Mit Müllabfuhr allein noch nichts erreicht

„Jeden Morgen eine nächste Überraschung“: Ein neuer Hausmeister führt am Niedersachsenring den verzweifelten Kampf gegen den Müll. Foto: kra

Der Müll vor den Wohnblöcken am Niedersachsenring schlägt Wellen und hat höchste Etagen von Stadt und Landkreis erreicht. Tatsächlich zeichnet sich eine erste leichte Entspannung ab. Die Müllberge sind weitgehend verschwunden. Aber Insider wissen längst: Es muss noch mehr passieren.

VON HEINRICH KRACKE

Verden – An den vergangenen Tagen hatte er sich Verstärkung mitgebracht. Zwei Leute, die anpacken können. In die Rabatten ging es. So eine Art Frühjahrsputz bereits im Februar. Der Grundstücksränder haben sie sich angenommen. Mächtig viel Wurzelwerk trugen sie zusammen, tütenweise Müll förderten sie zutage. Auch das muss ja mal gemacht werden. Ja, er ist emsig. Markus Schwarz steht seit einigen Tagen in Diensten der Kürner Immobilien GmbH & Co. KG. Er ist der Hausmeister, den alle Seiten angemahnt haben. „Nur mit einem Hausmeister ist die Situation hier in den Griff zu bekommen.“ Anwohner haben so argumentiert, auch der ehrenamtliche Stadtteilsverein Sowas betrachtet wie berichtet die ordnende Hand, die zumindest gelegentlich zupackt, als Schritt in die richtige Richtung.

An einer leeren Mülltonne steht dieser Markus Schwarz. Am Tag zuvor war der Kübel ausgeleert worden. Die Müllabfuhr fährt nicht nur alle zwei Wochen vor, Müllfahrzeuge drehen jetzt jede Woche ihre Runde. Auch so eine Reaktion auf die unhaltbaren Zustände rund um die Wohnblöcke. An einer leeren Mülltonne also. Platz wäre also wieder. Und dennoch ist nichts gut. Vor seinen Füßen ein nächster Plastiksack. „Einfach hingeworfen“, schimpft der Hausmeister, „hingeworfen. Und sortiert ist natürlich auch nichts.“

Er war von der Hausverwaltung sensibilisiert worden. „Aufklärung ist wichtig. Die Leute müssen wissen, wohin welcher Müll gehört“, sagt Markus Schwarz. Auch die Mitarbeiter der Abfallwirtschaft des Landkreises mahnten konkrete, leicht verständliche Instruktionen an. Drei Mal innerhalb weniger Tagen haben sie die Lage vor Ort ausgelotet. Erste „Gespräche“ mit Bewohnern wurden auch schon geführt. „Aber am nächsten Morgen“, sagt Markus Schwarz, „sieht es schon wieder ernüchternd aus.“ Und darüber hinaus haben sich auch noch die Dinge verselbstständigt. „Mir wurde bereits zugetragen, sogar Anwohner der gegenüberliegenden Straßenseite haben ihren Müll hier schon abgeladen.“

Zustände, die jetzt auch den Weg ins Rathaus und die Politik fanden. „Wir haben einen häufigen Wechsel bei den Bewohnern“, schätzte kürzlich Bürgermeister Lutz Brockmann vor dem höchsten Gremium der Stadt die Lage ein: „Die Abfallberatung hat die aktuellen Bewohner nicht erreicht.“ Jetzt reagiere man zunächst auf die Müllberge mit einer wöchentlichen Abfuhr, jetzt kontrolliere man zudem, ob sich die Lage bessere. Später seien dann weitergehende Maßnahmen geplant. „In der Vergangenheit hat schon mehrfach Rattenbekämpfung stattgefunden, das findet auch diesmal statt.“ Große Kosten sehe er nicht auf die Stadt zukommen. „Die Maßnahmen werden der Hausverwaltung in Rechnung gestellt, sie legt das auf die Mieter um.“

Skeptischer reagiert der Stadtteilsverein Sowas. Deren Vorsitzender Roland Bertram muss nicht mal hinaus in Sturm und Regen, um sich ein Bild zu machen. Ihm genügt ein Blick aus dem Küchenfenster. „Zurzeit kümmern sich alle“, stellt er fest, „es ist besser geworden, zumindest, was den oberflächlichen Müll betrifft.“ Aber die Vergangenheit lehre ihn, dass damit noch nicht die Wurzel des Problems erfasst sei. „Wir drängen weiterhin auf eine generelle Lösung.“ Mehr Umsorgung, das stelle er sich vor, sagt er. Immerhin befinden sich in den Wohnblocks nicht weniger als 90 Wohneinheiten. „Das sind die größten Zimmer Verdens.“ Rund 400 Menschen leben hier seinen Schätzungen zufolge, sie alle höchst unterschiedlicher Herkunft. Bestätigung findet er durch den seit Mitte Januar tätigen Hausmeister. „Eigentlich“, sagt Markus Schwarz, „eigentlich sind hier längst Sanierungsmaßnahmen geplant.“ Aber er habe die Wohnungen und deren Zustand gesehen. „Das macht so noch keinen Sinn.“

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