil Shehata in seiner Heimatstadt Verden gegründete Kammermusikfest „Maiklänge“ statt. Wieder hatte der Kontrabassist international renommierte Kollegen eingeladen. Wenn man bedenkt, dass die Künstler nicht ständig miteinander musizieren, muss man besonders bewundern, wie sie sich in den unterschiedlichsten Besetzungen zu großartig aufeinander eingehende Kammermusikensembles zusammen gefunden hatten. Offensichtlich verstanden sie sich auch menschlich. Es macht dieses kleine feine Musikfest zu etwas Besonderem eben auch durch Nabil Shehata in seiner gewinnenden Art und seiner künstlerischen Reife.

Neben bekannten Gesichtern waren der Pianist José Gallardo aus Argentinien sowie der Klarinettist Chen Halevi angesagt. Statt des verhinderten Bratschisten Hartmut Rohde war sein Kollege Gareth Lubbe aus Essen eingesprungen. Wieder waren alle großartige Musiker in diesem illustren Kreis dabei. Die Geigerin Natalia Lomeiko war übrigens die einzige Musikerin.

Die Begrüßung zum Festivalauftakt in der bis auf den letzten Platz besetzten Aula hatten Schulleiterin Dr. Dorothea Blume, Musikpädagoge Dr. Dietrich Steincke als Vorsitzender des Vereins für Musik und Kultur am Domgymnasium und Initiator Nabil Shehata als künstlerischer Leiter übernommen. Das Auftaktkonzert wurde mit dem mit Klarinette, Klavier und Viola besetzten reizvollen Kegelstatt-Trio Es-Dur KV 498 von Wolfgang Amadeus Mozart eröffnet. Die Besetzung mit Klarinette, Klavier und Viola ist ungewohnt und war der erste Auftritt von Chen Halevi mit dem Pianisten José Gallardo und dem Bratschisten Gareth Lubbe in Verden. Dabei erwies sich der sensible Pianist als wunderbarer Partner für seine Kollegen. Mit makellosem, variablen Anschlag und musikalischem Feingefühl führte er solistische und begleitende Parts aus.

Festivalauftakt: Dr. Dorothea Blume, Dr. Dietrich Steincke und Initiator Nabil Shehata begrüßen die Gäste zum Eröffnungskonzert in der Schulaula.

Wunderbar klangschön, brillant in der Technik und auf langem Atem bot Chen Halevi den mozartisch leichten und farbigen Klarinettenpart und warf sich mit Gareth Lubbe die Bälle zu. Das Spiel der drei atmete auf gleicher Welle ausgereift phrasiert. Höhepunkt war das Schlussrondo mit seinem eingängigen Thema und farbigen Variationen.

Mit dem Klaviertrio g-moll op. 17 von Clara Schumann boten José Gallardo, der Geiger Momo Hiber und der Cellist Claudio Bohórquez dieses völlig unbekannte Werk der berühmten Pianistin. Wiewohl beweist das Werk Clara Schumann, was für eine eigenständige und reife Komponistin sie war. Es ist ein bewegend schönes, auch mit besonderen Floskeln und Figuren gestaltetes Werk, dem man mit großem Genuss zuhören konnte.

Der erste Satz sprang ins Geschehen, blühend reif und klangschön die Violine, das Cello samtig warm und einfühlsam mit gesanglichem Ton, das Klavier vorwiegend solistisch angelegt. Die Musiker präsentierten sich in ausgereifter Phrasierung, die Stimmungen nachzeichnete wie Leidenschaft, Schmerz, Trost, und sich tanzend und gesanglich dicht stetig steigerte. Da hörte man feinste Dialoge, farbige Rückungen, aber auch voranstrebende stretta ähnliche Passagen.

Reizvoll war das Scherzo, träumerisch das Andante zu Beginn, ideenreich in intensiver Klangfarbe und gekonnten Pizzicati. Im Allegretto hörte man ausgereifte Soli von Violine und Cello, die Musik pulsierte und dann eine gekonnte Fuge. Welch eine mitreißende Wiedergabe dieses Werkes!

Das dritte Werk des Abends, das Streichsextett B-Dur op. 18 von Johannes Brahms, führten Natalia Lomeiko, 1. Violine, Momo Hiber, 2. Violine, Gareth Lubbe und Konstantin Sellheim, 1. und 2. Viola mit dem vorzüglichen Cellisten Tim Park und Nabil Shehata am Kontrabass an. Es war meisterlich, wie die Streicherin und ihre fünf Kollegen dieses farbige, fröhliche und jugendlich frische Werk boten, das Brahms seiner verehrten Freundin Clara Schumann gewidmet hatte. Das nachdenklich schöne, von rheinischem Frohsinn beeinflusste viersätzige Werk gestalteten die Musiker mit herrlichem Klang und großartiger Phrasierung. Schon alleine der Beginn des ersten Satzes in dichtem Unisono musiziert, bestach. In feinem Fluss entwickelten die Violinen weiter geführt, über große Spannungsbögen in wechselnden Soli zum Ende in einem heiteren Pizzicato. Großartig war das Andante mit Unisonopassagen und dem Thema, das durch die Stimmen wanderte.

Das Cello bestach durch große Soli, klanglich reif und dicht musiziert. Lupenreine Unisonopassagen lieferten Cello und Kontrabass, bewegend durch die Expressivität von schmerzlich schön bis emotional gesteigert. Das Scherzo dann übermütig frech, das Rondo war in seinen Zwischenspielen feinsinnig, heiter und gelassen und zog die Zuhörer immer mehr in den Sog der Musik. Der Beifall wollte gar nicht enden, Bravorufe, Begeisterung für das hinreißende Werk und die exzellenten Ausführenden waren zu hören. Ein nachwirkender Auftakt der diesjährigen Maiklänge.

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