Mieter ohne Perspektive: Alles verloren und keine Chance auf Neuanfang

Nach Feuer quasi obdachlos

Ohne Perspektive: Mariusz Ignatowski, Katarzyna Jaworska , Monika Ignatowska und (hinten, stehend) Radoslaw Zglinski (v.l. ). - Fotos: Niemann

Stedorf - Sie hatten noch Glück im Unglück: Die vier Mieter des Wohnhauses Alte Reihe 9 in Dörverden-Stedorf sind bei dem Großbrand im Gebäude unverletzt davongekommen. Aber jetzt stehen sie vor dem Nichts. Das Gebäude ist nur noch ein verkohlter Trümmerhaufen und sämtliche Räume sind zerstört. Besonders bitter: Die Bewohner hatten auf den Abschluss einer Hausratsversicherung verzichtet.

Nun stehen zwei der Bewohner ohne Dach über dem Kopf da, auch ein Neustart in einer neuen Bleibe, die sie erst noch finden müssten, ist finanziell nicht machbar. „Wir haben alles verloren und besitzen nichts mehr. Das Haus ist durch die Brandschäden unbewohnbar geworden. Wir bekommen keine materielle Unterstützung, sodass für uns ein Neuanfang nicht möglich ist“, erzählt Monika Ignatowska.

Die 47-Jährige und ihr Mann Mariusz Ignatowski waren nicht zuhause, als das Unglück passierte. Auch ihre Mitbewohner Katarzyna Jaworska und ihr Verlobter Radoslaw Zglinski waren unterwegs, nur die drei kleinen Katzen der Bewohner waren im Haus. „Und die sind in den Flammen umgekommen“, so Ignatowska.

Durch den Brand ist das Haus jetzt unbewohnbar.

Zunächst fand das obdachlos gewordene Ehepaar Unterschlupf in einem Wohnwagen auf dem Stedorfer Grundstück. „Wir haben aber auch einige Nächte im Auto verbracht, bei Freunden übernachtet oder im Büro unseres damaligen Vermieters geschlafen“, berichtet Ignatowska von ihrer Odyssee. Inzwischen hat sich die Situation wenigstens ein klein wenig entspannt. Ignatowska: „Katarzyna und Radoslaw haben inzwischen eine neue Wohnung gefunden und gewähren uns Unterschlupf.“ Doch eine Dauerlösung ist das nicht.

„Nichts zu besitzen, ist eine Katastrophe, Wir sind verzweifelt und ich bin krank, weil ich nicht zur Ruhe kommen kann“, erklärt sie. Monika Ignatowska lebt seit drei Jahren in Deutschland und ist im Pflegebereich tätig. Seit Dezember 2015 kann sie aber nicht mehr arbeiten, sie ist wegen einer Depression krank geschrieben. Bis vor wenigen Wochen erhielt sie noch Krankengeld, rund 1000 Euro, berichtet sie. Dies Geld fehlt jetzt aber auch, denn die Zahlung sei ihr wegen eines Missverständnisses in den Unterlagen für acht Wochen gesperrt worden.

„Unser Einkommen ist praktisch gleich Null. Mein Mann bezieht nur 100 Euro Rente aus seiner Berufstätigkeit in Polen: Eine Katastrophe“, kommentiert sie verbittert. Sie fühlen sich im Stich gelassen. Nur die Verdener Tafel und die Ambulanten Hilfen hätten ihnen Unterstützung gewährt.

„Ich weiß, dass wir nicht die einzigen Menschen sind, die Not leiden und Hilfe brauchen. Aber ich hätte nicht geglaubt, dass es in Deutschland so etwas gibt.“ Ob die Versicherung für den Gebäudeschaden aufkommt, weiß die einstige Mieterin nicht. Sie selbst habe allerdings keinen Versicherungsschutz. Erschwerend für die ohnehin schon prekäre Lage kommt hinzu, dass sich der Hausbesitzer Mitte September das Leben genommen hat. „Ein Anwalt ist eingeschaltet, da es wegen der Eigentumsverhältnisse erheblichen Klärungsbedarf gibt. Wir befürchten aber, dass es bis dahin Monate dauern kann.“

Das Ehepaar will so schnell wie möglich einen Neubeginn in einer eigenen Bleibe. Doch die Chancen, ohne Rücklagen oder ein regelmäßiges Einkommen eine Wohnung zu finden, sind gering. „Wir könnten in Barme vielleicht sogar eine Wohnung bekommen. Aber wir haben weder Geld für eine Einrichtung noch für die erforderliche Kaution.“

In ihrer Verzweiflung hat sich Ignatowska in einem Brief sogar an die Bundeskanzlerin gewandt und unzählige Mails mit der Bitte um Hilfe verschickt, bislang aber ohne die erhoffte Resonanz.

Jetzt setzt sie ihre Hoffnung auf die Leser der Verdener Aller-Zeitung. „Vielleicht hat jemand eine Wohnung für uns oder greift uns finanziell für einen Neustart unter die Arme“, sagt Ignatowska. Für Hilfsangebote ist sie unter der Handynummer 0174/9 807 600 zu erreichen. Zurückrufen kann sie allerdings nicht. Das Handy ist gesperrt, da sie die Rechnung nicht bezahlen konnte. - nie

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