Von Schlager bis Jazz

Gitte Haenning singt in der Stadthalle

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Ungeheure Präsenz und nahezu alterslos: Gitte Haenning auf der Bühne der Verdener Stadthalle. 

Verden - Die Besucher in der nahezu ausverkauften Verdener Stadthalle haben es vermutlich ohnehin gewusst, dass diese Frau es in sich hat. Am Freitagabend hatten Gitte Haenning & Band auf ihrer „All By myself-Tour“ in Verden Station gemacht und mit Songs von Pop bis Rock und Swing bis Jazz in neuem Sound und einer tollen Show begeistert.

Vom musikalischen Abend angetan: Das Verdener Publikum applaudiert.

Die vierköpfige Band hat bereits die Bühne betreten, als Gitte Haenning noch hinter dem schwarzen Bühnenvorhang der Stadthalle die ersten Zeilen von „Flimmerndes Herz“ zu singen beginnt. Das Publikum klatscht, erste Pfiffe werden laut und dann ist sie urplötzlich da und trotz Bühnennebels auf Anhieb sehr präsent. Gitte Haenning scheint alterslos fast, auch wenn ihr Gesicht ein wenig voller geworden ist und sie ihr Haar nicht mehr ganz so strubbelig trägt wie früher.

Der erste Programmteil ist zunächst mehr dem Bereich Pop und Schlager geschuldet und der Bogen durch das musikalische Einst und Heute weit gespannt: Deutsch, Schwedisch, Dänisch, ganz egal, dem Publikum gefällt’s – Hauptsache die Songs sind von Gitte, die übrigens meistens auf einem Hocker sitzt, einen Notenständer aus Plexiglas davor, da sie ihre Songs gern vom Blatt liest. Das gönnt sie sich seit einigen Jahren. Vielleicht ein Tribut ans Alter, ihre Fans stört es nicht.

Gittes Stimme indes ist jung und kraftvoll wie eh und je und selbst in den Höhen wunderbar rein und klar. Das Publikum spürt auch den hohen Grad an Authentizität, die den beständigen Erfolg dieser charismatischen Ausnahmekünstlerin ausmacht. Es fühlt ihre Freude an der Musik, den Respekt vor den Kollegen, von denen sie einen Teil der Lieder entliehen hat, und es nimmt ihr auch die Verbundenheit zu ihren Fans ab.

Nach der Pause steht dann die „andere“ Gitte auf der nebelgeschwängerten und illuminierten Stadthallenbühne. Jetzt kommen mehr die Jazz- und Swingfreunde im Auditorium auf ihre Kosten und die ohnehin fantastischen Musiker. Haenning stellt sie als „meine Spielkameraden“ vor: Friedemann Matzeit (Flügel & Saxophon) Benedikt Reidenbach (Gitarre) Thomas Alkier (Schlagzeug) und Oliver Potratz (Bass). Sie agieren noch kraftvoller, noch entrückter als am Anfang. Auch die Künstlerin legt nochmals reichlich an Tempo zu und sorgt mit traumhafter, wenn auch europäischer Jazzstimme und mit Songs wie „Sentimental Journey“, „How high the Moon“ oder „All Of Me“ für Kribbeln auf der Haut beim Publikum.

Wunderbar, diese Reminiszenz an Jazz- und Swinggrößen vergangener Tage.

Zur Überraschung des Publikums ist danach sogar der „Cowboy als Mann“ mit von der Konzertpartie. Als erste Zugabe erscheinen Band und Haenning mit Cowboyhüten, wobei der kryptisch-jazzige Sprechgesang mit dem Hit-Original von 1963 kaum noch Gemeinsamkeiten hat.

Nach drei Zugaben ist dann endgültig Schluss. Gitte Haenning und ihre Musiker winken. Ob sie wohl wiederkommt? Das hoffen sicher die meisten, die überwiegend zufrieden die Stadthalle verlassen. Am Ausgang brachte es eine Dame gegenüber ihrem Begleiter folgendermaßen auf den Punkt: „Wenn ich mit 70 Jahren noch so drauf bin, dann Gnade dir Gott.“ 

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