Außerordentliche Delegiertenversammlung

Ruf nach einem neuen Vorstand im Hannoveraner Verband

Im April 2017 stellen sich Geschäftsführer Dr. Werner Schade und der neue geschäftsführende Vorstand mit Hans-Henning von der Decken, Hartmut Wilking, Jörn Wedermann und Theodor Leuchten (v.l.) den Fotografen. Leuchten ist inzwischen ausgeschieden, Schade gekündigt, der übrige Vorstand angeblich zerstritten. Foto: Honebein

„Es geht um den Fortbestand unseres Verbandes.“ Mit diesem eindringlichen Appell schließt ein Schreiben, das die Delegierten des Hannoveraner Verbandes heute in ihrer Post haben werden. Vordergründiges Ziel ist es, eine außerordentliche Delegiertenversammlung einzuberufen. Im Prinzip aber soll der Vorstand des Verbandes abgewählt werden.

Verden – von Katrin Preuss. 45 der insgesamt 164 Delegierten müssen den Aufruf unterschreiben. Dann ist der Vorstand gezwungen, bis spätestens zum 4. September die Versammlung einzuberufen – und damit möglicherweise sein eigenes Schicksal zu besiegeln.

Herbert Werth, Züchter aus Moers, ist einer der Initiatoren des Aufrufs. Er findet deutliche Worte: „Letztendlich ist es das Ziel, den Verband nach vorne zu bringen. Und das geht meiner Meinung nach nur mit einem neuen Vorstand.“

Hannoveraner Verband: "Die Stimmung unter den Züchtern sei schlecht"

Der Rheinländer Werth ist im Hauptberuf Pfarrer. Doch es ist nicht nur Gottvertrauen, das den 66-Jährigen daran glauben lässt, dass die erforderlichen Unterschriften zusammenkommen. Trotz großer Verbundenheit mit dem Verband: Die Stimmung unter den Züchtern sei schlecht, der Wunsch nach Information groß, sagt er. Und so ist die Forderung nach Einberufung der Versammlung denn auch verknüpft mit der nach einer lückenlosen „Aufklärung über die Gesamtsituation des Verbandes“.

Letztendlich ist es das Ziel, den Verband nach vorne zu bringen. Herbert Werth, Delegierter

Im Detail soll der Vorsitzende Hans-Henning von der Decken persönlich Stellung nehmen zu von ihm in Rechnung gestellten Provisionszahlungen. Auch zur Rolle eines gewissen Franz Bürmann verlangen die Delegierten Aufklärung. Bürmann ist laut Internetrecherche Geschäftsführer eines Maschinen- und Anlagenbauers, züchtet aber auch. Er gilt als Berater des Verbandsvorsitzenden. Dabei dränge sich der Eindruck auf, dass nicht von der Decken, sondern Bürmann die Geschicke des Verbandes lenke, heißt es in dem Schreiben an die Delegierten.

Gefragt wird zudem nach den Auswirkungen für den Verband, sollte der fristlos gekündigte Geschäftsführer Dr. Werner Schade seinen Prozess vor dem Arbeitsgericht gewinnen, und nach negativen wirtschaftlichen Entwicklungen, unter anderem die Auktionsergebnisse und das Sponsoring von „Verden International“ betreffend.

Denn bereits jetzt hätten viele Züchter den Verband verlassen oder trügen sich mit dieser Absicht, ist in dem Schreiben an die Delegierten nachzulesen. Als Indiz wird die Juli-Auktion am kommenden Wochenende angeführt. Laut Verband kommen dann 58 Pferde zur Versteigerung. Das sei ein „Niedrigstand, der beispiellos für diesen Auktionstyp ist“, heißt es in dem Brief.

„Wir brauchen einen Neuanfang“, fordert Herbert Werth. „Wenn wir jetzt nicht handeln, wandern immer mehr Züchter ab.“ Es gelte, das Vertrauen in den Auktionsplatz Verden wieder herzustellen, bei den Züchtern, den Käufern und nicht zuletzt bei den Mitarbeitern des Verbandes.

Dabei drängt die Zeit. „Im Herbst wird die Ernte des Verbandes eingefahren“, formuliert es Christopher Kröckel, Vorstandsmitglied aus Braunschweig, der den Aufruf unterstützt. Im Oktober findet der ökonomisch wichtige Hengstmarkt statt. Hier erzielt der Verband den Großteil seines Umsatzes.

Bis dahin, so ist es der Wunsch Werths und Kröckels, soll wieder Ruhe im Verband herrschen. Mit einem kommissarischen Vorstand, dessen Mitglieder das Vertrauen der Züchter haben und geschlossen agieren. Er soll dann die bereits eingeläutete Strukturreform des Verbandes umsetzen, ehe dann ein neues Gremium die Verbandsgeschicke lenkt.

„Gemeinsam nach vorne schauen“, gibt Werth als Parole aus. Und fühlt sich dabei auch in der Pflicht gegenüber den rheinländischen Züchtern. Deren Fusion mit dem Hannoveraner Verband 2014 hatte der Pfarrer maßgeblich mit vorangetrieben. „Das haben wir doch nicht alles umsonst gemacht.“

Vorstand sollte zurücktreten - Kommentar

Ein Kommentar von Volkmar Koy

„Skandalös“, „nicht nachvollziehbar“, „Imageschaden“, „unverantwortlich“ - mit diesen Attributen haben mittlerweile zahlreiche Pferdefreunde den Vorstand des Hannoveraner Verbandes bombardiert. Die Kündigung von Zuchtleiter Schade war der ursächliche Grund für den Aufruhr der Hippologen. Und das scheint erst der Anfang zu sein. Schade drückte es vor dem jüngsten Gespräch mit unserer Zeitung so aus: „Jetzt geht es ans Eingemachte.“

Während eine Reihe von Möchtegern-Journalisten in den sozialen Medien ein Brandnest nach dem anderen legt, macht der derzeitige Vorstand des Verbandes mit seinem Chef von der Decken ebenfalls ernst. Da kann es noch so viel ruckeln im Sattel der unter Beschuss Geratenen. Die sitzen das einfach aus. Volte hin, Piaffe her, „Wir sagen nichts“, heißt die nicht gerade hemdsärmelige Devise. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit verdient dieser Vorstand eine Menge Nachhilfeunterricht. In der Zwischenzeit verabschieden sich immer mehr Züchter aus Verden, der Schaden für die sogenannte Reiterstadt wird von Tag zu Tag größer. Finanzielle Auswirkungen und das daraus resultierende Imageproblem haben geradezu meteoritenhafte Ausmaße erreicht. Es ist an der Zeit: Der Vorstand sollte schnellstmöglich zurücktreten.

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