Fensterflügel blättern und die Fassade bröckelt

Domherrenhaus in Verden: Museum reif für Sanierung - Kosten von 108.000 Euro

Die Fassade des Historischen Museums – Domherrenhaus: Die Fensterrahmen und Laibungen sind marode und müssen ersetzt werden.
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Die Fassade des Historischen Museums – Domherrenhaus: Die Fensterrahmen und Laibungen sind marode und müssen ersetzt werden.

Verden – Es knirscht im Gebälk des Historischen Museums – Domherrenhaus. Aber an einigen Stellen nicht einmal mehr das: „Wenn ich den Finger in den einen oder anderen Fensterrahmen drücken würde, geht der da rein wie in ein weiches Stück Kuchen“, so Dr. Björn Emigholz. Seit über 30 Jahren ist er verantwortlich für das Haus und beobachtet den Verfall mit Sorge.

Alle Fenster der Nordfassade brauchen eine neue Einfassung

Alle Fenster der Nordfassade brauchen eine neue Einfassung. Auf 108. 000 Euro belaufen sich die geschätzten Kosten der Sanierung. Der städtische Kulturausschuss stimmte in seiner Sitzung der Finanzierung unter gewissen Bedingungen zu.

Im Museum kennt Dr. Björn Emigholz jeden noch so entlegenen Winkel. Die guten, aber eben auch die weniger guten Ecken. Seit den 1990er-Jahren im Amt, ist das Haus praktisch die zweite Heimat des Museumsleiters. Aber nicht nur das Inventar, auch die Macken des Gebäudes sind Emigholz aus dem Effeff bekannt. Buch braucht er darüber nicht zu führen. Er weiß es aus dem Kopf. „Den Fenstern zum Hof, der eigentlichen Schauseite des Museums, ist in den vergangenen Jahren arg zugesetzt worden“, hat er beobachtet. „Einige machen wir gar nicht mehr auf, aus Furcht, die kippen komplett aus dem Rahmen.“ Und: „Das Holz, die Einfassungen mit den sogenannten Laibungen, überall blättert die Farbe ab und drumherum der Putz. Der Wind pfeift da durch, die Wärme geht verloren.

Domherrenhaus: Den rissigen Putz ruckzuck überstreichen, das hilft nicht mehr

Blick ins Detail: Die Farbe blättert ab, Feuchtigkeit dringt in die Rahmen und hat sie mürbe genacht.

Doch mal eben ein bisschen schmirgeln, die alte Farbe, den rissigen Putz ruckzuck überstreichen, das hilft nicht mehr. „Mehrfach ist in der Vergangenheit nur so gearbeitet worden“, weiß Emigholz. Etliche Anstriche liegen auf dem einen oder anderen Fensterrahmen. „Noch eine Schicht, dann fällt einem die Farbe vor die Füße“, vermutet der Museumsleiter. Wer mit ihm vor der Fassade steht, weiß, was er meint.

Also runter mit der Masse. Doch was zum Vorschein kommt, macht es nicht besser. „Die Fensterflügel verzogen, das Holz ist butterweich. Sonne, Regen, Kälte, der Zahn der Zeit nagt an der Fassade. Kein Wunder, es ist die Wetterseite des Hauses“, so Emigholz. Betroffen sind davon, mal mehr mal weniger intensiv, 15 Fenster.

Keine Fenstereinfassung gleicht der anderen

Innen sieht’s gut aus: Museumsleiter Dr. Björn Emigholz im renovierten Eingangsbereich.

Die Analyse eines Ingenieurbüros gibt Emigholz Recht. In die Erhaltung des historischen Gebäudekomplexes sollte dringend investiert werden, heißt es eingangs der vorliegenden Expertise. Der federführende Architekt rät dringend zum Austausch der Fenster-Einfassungen inklusive der Laibungen. Dabei steckt der Teufel im Detail. Keine Einfassung gleicht der anderen, denn das uralte Gebäude hat seine ganz eigenen Ecken und Kanten im Laufe der Jahrhunderte entwickelt. Din-Norm gab es damals noch nicht.

Es ist also Maßarbeit gefragt, um alles wieder so schön zu machen, wie es einmal war. Aber nicht nur das. „Die Sanierung würde auch dem nachhaltigen Schutz der Fachwerkkonstruktion dienen und mit dem Einbau der neuen Fenster erheblich Energie eingespart werden“, so die Prognose des Ingenieurs. Notwendig wäre, um die Arbeiten abzuwickeln, ein Gerüst. Ein Großteil der gesamten Sanierungskosten steckt in dem Aufbau der aufwendigen Konstruktion. Schon mal aufgestellt, soll neben den Fenstern auch die schadhafte Fassade ausgebessert und gestrichen werden, schlagen die Beteiligten vor.

Zustimmung der Denkmalschutzbehörde

Zustimmung für die Sanierung gibt es bereits von der Unteren Denkmalchutzbehörde der Stadt Verden. Auch der Landesdenkmalschutz hat sein Einverständnis signalisiert. Bleibt nur noch die Aufteilung der Kosten in Höhe von 108 000 Euro. Da hat Musemsleiter Emigholz den Sonderfond „Denkmalschutz“ des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages im Blick. Mit Aussicht auf Erfolg. Grundlage für eine Bewilligung aus dem Fond ist allerdings die Einbringung von Eigenmitteln in Höhe von 50 Prozent. Nach der im Rahmen der Museumsförderung geltenden Absprache müsste davon die Stadt 80 Prozent (43. 200 Euro) und der Landkreis Verden 20 Prozent (10. 800 Euro) der anfallenden Kosten zahlen.

Unterstützung durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages

Viel Spielraum bleibt den Beteiligten nicht: „Bei einer Förderbewilligung aus dem Sonderfond haben wir zwei Jahre Zeit, die Gebäudesanierung fachgerecht durchzuführen. Die Eigenmittel müssten daher im Jahr 2022 zur Verfügung gestellt werden“, so Emigholz.

Städtischer Kulturausschuss stimmt der Sanierung zu

Im städtischen Kulturausschuss herrschte am Donnerstagabend Einigkeit darüber, dass angesichts der Bedeutung des Hauses die Pläne für die Sanierung umgesetzt werden müssten. „Wichtig dabei ist, dass Stil von Fassade und Fenster, das einheitliche Bild, beibehalten und die Arbeiten dementsprechend ausgeführt werden“, erklärt Susanne Reinhardt, zuständig für die Kulturförderung bei der Stadt Verden. Zahlt auch der Landkreis seinen Anteil von 20 Prozent, dürfte dem Zuschuss aus dem Fonds des Bundes und damit der Sanierung nichts im Wege stehen – vorausgesetzt, Verwaltungsausschuss und dann der Stadtrat folgen in ihren Sitzungen der Empfehlung des Ausschusses.

Das Historische Museum

ist ein spätbarockes Gebäudeensemble aus dem Jahr 1708. Das Baudenkmal wurde unter anderem bis in die frühen 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts privat genutzt. Seit 1937 ist das Museum in allen Teilen des Gebäudes untergebracht.

Von Markus Wienken

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