Mitarbeiter der Aller-Weser-Klinik protestieren gegen Gesetzesentwurf

Aktion gegen Personalnot

+
Auch in Achim beteiligten sich Krankenhausmitarbeiter an der bundesweiten Aktion „162000 für 162000“.

Landkreis - Ärzte, Schwestern und Pfleger hielten gestern zehn Minuten lang Nummernkarten von 1 bis 162000 in die Höhe. Sie wiesen so symbolisch auf jeden fehlenden Arbeitsplatz in deutschen Krankenhäusern hin. Auch die Beschäftigten der Aller-Weser-Klinik (AWK) beteiligten sich an der von der Gewerkschaft ver.di organisierten bundesweiten Aktion. Unterstützung erhielten sie von der Geschäftsführung und dem Betriebsrat.

Unter dem Motto „162000 für 162000“ legten an den Standorten Verden und Achim zur Mittagszeit mehr als 250 Angestellte kurz ihre Arbeit nieder.

Mit dem Protest machten die Klinikmitarbeiter ihrer Enttäuschung über den Gesetzesentwurf zur Krankenhausreform Luft. Diesen hatte die Bundesregierung vor ein paar Tagen veröffentlicht. In drei Schritten soll es demnach bis zum Jahr 2018 maximal 7000 neue Stellen für die Pflege am Bett geben. Nach Berechnungen von ver.di fehlen in dieser Berufsgruppe aber allein 70000 Beschäftigte. Insgesamt benötigten die Kliniken 162000 zusätzliche Kräfte. Um diesen Notstand zu beheben, seien laut der Gewerkschaft mindestens acht Milliarden Euro notwendig. Die Regierung will aber nur 660 Millionen zur Verfügung stellen.

Die personelle Situation in der AWK sei bereits eng. „Das Personal häuft massiv Überstunden an“, sagte Pflegedirektorin Christine Schrader. Schließlich könnten die Pfleger und Schwestern nicht einfach den Stift fallen lassen, sondern müssten solange bleiben, bis alle Aufgaben erledigt seien. Es komme auch immer wieder vor, dass Angestellte ihre freien Tage nicht nehmen könnten, weil Kollegen krank seien.

„Aufgrund der dünnen Personaldecke bleiben Pausen auf der Strecke. Manchmal müssen Patienten sogar warten“, erklärte Betriebsratsvorsitzende Eva Hibbeler. Ihre Kollegen arbeiteten am Limit und könnten körperlich oftmals nicht mehr. Ihnen gehe es zum Teil sichtlich schlecht. „Das spürt letztendlich auch der Patient, der eigentlich bestmöglichst versorgt werden soll“, sagte AWK-Geschäftsführerin Marianne Baehr. Der aktuelle Entwurf des Krankenhaus-Strukturgesetzes biete bislang keine Lösung für den dramatischen Personalmangel in den Kliniken. Zudem werde die Beziehung zwischen Versorgungsgüte und genügend Personalstärke darin vollständig ignoriert. „Die Politik muss erkennen, dass Qualität in der Patientenversorgung maßgeblich in Zusammenhang mit der Bereitstellung von finanziellen Mitteln steht“, berichtete Schrader. Sie und ihre Kollegen fordern daher eine verbindliche und am Bedarf orientierte Personalbemessung. Anlass der Aktion waren die Tagungen der Gesundheitsministerkonferenz von Bund und Ländern im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim und des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags in Berlin. Ver.di fordert ein Gesetz zur Personalausstattung in Krankenhäusern und dessen Finanzierung sowie ausreichende Investitionen durch die Bundesländer.

as

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Meistgelesene Artikel

Der brennende Mönch: Domfestspiele feiern eine überzeugende Premiere

Der brennende Mönch: Domfestspiele feiern eine überzeugende Premiere

Bauamtsleiter Frank Bethge hat gekündigt

Bauamtsleiter Frank Bethge hat gekündigt

Lautes Gebrüll im Gericht: „Mann, die da waren das!“

Lautes Gebrüll im Gericht: „Mann, die da waren das!“

22 Tonnen Äpfel auf Fahrbahn: A27 bei Verden gesperrt

22 Tonnen Äpfel auf Fahrbahn: A27 bei Verden gesperrt

Kommentare