Landvolkchef Jörn Ehlers sieht lokale Zusammenarbeit gefährdet

„Nabu hat noch auf Parship inseriert“

An den Gewässerrandstreifen sollen als Teil des „Niedersächsischen Wegs“ auf drei bis zehn Metern Breite keine Pflanzenschutzmittel angewendet werden.
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An den Gewässerrandstreifen sollen als Teil des „Niedersächsischen Wegs“ auf drei bis zehn Metern Breite keine Pflanzenschutzmittel angewendet werden.

Verden – Die Themen Artenvielfalt und Insektenbestand sind mittlerweile in der allgemeinen gesellschaftlichen Diskussion angekommen. Die folgenden Akteure haben Handlungsbedarf erkannt, und haben sich am „Niedersächsischen Weg“ (NW) beteiligt: das Niedersächsische Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, der Nabu, der BUND, die Landwirtschaftskammer und das niedersächsische Landvolk. Bei einem Pressegespräch warben die Vorsitzenden des Landvolks Verden-Rotenburg, Jörn Ehlers und Christian Intemann, für diesen Weg, der langfristig einen verbesserten Natur-, Arten-, und Gewässerschutz in feste, gesetzliche Rahmen gießen soll. Gleichzeitig äußerten sie ihre Enttäuschung über das Volksbegehren „Artenvielfalt“ des Nabu, weil dieser Gesetzesentwurf wesentliche Unterschiede zum NW aufweise.

Mit dem konstruktiven Dialog in den unterschiedlichen Interessensgruppen sei mit dem NW viel erreicht worden, und man stehe teilweise schon im Stadium des Entwurfs für konkrete Gesetzesvorlagen mit 120 Millionen Euro Unterfütterung im Landeshaushalt. Auch deswegen sei das Landvolk sichtlich irritiert über das Volksbegehren des Nabu, weil hier nicht auf einen Austausch aller Beteiligten Wert gelegt werde, sondern das Gesetz sozusagen schon fest in Stein gemeißelt sei. „Wir fühlen uns wie die aufgehübschte Braut, aber der Verlobte, der Nabu, hat immer noch auf Parship inseriert“, sagte Ehlers.

Die beiden Landwirte skizzierten kurz die wesentlichen Errungenschaften des NW. Vom artenreichen Dauergrünland und großen als Biotop ausgewiesenen Obstwiesen über ein Wiesenvogelschutzprogramm bis zur Reduzierung der Flächenversiegelung seien viele wichtige Punkte auf einer Kompromissbasis ausgehandelt worden. Dazu gehöre auch, die Lichtintensität in bewohnten Gebieten zum Insektenschutz zu reduzieren. Weiter solle für den Gewässerschutz ein drei bis zehn Meter breiter Randstreifen ohne Pflanzenschutzmittel bewirtschaftet werden. Ein wesentliches Merkmal der Schutzmaßnahmen sei die Einbindung der betroffenen Landwirte. Durch regelmäßiges Monitoring solle ebenfalls eine Erfolgskontrolle durchgeführt werden und beispielsweise eine rote Liste der bedrohten Insektenarten alle fünf Jahre überarbeitet werden.

Gerade bezüglich der Gewässerrandstreifen sehen Ehlers und Intemann einen großen Unterschied zum Volksbegehren des Nabu, weil der Gegenentwurf nur auf die bloße Hektaranzahl ziele. „Das Volksbegehren bevorzugt klar die Quantität vor der Qualität der Gewässerrandstreifen, weil gar nicht geschaut wird, was das für ein Gewässer ist“, so Intemann. Aus früheren Studien sei bekannt, dass in Niedersachsen insgesamt 80 000 Hektar und im Verbandsgebiet Verden-Rotenburg kumuliert 5 300 Hektar betroffen seien. „Das bedeutet, dass 70 kleine Betriebe in unserem Gebiet weg sind“, sagte Ehlers. Besonders in Moorgebieten sei das zu befürchten. „Dort haben wir Betriebe, deren Flächen zu 80 Prozent dabei wären“, so Intemann. Denn in der Frage der Kompensation stelle das Volksbegehren eine Summe von 220 Euro pro Hektar in Aussicht, aber ein neutraler Gutachter habe die wirtschaftlichen Einbußen auf rund 900 Euro pro Hektar kalkuliert. Auch die Beweislastumkehr unterstelle den Landwirten laut Intemann pauschal, dass sie sich nicht an die gesetzlichen Bestimmungen halten würden. „Mit der Bürokratie, wie sie im Volksbegehren gefordert wird, erschlägt man die Landwirte“, wurde er deutlich.

Ehlers sehe im NW den demokratischeren Weg. Kein Unterzeichner des Volksbegehrens in der Fußgängerzone nehme sich die Zeit, das mehrseitige Gesetzeswerk durchzulesen. „Den Initiatoren bleibt vorzuwerfen, dass ihnen egal ist, ob das Volksbegehren durchgeht oder nicht, weil nur der Wahlkampf im Vordergrund steht. Schließlich hat der Nabu das Volksbegehren zusammen mit den Grünen ausgearbeitet“, sagte Ehlers. Mit den einfachen Bildern sei das Volksbegehren eine Einladung an Populisten. „Ich warte jetzt schon auf die Anrufe der Berufskollegen, mit dem Bekunden, warum wir mit dem Nabu zusammenarbeiten“, so Ehlers. Deswegen sieht er die bisher konstruktive Zusammenarbeit mit den Umweltverbänden auf lokaler Ebene in Verden in Gefahr, obwohl in der Vergangenheit positive Erfahrungen gesammelt wurden.  lee

Die Vorsitzenden des Landvolkes Verden-Rotenburg, Jörn Ehlers (l.) und Christian Intemann, sehen den „Niedersächsischen Weg“ als demokratischer an.

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