Reste inspirieren Bäckermeister und Brauer zu neuen Kreationen

Nachhaltigkeit mit Geschmack

Drei Männer stehen vor einem Gebäude und halten Bierflaschen und Gläser in der Hand. Der mittlere mit weißer Bäckerjacke hat in der anderen Hand  ein Brot.
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Gemeinsame Sache: Richard Schulte, Horst Rotermundt und Eberhard Walther (v.l.) bei der Verkostung von Brot Bier und Bierbrot.

Verden – Es schmeckt. Anders zwar als das helle Bier großer Marken, aber das soll auch so sein. Die Verdener Brau Manufaktur in der Oberen Straße widmet sich dem Craft Bier. Das ist ein obergäriges Bier, das in unterschiedlicher Zusammensetzung mal kräftig, mal fruchtig schmeckt oder ganz ausgewogen etwas von beidem hat. Jetzt ist eine vierte Sorte hinzugekommen – das Brotbier mit dem Namen Flüssig Brot.

  • Die Kanten von Brotresten eignen sich gut zum Brauen von Bier
  • Ausgelaugtes Malz gibt dem Brot einen besonders herzhaften Geschmack
  • Reste werden nicht entsorgt, sondern wiederverwendet

Gebraut wird es in den kleinen Räumen einer ehemaligen Schuhreparaturwerkstatt. Der Platz reicht aber aus, um in den Kesseln 800 Liter Bier pro Monat herzustellen. Gerade sind Braumeister Richard Schulte, Eberhard Walther (Rezeptur) und Vermarkter Rolf Zepp dabei, das Bier mit dem Namen Roter Dompfaff zu brauen. Das Brot Bier ist schon fertig und wird seit heute verkauft.

„Es ist ein kleines Zeichen gelebter Nachhaltigkeit“

Gestern war erst einmal Bäckermeister Horst Rotermundt mit der Verkostung an der Reihe, denn schließlich liefert er übrig gebliebenes Brot, das beim Brauen in der Manufaktur eingesetzt wird. Umgekehrt bekommt Rotermundt von der Manufaktur den beim Brauen zurückbleibenden Treber (ausgelaugtes Malz), um damit in der Backstube in Holtum (Geest) würziges Brot herzustellen. „Es ist ein kleines Zeichen gelebter Nachhaltigkeit“, sagen die Beteiligten, denen der Gedanke gefällt, aus ungenutzten Lebensmitteln neue Produkte zu kreieren. Horst Rotermundt wird sicher nicht jedes übrig gebliebene Brot der Manufaktur zukommen lassen können, doch „weggeschmissen wird bei uns trotzdem nichts“. Gleichzeitig sammeln sich in der Manufaktur weniger Rückstände an, denn der Bäckermeister nutzt den Treber als würzige Zutat für sein Neues im Programm: das Bierbrot. Auch das ist herzhaft und bei Verkostungen in der Manufaktur inzwischen äußerst beliebt.

Flüssiges oder festes Brot? In der Brau Manufaktur hat man Gemeinsamkeiten entdeckt und genutzt.

Auf beiden Seiten ist bis zum Verkauf viel experimentiert worden. Rotermundt: „Ein Rezept dafür hatten wir nicht.“ Aber der Geschmack hat am Ende überzeugt. Die Bierbrauer probierten für ihre neue Kreation die unterschiedlichsten Brotsorten, bis sie sich entschieden hatten. Wichtig sei der Kanten (die Kruste) gewesen, der dem Sud eine gewisse Süße verleiht. Zuvor wird die Kruste getrocknet und gemahlen, dann kommt sie in den Braukessel. Das Altbrot ersetzt bei diesem Prozess bis zu ein Drittel des Malzes. Mit dem Brauen in dieser Art und Weise hat die Manufaktur bereits Anfang Februar begonnen. Der Reifeprozess dauert etwa fünf Wochen, erst dann kommt das Bier in die Flaschen und verlässt das erste Mal die Räume der Manufaktur. Rolf Zepp: „Nur das Etikettieren können wir hier nicht machen.“

Craft Bier sollte man genießen wie einen guten Wein

Zurück im Laden, darf das Bier auch in diesen Zeiten verkauft werden, alles andere fällt wegen Corona weg. Auf besondere Events vor den Braukesseln oder in Verdener Restaurants muss vorerst noch gewartet werden. Einen kleinen Teil ihres Sortiments verkauft die Manufaktur in einem Verdener Supermarkt, den Großteil aber im kleinen Laden in der Oberen Straße. Hier wollen die Bierbrauer präsent sein und die Innenstadt mit etwas Besonderem bereichern. Besonders ist das Bier ja schließlich auch. Es enthält mit 6,8 Prozent mehr Alkohol als das handelsübliche Bier und braucht Kenner oder solche, die es noch werden wollen. Rolf Zepp: „Es ist ein Genussbier, keines, das man einfach so wegtrinken sollte.“

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