Museumsgeister spielen „Vergesst Mozart nicht – 1756 bis 1791“

Genie und Wahnsinn

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Mediengruppe Kreiszeitung

Verden - Naschte womöglich schon Mozart Mozartkugeln? Oder hat er vielleicht auch mal falsche Noten geschrieben und was geht uns das alles heute überhaupt noch an?

Diese und viele weitere Fragen gehen die Museumsgeister Helga Flatow, Gabriele Benner, Jessica Coels, Birgit Scheibe, Christoph Plünnecke, Bernd Eggers und Dr. Björn Emigholz im Programm „Vergesst Mozart nicht – 1756 bis 1791“ nach, das jetzt im Domherrenhaus eine rundum gelungene Premiere feierte.

Das Ensemble bringt darin seine sängerischen, schauspielerischen und erzählerischen Qualitäten gleichermaßen ein. Es wird ein vielschichtiges Porträt aus Humor, Empfindsamkeit und Ernsthaftigkeit von Mozart gezeichnet, das zeigt, wie nah das Tragische und das Heitere beieinander liegen.

Von der Musik, Lieben und Leiden und vom (wenn auch kurzen) lebenslangen Spagat des Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart zwischen Genie und Wahnsinn handelt das aktuelle Programm. Wenn die Museumsgeister-Truppe etwas erzählt, dann spielt sie das natürlich und haucht den Figuren Leben ein. Dass dabei mitnichten ausschließlich Mozart im Fokus der jeweils szenischen Darbietungen steht, ist bei den Museumsgeistern ihrem individuellen Konzept geschuldet.

Das Publikum zeigte sich mal staunend ergriffen, mal heiter amüsiert oder sogar laut lachend, wenn etwa aus einem der berüchtigten Briefe Mozarts, gespickt mit anzüglichen Wortspielereien und einer deftigen Ausdrucksweise, vorgelesen wurde. Selbst dem Reiz des Gruselns war es erlegen, wenn die Darsteller in derlei Rollen schlüpften. Von den Museumsgeistern forderte besonders die Nähe zum Publikum Präsenz über die gesamte Länge der Vorstellung. Alle nahmen die Herausforderung mit einer Spielfreude an, die vergessen ließ, dass dort neben Profis auch Laien auf der Bühne standen.

Zumeist verschmitzt lächelnd und bestens aufgestellt, moderierte Emigholz das abendfüllende Programm. Er berichtete über die Lebenssituationen, Gefühle oder gesellschaftlichen Umstände zu Mozarts Lebzeiten, ließ Ereignisse, Personen, Orte und Handlungen lebendig werden und erzählte dem Publikum noch so manches Ereignis mit lokalem Bezug, sodass das Thema nie langweilig wurde.

Da ist von beschwerlichen Kutschenfahrten die Rede, von Auftritten bei Hofe und von vielen grandiosen und frühen Erfolgen. Es gibt Briefe mit übermütigem Ton und scheinbar sinnlosen Reimen, aber man erfährt auch von Missgunst, Trauer und Geldnot. Das Programm nimmt immer wieder Bezug auf den begnadeten Musicus Mozart und bietet Lieder, die Bernd Egger am Piano leichthändig begleitete. „Vergesst Mozart nicht“ bietet eine gute Vorlage für das großartige, spielfreudige Ensemble, das dem Publikum mit der Premiere einen vergnüglichen wie informativen Abend beschert hat.

Die nächsten Aufführungen im Domherrenhaus – Historisches Museum Verden sind heute, 16. Januar, Dienstag, 19. Januar, und Freitag, 22. Januar, um 19.30 Uhr (Einlass ab 19 Uhr).

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