Nach zehn Jahren: Krematorium öffnet seine Türen und führt durch die Technik

Mit Vorurteilen aufgeräumt

+
Betriebsleiter Peter Valk (rechts) erklärt die technischen Abläufe.

Verden - Die Türen weit geöffnet hatte am Sonnabend eine Verdener Einrichtung, die im Normalfall wenig Besuch hat: die Feuerbestattungen. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens wurden Führungen durch das Gebäude angeboten. Gelegenheit, sich umfassend über ein Thema zu informieren, das viele lieber verdrängen. Mitarbeiter des Krematoriums erklärten Interessierten die Technik der Anlage, bezogen aber auch Stellung zu ethischen Fragen.

Krematorien sind für viele Menschen mit einem Tabu belegt. Dabei hat kaum einer jemals ein Krematorium besucht, und doch halten sich Gerüchte wie die, dass mehrere Verstorbene gleichzeitig eingeäschert oder, dass teure Särge nicht verbrannt, sondern weiterverkauft werden, hartnäckig.

„So etwas ist natürlich nicht wahr und unsinnig“, sagt Peter Valk, Betriebsleiter der Feuerbestattung Verden, die das am Verdener Waldfriedhof gelegene Krematorium seit 2005 betreibt. Für die Besucher interessant waren aber nicht nur die technischen Details der EDV-gesteuerten Anlage, es wurde auch über das Qualitätsmanagement oder über die unterschiedlichen Urnen aufgeklärt. „Hier wird akribisch und mit größter Sorgfalt gearbeitet. Jedes Detail wird dokumentier und alles doppelt und dreifach überprüft, bevor ein Verstorbener eingeäschert wird“, hieß es.

Unübersehbar war, dass beim Rundgang einigen Besuchern die gemischten Gefühle förmlich ins Gesicht geschrieben standen, die sie mit einem Krematorium verbinden.

20 bis 25 Leichen werden in Verden pro Tag eingeäschert, wobei der Sarg mit einer automatischen Vorrichtung in den Ofen gefahren wird, bevor die Überreste in einen weiteren Ofen kommen, was in der Fachsprache mit Mineralisieren bezeichnet wird. Danach wird die Asche aus dem Ofen entfernt und Metalle wie künstliche Hüftgelenke, Schrauben und ähnliches entfernt. Das teils noch grobe Material kommt zum Schluss in eine Mühle und von dort in die Urne.

Während der Verbrennung liegt auf dem Sarg zudem ein Schamottstein mit einer individuellen Nummer, die dem Verstorbenen zugeordnet ist und ihn bis in die Urne begleitet, damit es zu keiner Verwechselung kommen kann.

Die Frage, ob eine Einäscherung überhaupt infrage kommt, wird sich aber für viele auch nach diesem informativen Besuch noch nicht beantworten lassen. Der Betreiber indes blickt ohne Einschränkungen auf erfolgreiche Jahre zurück und kann zum Zehnjährigen ein positives Resümee ziehen. „Der Kundenkreis wächst kontinuierlich an“, bestätigt Valk. Auch in der Region Verden zeichne sich der Trend ab, dass sich immer mehr Hinterbliebene für eine Einäscherung ihrer verstorbenen Angehörigen entscheiden. Außerdem werde die Anlage auch von Bestattern aus dem weiteren Umland frequentiert. „Wir haben einen guten Service und sind sehr flexibel. Das spricht sich herum“, so Valk.

Seit der Inbetriebnahme verzeichnet die Anlage rund 24000 Einäscherungen. Die Leistungsgrenze ist noch nicht erreicht und für dieses Jahr geht der Betriebsleiter von etwa 4000 Einäscherungen aus. Falk: „Die kontinuierlich steigende Zahl ist für uns Bestätigung der Arbeit. In Ostdeutschland liegt die Verteilung der Urnenbeisetzung bei etwa 90 Prozent. In Bayern beträgt sie rund 30 und in Niedersachsen etwa 50 Prozent“, Valk vermutet, dass sich das Verhältnis in der Region in den kommenden Jahren noch deutlich in Richtung Urne verschieben wird.

Und warum entscheiden sich immer mehr Menschen für diese Art der Bestattung? „Das hat viele Gründe. Zu einem sind die Gebühren günstiger, aber es spielen auch Überlegungen wie alternative Bestattungsformen und die Frage, wer die Grabpflege übernimmt, eine Rolle“, so der Betriebsleiter.

Die ersten 150 Besucher bekamen kostenlos ein von Gerhard Zieseniß verfasstes Exemplar „Alles geregelt“ überreicht. Der Experte stand auch für Fragen zur Verfügung.

nie

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Deichbrand Festival: Party am Donnerstag 

Deichbrand Festival: Party am Donnerstag 

Erinnerung an Linkin-Park-Sänger: Chester Bennington beim Hurricane

Erinnerung an Linkin-Park-Sänger: Chester Bennington beim Hurricane

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family?

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family?

Erinnerung an Linkin Park Sänger: Chester Bennington beim Hurricane

Erinnerung an Linkin Park Sänger: Chester Bennington beim Hurricane

Meistgelesene Artikel

Vom Männerballet bis Lucky Luke: Kirchlinter Schützen feiern unkonventionell

Vom Männerballet bis Lucky Luke: Kirchlinter Schützen feiern unkonventionell

Der brennende Mönch zündet in Verden

Der brennende Mönch zündet in Verden

Vorsicht gegenüber der Weser-Robbe

Vorsicht gegenüber der Weser-Robbe

Achimer Haushalt trotz Bedenken für 2017 und 2018 genehmigt

Achimer Haushalt trotz Bedenken für 2017 und 2018 genehmigt

Kommentare