Bäuerin setzt auf Zweinutzungshühner

Fast ländliche Idylle in Verden: Mobiler Stall statt Legebatterie

Zwei Frauen stehen mit Hühnern im arm auf einer Wiese vor einem Stallgebäude auf Rädern. Weitere hühner sind auf dem Boden zu entdecken.
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Julia Steinbrück und Elisabeth Fresen (r.) am mobilen Hühnerhof in Eitze.

Verden – Es gibt sie, die Alternativen zum Kükenschreddern und zu Legebatterien. Und das gleich vor der Haustür. Auf Stoffers Hoff in Verden-Eitze geht Bioland-Bäuerin Elisabeth Fresen einen anderen Weg. Auch sie verkauft die Eier ihrer Hühner und vermarktet das Fleisch in ihrem kleinen Hofladen. Aber ihre „Zweinutzungshühner“ sind keine Hochleistungsproduzenten von Nahrungsmitteln.

Der mobile Stall in den Farben eines Schwedenhauses steht mitten im hohen Gras eines abgesteckten Wiesenstückes nahe der Eitzer Tonkuhle. 45 Hühner scharren zwischen den Halmen, zupfen daran und picken sich ihr Futter auf. So stellt man sich das mit der landwirtschaftlichen Idylle vor, aber so haben Elisabeth Fresen und Julia Steinbrück ihr Hühner-Projekt ganz bewusst aufgezogen. Nicht als ökologisch-ländliches Museum, sondern als Geschäftsmodell.

Ein Cent pro Ei für Öko-Tierzucht

Die Hühner sind speziell gezüchtet. Sie sind ein Kompromiss zwischen der Nutzung als Legehennen und Masthähnchen. „Ein Projekt von Demeter und Bioland“, erklärt Fresen. Die beiden Bio-Anbauverbände haben Höfe wie Stoffers Hoff gefunden, die mit den Hühnerrassen arbeiten. „Zwei Höfe haben die Zucht übernommen. Die Rassen sollen nicht mehr weiter für die Eier- oder Fleischproduktion spezialisiert werden“, erklärt die Bäuerin. Und weil das alles nicht ganz billig ist, hilft ein Cent pro Ei, die ökologische Tierzucht mitzufinanzieren.

Dass dieses Zuchtprogramm nicht von Konzernen abhängt oder abhängig macht, sondern „bäuerlich“ und ökologisch ist, passt zu den Idealen von Elisabeth Fresen. Neben der Arbeit auf dem Hof ist sie auch Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und wurde in die Zukunftskommission des Landwirtschaftministeriums in Berlin berufen.

100 Eier weniger von den glücklichen Hühnern

Der züchterische Kompromiss allerdings wird sich kaum förderlich auf den Ertrag von Stoffers Hoff auswirken. Das akzeptiert die Eitzer Landwirtin. Während die gackernden Spezialistinnen in den Legebatterien den Einsatz von 44 Kilogramm Futter im Jahr mit jeweils 330 Eiern vergolden, kann Fresen bei den Bewohnerinnen des Schwedenstalls mit 100 Eiern weniger rechnen. Der Futtereinsatz ist dagegen deutlich höher: 51 Kilogramm Futter muss sie kalkulieren. Allerdings wächst einiges davon natürlich auf dem mobilen Hühnerhof an der Tonkuhle.

„Alle paar Tage ziehen wir den Wagen weiter“, erklärt Fresen. Dann könne sich das Gras erholen, und die Hühner finden immer frisches Grün. „Das macht das Dotter gelb“, sagt sie. Und diese Qualität ist auch das, was für Fresen den Aufwand wirtschaftlich rechtfertigt.

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Ähnlich sieht es bei den „Zweinutzungshühnern“ mit ihrer Eigenschaft als Fleischlieferant aus. Das normale Masthähnchen muss nach dem Schlüpfen in 35 Tagen 2,1 Kilogramm Lebendmasse für die Schlachtung entwickeln, die Hühner von der Eitzer Wiese haben 17 Wochen Zeit. Und selbstverständlich werden die Bruderhähne nicht wie in der Industrie geschreddert. Sie dürfen gemeinsam mit den gefiederten Eierproduzentinnen aufwachsen.

Geschmack und Qualität des Fleisches

Dieses Mehr an Zeit merke man am Geschmack und der Qualität des Fleisches, ist die Eitzerin überzeugt. Und dann sei noch alles Bio-Qualität, erinnert sie. Auch da hätten die beiden Anbau-Verbände höhere Ansprüche als die EU. Denn die Zweinutzungshühner selbst lebten ebenfalls komplett ökologisch. „Und das seit zwei Generationen.“

Im Supermarktregal sind die Eier und die Schlachttiere denn auch nicht zu finden. Dafür vermarktet Elisabeth Fresen sie in ihrem Hofladen direkt in der Verdener Ortschaft. Mit der Walsroderin Julia Steinbrück aber will sie auch ein Eier-Abo anbieten. Dabei können sich die Kunden mit einem Jahres- oder Halbjahresbetrag die wöchentliche Lieferung von sechs oder zehn Eiern sichern. Da passt es ins Bild, dass die Auslieferung selbstverständlich mit dem Lastenfahrrad ausgeführt werden soll, wenn die Entfernung nicht zu groß wird.

Weitere Informationen auf www.stoffershoff.de.

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