Die Muslimische Gemeinde in Verden heißt Zuwanderer willkommen und hilft

Flüchtlinge füllen Moschee

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Vorsitzender Hüseyin Gülalan, der Imam Murat Cetin, ehemaliger Vorsitzender Ertan Ünlü und Vorstandsmitglied Abdulah Deniz (v.l).

Verden - Von Nadya Sevik. Die Flüchtlinge füllen im Landkreis Verden nicht nur die für sie eingerichteten Unterkünfte, sondern auch die Moschee der Türkisch Islamischen Gemeinde zu Verden (DITIB). Im Gebetsraum wird es schon mal eng, weil auch gläubige Muslime unter den Zuwanderern sind und zum Gebet kommen. DITIB reagiert darauf und organisiert mittlerweile viel Hilfe: Kleidung, Essen und Gebetsmaterialien.

An Freitagen ist die Moschee sowieso gut gefüllt. Gewöhnlich kommen um die 80 Männer im Gebetsraum. Seit dem Flüchtlingsstrom sind es schon mal 300. Das erfordert viel Platz.

„Menschen, die Hilfe brauchen oder Fragen haben, können zu jeder Stunde zu uns kommen“, sagt Ertan Ünlü, ehemaliger Vorsitzender der DITIB. Besonders jetzt nehmen viele Flüchtlinge, die meisten aus Syrien, die Hilfe des Vereins an. Die Gemeinde bietet, neben dem Glaubensunterricht für alte und junge Besucher, auch ehrenamtlich Deutschkurse an. „Wir versuchen alles zu tun, was in unserer Macht steht, weil ich finde dass das unsere Aufgabe sein sollte“, sagt Ünlü.

DITIB arbeitet mit vielen lokalen Arbeitsgruppen und anderen Gemeinden zusammen: „Wir ziehen alle an einem Strang“, sagt der ehemalige Vorsitzende. Die Gemeinde arbeitet seit 1991 mit umfangreichen Angeboten, um die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in die Gesellschaft zu ermöglichen. Darunter gibt es Angebote wie Sprachkurse, Musik- und Kulturveranstaltungen, Freizeitangebote für Jugendliche und Frauen. „Unsere Türen stehen nicht nur türkischen oder muslimischen Menschen offen, sondern allen Menschen jeglicher Herkunft“, sagt Ertan Ünlü.

Im Oktober vergangenen Jahres veranstaltete die Gemeinde ein Empfangsessen, unter anderem auch zugunsten der Flüchtlinge. Zahlreiche Bürger waren gekommen. Vorsitzender Hüseyin Gülalan erinnert sich an einen bestimmten Fall: „Ein Mann christlichen Glaubens hat von dem Essen gehört, sich aber nicht getraut zu kommen. Wir haben schon mehrere Feste veranstaltet, aber er kam nie, weil er Vorurteile gegenüber Moslems hatte. Beim letzten Fest hat er sich überwunden und kam dann auch. Nachdem er uns und die Menschen dort kennenlernte, verschwanden seine Vorurteile. Sowas zu hören ist schön und freut uns sehr.“

Die Vorurteile gegenüber Muslime entstehen oft durch falsche Aussagen von Menschen, die Hass ihnen gegenüber schüren. Aber auch durch die Aktivitäten des Islamischen Staats (IS).

Seit den Ereignissen in Köln fühlen sich viele Bürger nicht mehr sicher, besonders Frauen. Flüchtlinge werden dann oft über einen Kamm geschoren. „An dem Abend soll es viele Übergriffe gegeben haben, dass es unserer Meinung nach so scheint, als wäre das eher geplant gewesen. Nun ist es aber auch so, dass viel Alkohol im Spiel war. Aber das kann die Taten nicht entschuldigen“, erklärt Ertan Ünlü. Vorsitzender Gülalan fügt hinzu: „Ich finde es sehr schade, was hier passiert ist. Aber schlimm daran ist auch, dass die meisten Europäer dachten, uns würde das nicht treffen. Als die Probleme in Syrien anfingen, hat es sehr wenige interessiert, weil es weit entfernt lag. Nun haben auch wir damit zu tun und wir sollten unser Bestmöglichstes geben, um den Flüchtlingen zu helfen.“

Die Gemeinde unterstützt die Flüchtlingsunterkünfte in den Berufsschulen in Dauelsen. Gebetsmaterialien wie Teppiche, Gebetsketten und Korane, aber auch Kleidungen spenden die Mitglieder. In der Moschee in Verden bereiten die Frauen jeden Freitag ein großes Essen in der Gemeinde zu. Unter anderem Lahmacun (türkische Pizza) ein sehr traditionelles, bevorzugtes Gericht. Für den einen oder anderen lohnt es sich bestimmt, dort vorbeizuschauen. Und herzlich empfangen wird jeder.

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