1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Verden

Doppelmord in Fischerhude - Motiv: Hass

Erstellt:

Von: Wiebke Bruns

Kommentare

Drei Männer stehen in einem Raum nebeneinander und reden. Das Gesicht des rechten ist unkenntlich gemacht.
Der Verdener Strafverteidiger Jakob Struif und Rechtsanwalt Jan Raschka aus Hamburg-Altona im Gespräch mit ihrem Mandanten (v.l.). © Bruns

Der Prozess wegen Tötungsdelikten in Fischerhude ist gestartet. Der Angeklagte hatte im vergangenen Dezember einen 56 Jahre alten Mann und dessen 73 Jahre alte Mutter erschossen.

Verden/Fischerhude – Im Dezember 2021 wurden in ihrem Haus in Fischerhude ein 56 Jahre alter Mann und dessen 73 Jahre alte Mutter erschossen. Gestern ist am Landgericht Verden der Mordprozess gestartet. Laut Anklage wurden sie von einem insolventen Pferdezüchter heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet. Der Angeklagte habe die beiden und einen weiteren Sohn der Frau gehasst. Dabei soll dieser zweite Sohn, ein Prinz mit einem Gestüt in Wehldorf (Kreis Rotenburg), dem Angeklagten in dessen Not geholfen haben.

Bis zum Sommer 2020 habe der Angeklagte ein Gestüt mit Hannoveraner Zucht in Lilienthal betrieben. Später habe der in ein deutsches Adelshaus eingeheiratete Prinz den 64-Jährigen und dessen Familie kostenlos auf seinem Gestüt in Wehldorf wohnen lassen. Befristet für sechs Monate. Dann hätten Bruder und Mutter dort einziehen sollen. Diese sollen den Prinzen vor dem Angeklagten gewarnt haben, dieser würde nur die Gutmütigkeit ausnutzen.

Wenige Wochen vor der Tat, am 3. Dezember 2021, soll der Prinz den von ihm auch finanziell unterstützten Angeklagten hinausgeworfen haben. Nachdem der 64-Jährige zwei Tage zuvor landwirtschaftliche Geräte verkauft habe, die laut Anklage von dem Lilienthaler Gestüt stammten und die der 64-Jährige dem Prinzen habe übereignen wollen. Zudem trennte sich die Ehefrau des Angeklagten, die er „als seinen Besitz angesehen“ habe.

Für die Tat soll sich der gebürtige Bremer dann eine slowenische Waffe samt Schalldämpfer besorgt haben und damit am Nachmittag des 28. Dezember nach Fischerhude gefahren sein. Eine 53 Jahre alte Cousine der 73-Jährigen war zu Besuch; sie öffnete ihm die Tür und ließ ihn ins Haus. Weil der Angeklagte den Spitznamen des 56-Jährigen nannte, habe sie ihn für einen Freund gehalten.

Mit einem Kopfschuss wollte der Angeklagte auch eine Zeugin töten

Im Haus soll der Angeklagte erst auf den Mann geschossen haben, anschließend habe er die Zeugin mit einem Kopfschuss töten wollen. Danach sei er zu der schlafenden Mutter gegangen und habe diese mit einem Schuss getötet. Zuletzt habe er kontrolliert, ob die anderen beiden Opfer noch lebten.

Die am Boden liegende Cousine „trat er gegen ihren Fuß“, verlas Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt. „In ihrer Todesangst“ habe sich die 53-Jährige nicht gerührt.“ Auf den noch atmenden Mann habe der Angeklagte weitere Schüsse abgefeuert. Mehr sei wegen einer Ladehemmung der Waffe nicht möglich gewesen. Bevor er flüchtete, nahm der 64-Jährige laut Marquardt noch zwei Pferdepässe aus dem Haus der Opfer mit. Am nächsten Tag stellte er sich der Polizei.

Eine Einlassung wurde für den zweiten Verhandlungstag angekündigt

Der des zweifachen Mordes und eines Mordversuchs angeklagte 64-Jährige „hasste“ den Prinzen, dessen Bruder und Mutter, so die Staatsanwältin. Er habe sich „für die Einmischung und Zerstörung seiner Zukunftspläne“ rächen wollen. „Zugleich beabsichtigte er, dem Prinzen Schmerzen zuzufügen und so sein Leben ebenfalls zu zerstören.“ Eine Einlassung wurde von den Verteidigern für den zweiten von insgesamt 32 geplanten Verhandlungstagen angekündigt. Ob geständig oder bestreitend, ließen sie offen.

Auch interessant

Kommentare